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70 Jahre Theater ohne Unterbrechung

EBERSGÖNS. Helmut Dörr vom Verein zur Erhaltung der mittelhessischen Mundart und Kultur (Vemuk) überreichte ein Schildchen mit der Aufschrift „Mir schwätze platt“ und dem „rollenden R“ als typisches Erkennungszeichen des mittelhessischen Platt als Geschenk. Helmut Dörr ist selbst auch Mitglied der Ebersgönser Laienspielschar. Foto: pa

Festakt Laienspielschar Ebersgöns feiert runden Geburtstag / Ehrung langjähriger verdienter Mitglieder

EBERSGÖNS (pa). Die Laienspielschar Ebersgöns blickt in diesem Jahr auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück. Seit Gründung führen die Aktiven jedes Jahr mindestens ein Theaterstück auf, seit über 30 Jahren in Mundart. Damit gehört die Ebersgönser Laienspielschar zu den ältesten Laienbühnen in Hessen, die ohne Unterbrechung jährlich Theater spielen.

Zur Theatersaison hatte die Laienspielschar im Jubiläumsjahr bereits zwei Theaterstücke in unterschiedlicher Besetzung in ihrem „Ewerschgieser Platt“ aufgeführt. Mit dem Festabend wollte sich die Laienspielschar Ebersgöns auch für 70 Jahre Treue bei ihren Fans und dem Publikum bedanken.

Vorsitzender Edgar Tögl gab einen Überblick zur Geschichte des kulturellen Vereins. „Die Gründer der Laienspielschar konnten damals nicht ahnen, welchen Stein sie ins Rollen gebracht hatten. Über 130 Bürger unserer kleinen Gemeinde standen seit dieser Zeit auf der Bühne und machten Ebersgöns als Theaterdorf weit über die Grenzen der Wetterau bekannt“, so Tögl.

Lobende Worte hatte der Vorsitzende für die alle bereits verstorbenen Vereinsgründer Ewald Wilhelm und Richard Jung, der auch Vorsitzender des Vereins war. In der 60-jährigen Geschichte der Laienspielschar Ebersgöns war der 1999 verstorbene Richard Jung 42 JahreVorsitzender. Ihm folgte 1989 Horst Brenner, der 2006 starb. Seitdem ist Tögl Vorsitzender.

Wilhelm hat unschätzbare Dienste für den Verein mit Texten vieler Sketche, Prologe und Lieder erbracht. Seine Gabe, Stücke fürs Theater zu schreiben und Theater zu spielen, hat Tausende von Zuschauern fasziniert und begeistert und selbst bei Verantwortlichen größerer Bühnen große Aufmerksamkeit erweckt.

Aber Ewald Wilhelm war seinem Heimatdorf treu geblieben und hat für Ebersgöns sogar ein ergreifendes wunderbares Stück geschrieben. „Der große Brand“ handelte von einer verheerenden Feuersbrunst im Jahre 1776 und wurde anlässlich der 800-Jahrfeier von Ebersgöns im Jahre 1997 unter großem Zuspruch aufgeführt.

Stellvertretend für alle Vereinsmit-glieder, die auf der Bühne oder auch hinter den Kulissen oder in anderer Weise für den Verein tätig sind, bedankte sich Tögl bei denen, die 50 Jahre und mehr auf der Bühne standen sowie beim Vorstand für deren jahrelangen Einsatz.

Der Schirmherr Joachim Arnold, Landrat des Wetteraukreises, sprach der Ebersgönser Theatergruppe ebenfalls großes Lob aus: „Wir sind alle sehr stolz auf Sie. Mit dem Theater machen Sie die Herzen der Menschen glücklich, machen Sie weiter so.“ Im Hinblick auf die Jugendarbeit des Vereins schloss sich die Kreisbeigeordnete sowie Jugend- und Sozialdezernentin des Wetteraukreises Stephanie Becker-Bösch der Gratulation an. Für die Stadt Butzbach und in Vertretung von Bürgermeister Michael Merle überbrachte Erster Stadtrat Manfred Schütz Glückwünsche und hob das Engagement der Laienbühne im Hinblick auf deren Unterstüzung und Spendentätigkeit für gemeinnützige Zwecke hervor. Helmut Dörr vom Verein zur Erhaltung der mittelhessischen Mundart und Kultur (Vemuk) überreichte ein Schildchen mit der Aufschrift „Mir schwätze platt“ und dem „rollenden R“ als typisches Erkennungszeichen des mittelhessischen Platt als Geschenk.

Ortsvorsteher Andreas Wilhelm erhielt für seine mit vielen Namen von gespielten Theaterstücken ergänzte Lobesrede mit Applaus. Ebenso gefiel das Grußwort der Vorsitzenden des Ebersgönser Vereinsrings, Daniela Wilhelm, die die Gratulation in ihrer schwäbischen Mundart und von ihrem Ehemann ins Hochdeutsche übersetzt übermittelte. Das Grußwort des Vereinsrings Butzbach überbrachte Robert Werner.

Für 25 und 40 Jahre aktives ehrenamtliches Engagement wurden Vereinsmitglieder von Heinrich Kraft vom Landesverband Hessischer Amateurtheater geehrt: Edith Schindel, Carina Vogel, Heidelore Althenn und Rainer Metzger erhielten die Urkunde vom Bund Deutscher Amateurtheater für 25 Jahre und Edgar Tögl, Manfred Daudert, Rosel Köhler, Hiltrud Scheuerling, Heinz Scheuerling und Manfred Schütz für 40 Jahre Mitgliedschaft.

Beim Vorsitzenden des TSV Ebersgöns, Klaus Hübner, bedankte sich Edgar Tögl für die gute Zusammenarbeit bei den jährlich in der vereinseigenen Turnhalle des TSV stattfindenden Theateraufführungen. Den „Sangesfreunden Kleebachtal“ unter der Leitung von Erich Reusch dankte er für die Umrahmung des Festprogrammes und den „Ewerschgieser Hoingkmänner“ sowie dem Stammtischclub „SC Hoch+Weit“ für die Unterstützung an der Theke.

Im Anschluss an den Festakt spielten „Die Jungen Kirbachtaler“ mit ihrer böhmischen Blasmusik zum Tanz auf.

Blick in die  Vereinsgeschichte 

EBERSGÖNS (pa). Bei den Ebersgönsern reicht das Laienspieltheater, soweit bekannt, bis 1922 zurück. In den dreißiger Jahren, bedingt wohl durch die schlechte wirtschaftliche Situation und den vereinspolitischen Einfluss der Nationalsozialisten sei das Interesse spürbar zurückgegangen und in den Kriegszeiten ganz eingestellt worden, bis dann der aus der Gefangenschaft heimgekehrte Landwirt und Metzger Richard Jung, übrigens ein echtes Dorforiginal, zusammen mit Ewald Wilhelm die Weichen für eine „Kulturgemeinschaft“ gestellt hatten, aus der dann 1947 die Laienspielschar Ebersgöns hervorgegangen ist.

Mit Stücken wie „Aal in Gelee“, „Im Weißen Rössl“, „Der verkaufte Großvater“, „Der Meisterboxer“ oder „Tante Jutta aus Kalkutta“, allesamt Pflichtaufführungen für jede Profibühne, hatten sich die Ebersgönser Amateure im gesamten Umland einen guten Ruf und sich sogar das Lob der überregionalen Presse erworben. Man spielte damals nicht nur im eigenen Dorf, sondern ging in der Umgebung auch „auf Tournee“.

1976 hatte die Laienspielschar sogar einmal im Rahmen des Butzbacher Theaterabonnements auf der Bühne des Bürgerhauses in Butzbach gestanden, übrigens drei Wochen nach einer Komödienaufführung mit dem bekannten Schauspieler Hans-Jörg Felmy, zu unschlagbar günstigen Preisen von sechs Mark und dem Stück „Mit Küchenbenutzung“.

In der 60-jährigen Geschichte der Laienspielschar Ebersgöns war der 1999 verstorbene Richard Jung 42 Jahre Vorsitzender. Ihm folgte 1989 Horst Brenner bis zu seinem Tod 2006. Seitdem ist Edgar Tögl Vorsitzende der Theatertruppe.

Spielstätte der Laienspielschar war bis 1994 der Saal der ehemaligen Gastwirtschaft „Zum Löwen“ mit seinem besonderen Flair und der „Tuchfühlung“ zwischen Zuschauern und Akteuren, ehe man dann nach der Schließung des „Löwen“ in die Turnhalle des TSV Ebersgöns überwechselte.

Laienspielschar Ebersgöns wurde 2001 der Kulturpreis und die zum ersten Mal vergebene Trophäe „Goldene Hand“ der Stadt Butzbach für ihr jahrzehntelanges kulturelles Wirken, die Pflege des heimatlichen Brauchtums und des heimischen Dialektes verliehen. Für das ehrenamtliche Engagement verlieh die SPD Wetterau der Laienspielschar den Ehrenamtspreis 2015.

EBERSGÖNS. Für 25 und 40 Jahre aktives ehrenamtliches Engagement wurden Vereinsmitglieder im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums geehrt. Edith Schindel (10.v.l.), Carina Vogel (9.v.l.), Heidelore Althenn (8.v.l.) und Rainer Metzger (11.v.i.) erhielten die Urkunde vom Bund Deutscher Amateurtheater für 25 Jahre und Edgar Tögl (2.v.l.), Manfred Daudert (7.v.l.), Rosel Köhler (4.v.l.), Hiltrud Scheuerling (5.v.l.), Heinz Scheuerling (6.v.l.) und Manfred Schütz (3.v.l.) für 40 Jahre. Die Ehrung nahm Heinrich Kraft (links) vom Landesverband Hessischer Amateurtheater vor. Zu den ersten Gratulanten gehörte der 2. Vorsitzende der Laienspielschar Ulrich Kröck (rechts). Foto: pa

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