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40 Meter hoher Funkmast kommt nicht

Langenhain-Ziegenberg. Ins Vogelschutzgehölz oberhalb von Langenhain-Ziegenberg sollte ein 40 Meter hoher Mobilfunk-Sendemast gestellt werden. Jetzt wird ein anderer Standort gesucht. Text + Foto: nns

MOBILFUNK – Arbeitskreis Naturschutz in Sorge um Vogelschutzgehölz / Paulenz: Kein Vertrag geschlossen

LANGENHAIN-ZIEGENBERG (nns). Seit 20 Jahren ist der Arbeitskreis Naturschutz (AKN) Langenhain-Ziegenberg Pächter eines gemeindeeigenen Flurstücks neben dem Freizeitheim Uhu. Über die Jahre haben die Naturschützer unter großem Kraftaufwand dort „Am Heiligen Holz“ ein Vogelschutzgehölz mit Ackerbrache und Äsungswiese geschaffen, das Seinesgleichen sucht. Untere Naturschutzbehörde und BUND leisteten laut AKN-Projektbeschreibung erhebliche Starthilfe im Sinne des Natur- und Artenschutzes und der Biodiversität. 

Umso größer war das Entsetzen beim AKN, als er vor gut einem Monat zufällig erfuhr, dass in eben jenem Vogelschutzgehölz eine Mobilfunk-Sendeanlage errichtet werden sollte – dem Vernehmen nach mit einer Masthöhe von 40 Metern und wenige hundert Meter vom Wohngebiet „Am Heiligenberg“ entfernt. Als das Thema am 3. Juni im Haupt- und Finanzausschuss von der CDU angesprochen wurde, teilte Bürgermeisterin Kristina Paulenz laut Protokoll mit, dass die Untere Naturschutzbehörde (UNB) keine Einwände gegen den von Vodafone geplanten Standort habe. 

Wie die Rathauschefin inzwischen im Parlament und auf Nachfrage gegenüber der BZ betonte, habe die Gemeinde keinen Vertrag mit Vodafone unterzeichnet. Wo der „Handymast“ errichtet werde, sei ihr nicht bekannt. Während der jüngsten Parlamentssitzung am 24. Juni wollte die Grünen-Fraktion wissen, ob der Gemeinde bekannt sei, dass sie auch dann auf den Standort derartiger Anlagen Einfluss nehmen könne, wenn sie nicht auf Gemeindegrund errichtet werden sollten. Dies verneinte die Bürgermeisterin.

LANGENHAIN-ZIEGENBERG. Dieser vergleichbare Mast entstand unlängst neben der Rastanlage Wetterau-West an der A5 bei Ober-Mörlen. Eine weitere Antenne ragt wenige Hundert Meter weiter bergab an der verlängerten Hasselhecker Straße in den Himmel. Auch auf dem Häckselplatz soll ein Funkmast aufgestellt werden. Text + Foto: nns

 Zudem hätten die Grünen in dieser Sitzung gerne ein Mobilfunk-Immissionsgutachten in Auftrag gegeben, um den bestmöglichen Standort für eine Anlage zu finden, von der laut Untersuchungen erhebliche Strahlenbelastungen ausgingen. Laut Bundesimmissionsschutzverordnung könne die Kommune auf die Standortwahl Einfluss nehmen und damit ihrer Vorsorgepflicht nachkommen, argumentierte Grünen-Chef Klaus Spieler. Ein entsprechender Dringlichkeitsantrag seiner Fraktion schaffte es nicht auf die Tagesordnung. 

Wie AKN-Vorsitzender Max Klenner berichtet, sei man erleichtert, dass der Mast nicht mitten ins Vogelschutzgehölz gestellt wird. Die Hiobsbotschaft hatte ihm und seinen Mitstreitern Anfang Juni schlaflose Nächte bereitet. Er schrieb sich die Finger wund, schickte Briefe unter anderem an die Untere und die Obere Naturschutzbehörde. Auch jetzt gibt sich Klenner nicht zufrieden. Das Ausmaß der Strahlenbelastung durch neue Technologien (Stichwort 5G-Technik) sei noch gar nicht zu erfassen. Es gebe durchaus Alternativen zu den baumhohen Mobilfunkmasten, sodass auch Langenhain-Ziegenberg in Zukunft besser mobil telefonieren könne. 

Wenn alle an einem Strang zögen, könne man gemeinsam für Natur und Mensch wirken und die Lebensqualität im Dorf steigern, ist Klenner überzeugt. Die Vielzahl an gelungenen Naturschutz-Projekten während der letzten 28 Jahre bestätige die nachhaltige Bedeutung des Miteinanders und bestärke im Gefühl, das Richtige zu tun. Infos zur Gruppe gibt es im Internet unter www.arbeitskreis-naturschutz.org.

Am Sonntag, 14. Juli, gibt es ab 9.30 Uhr Gelegenheit, die Gruppe und einige ihrer Projekte bei einer knapp dreistündigen Wanderung rund um Langenhain-Ziegenberg kennenzulernen. Treffpunkt ist an der Einmündung Mühlenweg an der B275 (von Ober-Mörlen kommend nach der Usabrücke rechts). Gestartet wird mit einer neu angelegten Blühfläche in der Dorfwiese, weiter geht es zum Steinbruch mit seinen Trockenrasenbeständen, von da über den Übchesborntümpel zur Obstwiese am Muckeberg und zum Trafoturm mit seinen Nisthilfen „Zum Schluss erreichen wir die Streuobstwiese und das Vogelschutzgehölz am Uhu“, freuen sich Klenner und seine Weggefährten auf zahlreiche Interessierte.

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