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5-Sterne-Hotel für Fledermäuse

MÜNZENBERG. Im alten Münzenberger Hochbehälter befindet sich jetzt ein Fledermaushotel. Für die passende Inneneinrichtung sorgte das Team der Naturschutzgruppe der Stadt Münzenberg e.V. um die erste Vorsitzende Sabine Tinz. Das prachtvolle Portal stammt aus der Metallwerkstatt der JVA Butzbach. Text + Foto: Müh

Naturschutzgruppe Münzenberg fungiert Hochbehälter um

MÜNZENBERG (Müh). Die Naturschutzgruppe Stadt Münzenberg e.V. ist unter die Hotelbetreiber gegangen. Das engagierte Team um Vorsitzende Sabine Tinz hat den alten Hochbehälter am Biergässchen in Münzenberg in liebevoller Handarbeit in ein Hotel verwandelt. Und im Gegensatz zu allen anderen Beherbergungsbetrieben blieb das Haus der Münzenberger Naturschützer von sämtlichen Corona-Maßnahmen verschont. Kein Wunder – die Gäste sind klein, können fliegen und orientieren sich mit Ultraschall.

Das sowohl als Sommer- wie auch als Winterquartier nutzbare Fledermaushotel kommt bei den Insektenjägern gut an. Stolz kann Sabine Tinz berichten, dass sich dort das „Graue Langohr“ einquartiert hat. Die Grauen Langohren gelten als typische Dorffledermausart. Namensgebend ist die Größe ihrer Ohren, die sie neben der Echoorientierung auch zum Hören verwenden. So können sie noch viel mehr Eindrücke aus ihrem Umfeld wahrnehmen. Denn das benötigen sie auch, wenn sie im dichten Blattwerk von Bäumen und Sträuchern nach Insekten jagen und wie ein Kolibri in der Luft verharren und sogar kurz rückwärts fliegen. Zur Lieblingsnahrung gehören Nachtfalter, welche im Flug erbeutet und anschließend zu einem Frassplatz getragen werden.

Graue Langohr sind essentiell auf Gebäudequartiere angewiesen. Vorzugsweise beziehen sie Spaltenquartiere in größeren Dachböden, wo sie mehrere Hangplätze besitzen. Beliebte Stellen sind hierbei Spalten am Schornstein und dem Gebälk sowie unter der Dachspitze. Oder wie in Münzenberg der für sie passend umgestaltete ehemalige Hochbehälter.

Da die Langohren kältetolerante Fledermausarten sind, kann es passieren, dass die Tiere noch lange über die Wochenstubenzeit hinaus im Sommerquartier bleiben. Mitunter ist auch eine oberirdische Überwinterung der Tiere nicht auszuschließen – insbesondere wenn sich in alten Gebäuden noch Natursteinmauern mit Fugen befinden. Falls das Graue Langohr unterirdische Winterquartiere aufsucht, befinden sich diese meist in unmittelbarer Umgebung zum Sommerquartier – oftmals noch im selben Dorf. Hieran erkennt man, wie wichtig es ist, für die Grauen Langohren ausreichend Quartiermöglichkeiten innerhalb einer Ortschaft zu erhalten.

Das Graue Langohr erreicht eine durchschnittliche Kopf-Rumpf-Länge von 41 bis 58 Millimetern, Maximallängen bis 60 Millimeter können auftreten. Der Schwanz ist 37 bis 55, maximal 57 Millimeter lang, und die Flügelspannweite beträgt 255 bis 292 Millimeter. Wie andere Langohrfledermäuse fallen die besonders ausgeprägten Ohren auf, die Längen von 31 bis 41 Millimeter erreichen und etwa 22 bis 24 Querfalten aufweisen. Das Körpergewicht liegt bei 5 bis 13 Gramm. Die Bestände des Grauen Langohrs werden als konstant bezeichnet, eine Abnahme ist vor allem in den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebietes zu verzeichnen. Als Gründe gelten hier vor allem die Verbauung und Zerstörung der Quartiere sowie die Verwendung von giftigen Pestiziden und Holzschutzmitteln.

Ruhe ist für die Fledermäuse wichtig. So dürfen auch die Mitglieder der Naturschutzgruppe der Stadt Münzenberg e.V. das Fledermaushotel nur alle 3 bis 4 Jahre kontrollieren, um den Tierchen nicht zu nahe zu kommen. Dafür, dass kein Unbefugter den Fledermausfrieden stören, sorgt ein stabiles Tor. Hergestellt haben es die Insassen der JVA Butzbach. Die tolle Arbeit zeigt auf den ersten Blick, wer hier zu Hause ist.

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