750 Euro für „Help for Boa Vista“

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750 Euro für „Help for Boa Vista“

BUTZBACH. Nichts für zartbesaitete Leser ist die harte Krimikost, die Autor Daniel Holbe mit Auszügen aus seinem neuesten Krimi „Sühnekreuz“ bei Bindernagel präsentierte. Text + Fotos: dt

LESUNG – Daniel Holbe liest in Buchhandlung Bindernagel / Insel leidet unter jahrelanger Trockenheit

BUTZBACH (dt). Zum zweiten Mal – aber diesmal für eine Spendenaktion – war der Krimiautor Daniel Holbe in der Buchhandlung Bindernagel zu einer Lesung zu Gast. Die über 60 Zuhörer der Veranstaltung am Freitagabend brachten 750 Euro Eintrittsgeld in die Kasse, die die Butzbacher Initiatorin der Hilfsorganisation „Help for Boa Vista“, Carmen Stengel, am Ende des Abends in Form eines überdimensionalen Schecks der Buchhandlung in Empfang nahm. 

Stengel stellte den Besuchern die von ihr und Ehemann Andreas Stengel gegründete Organisation vor, und Autor Holbe gab in stellenweise launiger Art und Weise tiefe Einblicke in sein neuestes Buch „Sühnekreuz“. 

Carmen Stengel skizzierte und charakterisierte in einer Fotoschau ihre Beweggründe für die Gründung der Hilfsorganisation für die Bevölkerung auf der drittgrößten Insel der Kap Verden im Atlantik und stellte die konkreten Hilfsmaßnahmen vor. Auf der sechseinhalb Flugstunden von Frankfurt entfernt liegenden Insel Boa Vista habe es „zum letzten Mal im Jahre 2012 richtig geregnet“. Die katastrophale Trockenheit und die damit verbundene sehr große Armut der Menschen sei kennzeichnend für die äußerst problematische Lebenssituation. Mit Hilfe der Beschreibung und Darstellung von menschlichen Einzelschicksalen appellierte Stengel an die Spendenbereitschaft der Zuhörer. So habe man jetzt über eine Butzbacher Ärztin das erste Ultraschallgerät nach Boa Vista gebracht; eminent wichtig seien – neben Geldspenden – weitere medizinische Geräte, Medikamente, Rollstühle, Kinderwagen und Baumaterialien.  

BUTZBACH. Die Butzbacherin Carmen Stengel, Gründerin und Initiatorin der Hilfsorganisation „Help for Boa Vista“, stellte am Freitag im Rahmen einer Spenden-Lesung bei Bindernagel ihre Hilfsprojekte vor. Foto: dreut

Im ersten Teil seiner Romanpräsentation von „Sühnekreuz“ las Holbe, der seit zehn Jahren erfolgreiche Krimis schreibt, aus dem „Prolog“ des dritten Bandes aus seiner bisher dreibändigen Krimireihe um die ermittelnden Kommissare Sabine Kaufmann und Ralf Angersbach. Beide – in den ersten beiden Bänden zunächst in der Dienststelle in Bad Vilbel tätig, ehe er nach Gießen versetzt wurde – führt Holbe schrittweise bei neuen Mordermittlungen nun wieder zusammen. Eines steht fest, Holbes Kriminalromane sind nichts für zartbesaitete Leser. Gleich zum Auftakt wird aus der Sicht des Täters detailliert geschildert, wie dieser am Straßenrand hinter einem „wild ausgetriebenen Brombeerbusch“ eine Frau mit einem brutalen Messerstich ins Jenseits befördert: „Er saß einfach da. Fühlte wie seine … Fingerkuppen dem Pochen der Schlagader folgten.“ Dann ist minutiös die Rede von „panikerfüllten Pupillen“, vom „Leben, das aus den Pupillen schwand“, ehe „das Blut auf den verwitterten Basaltstein“ trifft. Der Basaltstein ist ein sogenanntes Sühnekreuz, das dem Roman den Namen gab. 

Holbe erläuterte die Bedeutung der meist mittelalterlichen Sühnekreuze, die auch Mordkreuze genannt wurden. Das sind steinerne Flurkreuze, die zur Sühne für einen begangenen Mord oder Totschlag an Wegen oder Wegekreuzungen aufgestellt wurden. Vorübergehende sollten für den Verstorbenen beten. In der Region standen oder stehen solche Sühnekreuze in Griedel, Oberkleen und Nieder-Mörlen und in den Gemarkungen Grünberg und Lich. In der weiteren Lesung führte der Autor die Zuhörer in sein fiktives Dorf Wetterbach, wo auf einem Pferdegestüt in einem Brunnen die ermordete Besitzerin Carla Mandler gefunden wird. Dann wird zusätzlich bekannt, dass die Mutter der Kommissarin Sabine Kaufmann – vermutlich bei einem Suizid – umgekommen ist. Die Frage stellt sich: Gibt es da Verbindungen? Weiter spielen die wirtschaftlichen Interessen eines Biogas-Betreibers eine Rolle, der mit Erpressungsversuchen – dem nächtlichen Töten von Schafen und Hühnern – die Landwirte in der Wetterau zum Landverkauf an ihn veranlassen will. Mehr verriet Holbe nicht. 

Im Gegensatz zu seiner Arbeit an der Fortschreibung der Krimis des 2011 verstorbenen Erfolgsautors Andreas Franz könne er – so Holbe – in  dieser neuen Krimireihe mit Kaufmann/Angersbach „eine neue, freie Themengestaltung“ vornehmen. Dabei hole er sich konkrete Anregungen – wie beispielsweise Handlungsorte – aus der Wetterau- und Vogelsbergregion, wo er wohne. Er berichtete über seine Arbeitsweise, seine Themenfindung bei Alltagserlebnissen und –gesprächen. Holbe gibt am Ende einen Ausblick auf seine kommenden Bücher. Demnächst erscheine der vierte Band aus der Reihe unter dem Titel „Totengericht“; in der Julia-Durant-Serie als Fortsetzung der Romanreihe von Andreas Franz erscheine im August der Krimi „Der Panther“. 

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