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1852 war die Lücke geschlossen

Foto: bender

NACHBARSCHAFTSHILFE – Jürgen Lerch weckt mit Vortrag „Eisenbahn in Butzbach“ viele Erinnerungen

BUTZBACH (be). Mit seinem Titel „Die Eisenbahn in Butzbach“ hatte der Referent Jürgen Lerch am Samstagnachmittag eine stattliche Zuhörerzahl in den Gruppenraum des Butzbacher Bürgerhauses angelockt. Diejenigen, die zu der Veranstaltung der Butzbacher Nachbarschaftshilfe gekommen waren, wurden dann auch reichlich belohnt mit vielen Informationen und Bild-Material zur Main-Weser-Bahn und der Butzbach Licher Eisenbahn, was gerade bei den älteren Besuchern viele Erinnerungen weckte. Die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, Kornelia Kraus-Ruppel, begrüßte die Zuhörer. Lerch widmete sich zunächst dem Bau und der Entwicklung der Main-Weser-Bahn. „Allein der Name ist schon etwas kurios, denn die erbaute Fahrstrecke ging niemals bis an die Weser“, erklärte Lerch und begründete die Namensgebung damit, dass viele Güter von und nach Kassel zur Weser weitertransportiert wurden. 

Mit großem Weitblick für die Zukunft einigten sich bereits 1845 die freie Reichsstadt Frankfurt, das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und das Kurfürstentum Hessen-Kassel über den Bau der Main-Weser Bahn als zu betreibende Staatsbahn. Gebaut wurde in sogenannten Sektionen, wobei der von Butzbach aus betreute Bauabschnitt die Strecke von Ostheim bis Klein-Linden umfasste.  

Am 11. März 1850 konnte bereits die Bahnstrecke von Frankfurt nach Friedberg eröffnet werden, ehe am 1. Dezember auch zwischen Friedberg und Butzbach die ersten Züge verkehrten. Schon Tage vorher fuhren Militärzüge mit preußischen Truppen, die  aus Baden zurückkehrten, bis nach Ostheim. Dort wurde auf freier Strecke ausgestiegen und nach Gießen marschiert, wo es dann wieder eine Verbindung Richtung Kassel gab. Der letzte Abschnitt bei Großen-Linden konnte wegen Dammbauarbeiten nämlich erst am 15. Mai 1852 in Betrieb gehen. 

Da sich der Verkehr in den ersten Betriebsjahren sehr gut entwickelte, wurde die Strecke bis 1865 zweigleisig ausgebaut. Um 1870 änderten sich das Zugangebot und auch das Nutzerverhalten. Zugfahrkarten für eine vierte Klasse wurden ebenso eingeführt wie ermäßigte Schülerkarten, so dass die Nutzung wesentlich intensiver wurde. Am 1. Oktober 1887 kam der Haltepunkt Ostheim hinzu, den die Ostheimer mit 6500 Mark mitfinanzierten. Zur Jahrhundertwende waren es dann schon 13 Züge, die pro Tag und Richtung in Butzbach hielten. 

In dieser Zeit entstand auch der Gedanke für ein Streckennetz im ländlichen Raum von Butzbach, da man die wirtschaftliche Weiterentwicklung durch fehlende günstige Transportmöglichkeiten für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Bodenschätze gefährdet sah. Als Bürgermeister und Landtagsabgeordneter ergriff Wilhelm Joutz die Initiative, gründete ein Eisenbahnkomitee und suchte nach Geldgebern. Am 17. April 1902 erfolgte die Gründung der Butzbach-Licher Eisenbahn AG (BLE AG) mit einem Aktienkapital von 550 000 Mark. 1903 wurde schon mit dem Bau der Strecke Butzbach – Lich begonnen, die ein Jahr später offiziell eröffnet wurde. Später wurde die Strecke nach Grünberg verlängert, zusätzlich wurden die Strecken Griedel – Bad Nauheim sowie Butzbach-Ost – Pohl-Göns – Oberkleen gebaut.  

Am Ostbahnhof hatte die BLE ihre Verwaltung, in Butzbach-West fuhren die Züge direkt an der Ludwigstraße vor der Schuhfabrik Rumpf ab. Zusätzlich gab es noch einen Haltepunkt im Industriegebiet Nord (Bamag) und auch am Bahnübergang Holzheimer Straße wurde zum Ein- und Aussteigen gehalten. 

Mit der Main-Weser Bahn und der BLE war Butzbach natürlich auch als Firmenstandort attraktiv. Über entsprechend eigene Gleisanschlüsse konnten Waren und Güter abtransportiert werden. Das nutzten Firmen wie die Butzbacher Farbenfabrik, der Kessel- und Anlagenbauer Samesreuther, die Kalkbrennerei Küchel oder die Landmaschinenfabrik Tröster. Zeitweise gab es bis zu 20 Gleisanschlüsse im Großraum Butzbach. 

In den 1960er Jahren wurde die Main-Weser-Bahn dann elektrifiziert und mit moderner Signaltechnik ausgestattet. Das Zugangebot wurde weiter ausgedehnt, inzwischen halten von Montag bis Freitag durchschnittlich 88 Züge in Butzbach. Ganz anders die Entwicklung der BLE, die 1975 den Personenverkehr einstellte. Jetzt hat auch nur noch die Firma Weichenbau einen eigenen Gleisanschluss aber dafür sind es die in Münzenberg beladenen langen Holzzüge, die immer wieder für Aufsehen sorgen. 

„Durch die Attraktivität des Rhein-Main-Gebiets wird der Zugverkehr weiter zunehmen. Der viergleisige Ausbau zwischen Frankfurt und Friedberg sowie die Entlastung der Mittelrheinstrecke sind die Themen, die zukünftig diskutiert werden“, schloss Lerch seinen Vortrag. 

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