„Sie geben der Kirche ein Gesicht“

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„Sie geben der Kirche ein Gesicht“

BUTZBACH. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hielt den Festgottesdienst zu den Jubiläen in St. Gottfried. Text + Foto: kip

FESTGOTTESDIENT – mit Bischof Kohlgraf zu Jubiläen von Pfarrgemeinde, JVA-Seelsorge und Schwesternstation

BUTZBACH (kip). Seinen Dank für den im Alltag gelebten Glauben in der Pfarrgemeinde St. Gottfried, der Schwesternstation und der JVA-Seelsorge sprach der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf im gestrigen Festgottesdienst anlässlich der Jubiläen der drei Institutionen aus. Kohlgraf hielt den Festgottesdienst anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Ordensniederlassung und des jeweils 125-jährigen Jubiläums der katholischen Pfarrgemeinde und der JVA-Seelsorge.  

Aus dem praktizierten Glauben und der Nächstenliebe im Alltag könne manchmal Großes entstehen, sagte der Bischof. So sei im dritten Jahrhundert Pachomius, ein heidnischer Soldat aus Ägypten, von Christen gesund gepflegt worden. Dies habe ihn so beeindruckt, dass er selbst Christ wurde und zum Mitbegründer der Bewegung des Mönchtums wurde. Die Christen, die ihn gepflegt haben, hätten dies ohne missionarisches Ziel, einfach aus ihrem gelebten Glauben heraus getan. So sei aus etwas Kleinem etwas Großes entstanden. 

Unter der Leitung von Stefan Worlitsch sangen Kirchenchor und Singkreis der Gemeinde zusammen im Festgottesdienst.

Auch in Butzbach gebe es dieses ganz selbstverständliche Glaubensleben mit Gottesdiensten und Caritas, für das er sehr dankbar sei, betonte der Bischof. „Sie alle geben der Kirche ein Gesicht.“ Das Weiten des Blicks auf das Gefängnis und auf die Menschen, die in besonderer Weise schuldig geworden sind, sei ein starkes Zeugnis, so Kohlgraf. So werde der alte christliche Grundsatz umgesetzt, die Sünde zu verachten, aber den Sünder zu lieben. Es gehe um die Würde des Menschen und die Unterstützung der Gefangenen dabei, sich ihrer Schuld zu stellen und dafür Verantwortung zu übernehmen, sagte Kohlgraf. 

Auch die Schwestern der Missionsgemeinschaft Königin der Apostel praktizierten heute im Kindergarten jeden Tag ihren Glauben, indem sie den Kindern dazu verhelfen, „Menschen der Freiheit zu werden“. Dieser alltäglich gelebte Glaube in Pfarrgemeinde, JVA und Schwesternstation sei etwas Besonderes. Kohlgraf: „Wer weiß, was einmal daraus wird? Das dürfen wir Gott überlassen.“ 

Etwas weltkirchlichen Flair brachten die Ordensschwestern und zwei junge Inderinnen in den Gottesdienst. Das Lob Gottes und das Vaterunser wurden von ihnen in indischen religiösen Tänzen umgesetzt. Erneut waren Kirchenchor und Singkreis – geleitet von Stefan Worlitsch – gemeinsam zu hören, an der Orgel wirkte Roswitha Kurz.

Nur wenig Zeit blieb dem Bischof nach dem Festgottesdienst wegen einer Bischofsweihe in Freiburg für weitere Gespräche in Butzbach, doch etwas Zeit nahm er sich nach der Messfeier noch für Begegnungen mit den Gottesdienstbesuchern vor der Kirche. 

Für die Stadt Butzbach gratulierte Stadtrat Christoph Jung. Die kirchlichen Kindergärten seien eine Bereicherung für die Stadt, die das Angebot der städtischen Einrichtungen ergänze, betonte er. Robert Werner überbrachte die Glückwünsche des Butzbacher Vereinsrings. Den „Geschwistern im Glauben“ dankte Vikar Christoph Kahlert von der Markusgemeinde für die gute ökumenische Zusammenarbeit, für Vertraulichkeit und Offenheit. Vom Ordensreferat des Bistums Mainz sprach Sr. Helena Hopf den Butzbacher Schwestern ihren Dank für ihr „Zeugnis des geweihten Lebens“ aus. Pfarrer Bernd Richardt überbrachte Grüße vom Grab des heiligen Gottfried in Kappenberg.  

Die Ordensschwestern von der Missionsgesellschaft Königin der Apostel, die sich sonst meist durch bescheidene Zurückhaltung auszeichnen, standen diesmal im Mittelpunkt der Feier. So fand das bunte Programm nach dem Gottesdienst diesmal nicht am Gemeindehaus, sondern rund um Schwesternstation und Kindergarten sowie vor der Kirche statt. Die Besucher hatten die Möglichkeit, die Schwesternstation über dem Kindergarten zu besichtigen und dort auch einen Blick in die für viele unbekannte Kapelle der Ordensfrauen zu werfen. Im und am Kinderhaus gab es nachmittags Kaffee und Kuchen. In einer Präsentation informierten die Schwestern über ihren Orden und die Geschichte des Konvents in Butzbach, zu dem heute noch vier Schwestern gehören: Sr. Stephina Ghonsalves als Oberin, Sr. Leny Luvies (Leiterin des Kindergartens St. Martin), Sr. Angelina Lakra (Küsterin in St. Gottfried) und Sr. Valentine Bandia. Unter den Gästen des Tages waren auch die beiden früher in Butzbach wirkenden Schwestern Anselma und Sheela. 

In der Kirche informierte Günter Bidmon über den gotischen Marienaltar. Für die Kinder gab es ein eigenes Programm. Der neue Förderverein des Kindergartens nutzte das Fest, um sich vorzustellen. Mit der Vesper in der Kirche klang der Festtag aus. 

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