Tolle Künstler und famoses Publikum

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Tolle Künstler und famoses Publikum

„Wir sind Butzbach“-Show mit Akrobatik, Gesang, Talk, Tanz, Literatur und Lokalsatire

BUTZBACH (win). Und wieder war sie ausverkauft, die vierte Auflage der „Wir sind Butzbach“-Show mit Martin Guth. Das Platzangebot in der Alten Turnhalle bewährte sich und bot im wahrsten Sinne genügend Spielraum für die Künstler, aber auch ausreichend Sitzplatzkapazitäten für die Zuschauer. Die erlebten eine kunterbunte Unterhaltungsshow, gespickt mit hochkarätiger Akrobatik, beeindruckendem Tanz, glanzvollem A cappella- und Chorgesang, liebevoll-beißender Satire sowie lustiger Mundart-Comedy und kurzweiligem Talk. Es war ein wunderbarer Querschnitt durch alle Altersklassen und Stilrichtungen. Butzbach hat eben doch eine Menge zu bieten und machte seinem Prädikat „Perle der Wetterau“ alle Ehre.

Das abwechslungsreiche Programm begann sportlich. Das Jugendteam des Reit- und Voltigiervereins Butzbach zeigte, was es beim „Turnen auf dem Pferd“ drauf hat. Die jungen Damen im Alter zwischen zehn und 15 Jahren trainieren seit einem Jahr zusammen, berichtete Übungsleiterin Kyra Heinrich. Zum Team gehört ja eigentlich auch noch das elfjährige Voltigierpferd, das ein stattliches Stockmaß von 1,74 Meter aufweist. Alle Übungen werden normalerweise auf dem galoppierenden Pferd gezeigt. Auf der Bühne musste ersatzweise das „Übungspferd“ herhalten, auf dem die Voltigierer ihr Können zeigten. Ob allein, zu zweit oder gar zu dritt erfordert diese Sportart absolute Koordinationsfähigkeit und Ausdauer. Die Mischung aus Eleganz und Balance, Kraft und Dynamik war beeindruckend, was das Publikum mit großem Applaus honorierte.

Weiter ging es musikalisch mit Fabienne und Dalwin, gerade mal 15 bzw. 17 Jahre alt, die zusammen eine spanisch-/italienische Version von „something stupid“ sangen. Dalwin begleitete auf dem Keaboard.

Zu den Talkgästen des Abends gehörte der Altenpfleger Timo Nern aus Kirch-Göns. Einmal im Fernsehen eine Rolle spielen und vielleicht groß rauskommen. Davon träumen viele. Für Timo hat sich dieser Traum tatsächlich erfüllt. Im Gespräch mit Martin Guth gab er einen Einblick in sein turbulentes „Zweitleben“ als Kleindarsteller. Schon als Kind war er ein großer Fan der „Lindenstraße“. Zu gern hätte er da mal mitgespielt. Und eines Tages war es soweit. Zusammen mit seinem Vater Jürgen bekam er seinen ersten Auftritt als Komparse und hat seitdem auch in einigen anderen Filmen mitgewirkt. Zum Beispiel im Tatort und in den Taunuskrimis von Nele Neuhaus. Regelmäßig zu sehen ist er in der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“. Auch bei „Ein Fall für zwei“ ist er beinahe Dauergast. Im nächsten Jahr kann man ihn im Film „Eneme“ von Regisseur Jakob Gisik sogar auf der Kinoleinwand sehen. Häufig spielt er einen Gangster oder Killer, denn offensichtlich erfüllt der Kirch-Gönser optisch das Klischee des Bösewichts. Ob er denn auch mal die Rolle des „jugendlichen Liebhabers“ spielen würde, fragte Guth seinen Gast. Darauf folgte ein ganz klares „Nein, das würde ich meiner Familie nicht antun!“. Der Erfolg steigt ihm nicht zu Kopf. Timo ist ein bodenständiger Typ. Und so drückt der gelernte Krankenpflegehelfer, der bei der Pflegestation Graubert arbeitet, seit Oktober noch einmal für zwei Jahre die Schulbank, um seine Ausbildung zu erweitern und das Examen zur Fachkraft Altenpflege abzulegen.

Die Holländerin Linda Steinbuch war 1987 von Amsterdam nach Dorf-Güll gekommen und wurde in dem beschaulichen Ort damals „wie das siebte Weltwunder“ bestaunt. Viele Schicksalsschläge hat sie in ihrem Leben verkraften müssen, dabei aber die Liebe zu Gott entdeckt und Halt im Glauben gefunden. Maßgeblichen Anteil daran hatte Pfarrer Heinz, der oft wortkarg, aber immer für sie da war, wie sie schmunzelnd sagte. Im Übrigen hat sie ihre Erfüllung im Radfahren gefunden – also, nicht einfach mal ein bisschen radeln, sondern in Spitzenzeiten an Wochenenden kommen schon zwischen 600 und 1000 Kilometer zusammen. Besonders hat es ihr das Fahren bei Nacht angetan: „Nachtfahren macht süchtig“, lachte sie. Nach gesundheitlichen Einschränkungen musste sie für eine Weile „einen Gang runterschalten“. Das hielt sie allerdings nie vom Radfahren ab. Seit fünf Jahren arbeitet sie als Rennrad-Guide auf Mallorca. 16 Wochen im Jahr fährt sie an sechs Tagen in der Woche zwischen 80 und 120 km täglich. Nächstes Jahr will sie kürzer treten. Das ist natürlich relativ. Nur noch einmal will sie zehn Wochen auf Lanzarote und anschließend sechs Wochen auf Mallorca fahren. Dann soll Schluss sein.

Bei den Songs des Jahres hatte Gastgeber Guth genau den Geschmack des Publikums getroffen. Dazu gehörten „No Roots“ von Alice Merton, gesungen von Lioba Schmukat sowie „Shape of you“ von Ed Sheeran, wiederum gesungen von Lioba Schmukat und Max Pfreimer. Mit dem Song „Chöre“ von Mark Foster gab Chris Seibert seinen musikalischen Einstand als neues Mitglied der WSB-Show-Band. Unterstützt wurde er von Mitgliedern der Jugendkantorei, die anschließend unter der Leitung von Kantorin Nilani Stegen einige Stücke aus ihrem facettenreichen Repertoire vorstellten; zum Beispiel „Cold Snap“ von Mark Hayes.

Gewohnt scharfsinnig und witzig nahm der Butz alias Patrick Kempf die Weltpolitik aufs Korn. Zunächst erläuterte er anhand eines Duden aus dem Jahr 1977, die wenig schmeichelhafte Bedeutung des Begriffs „Trump“; Namensvetter eines gewissen karottenroten Haubentauchers mit Pfälzer Wurzeln, der auf der anderen Seite des großen Teichs beheimatet ist. Anschließend berichtete er von einer französischen Makrone, die die Welt bereist und vor der man sich in Acht nehme müsse: Denn am Anfang sehen Makronen meist noch frisch aus und mancher findet sie süß, aber im Laufe der Zeit hat sich schon so mancher Zeitgenosse die Zähne daran ausgebissen. Genauso spottete er über den „Humor auf die britische Art, im Theater an der Themse“, über die Insel-Nachbarn, denen – „May Fair Lady“ sei Dank – das Wasser bis zum Hals steht. Natürlich ließ der Butz auch das Butzbacher Jahr Revue passieren. Witzig verband er die Themen, die die Butzbacher bewegten, nahm sie genau unter die Lupe, und unterzog sie sehr zur Freude der Zuschauer einer kritisch-ironischen Betrachtung. Seien es der Bahnhof und sein Vordach, das „Duo Infernale“ oder die politischen Farbspiele von Jamaica bis Kenia.

Viel Beifall erhielt die Tanzgruppe Remix, bekannt für ausgefeilte Choreographien und ausgefallene Kostüme, die das Publikum unter anderem mit der „West Side Story“ begeisterte. Martin Guth, Gastgeber und Moderator der WSB-Show, als Kolumnist und auch als Autor über die Grenzen der Wetterau hinaus bekannt, gab mit Auszügen aus seiner Kolumne „MANN, PAPA…! 50 Tage im Leben eines zweifachen Vaters und einfachen Mannes.“ Einblicke in den heimischen Familien- und Abfallkalender und war verwirrt über Terminverschiebungen von Oktoberfest bis Faschingsanfang. Der Lokalmatador verblüffte wieder einmal mit seiner hervorragenden Beobachtungsgabe, an der er mit bewundernswerter Sprachgewandtheit die Zuschauer teilhaben ließ.

Einer der Höhepunkte des Abends war die Vorstellung von Malina Buttgereit mit ihrem Cyr Wheel. Ein Cyr Wheel ist dem Rhönrad ähnlich, allerdings nur mit einem einzigen Reifen. Malina Buttgereit stellt sich in das Rad, wippt von links nach rechts – kurz darauf wirkt es als würde sie in und mit dem Rad tanzen. Das Turnen im Reifen erfordert Willenskraft und Körperspannung. Sie tut dies mit einer Eleganz und Leichtigkeit, die die Zuschauer staunen lässt. Doch leicht ist anders, denn ein Rad kann zwischen sieben und 20 Kilogramm wiegen. Ganz abgesehen von der Kraft, die die Kunststücke erfordern. Buttgereit ist auf den Bühnen der Welt zu Hause. Ihr persönliches Highlight sei bisher der Friedrichstadtpalast gewesen, wo sie vor 2000 Menschen auftrat, erzählte sie. Vor ca. neun Jahren hat sie es im Varieté ausprobiert und so zum Cyr Wheel gefunden. „Das passt genau zu mir“, schwärmte sie. Den anfänglichen Drehwurm hat sie längst im Griff. Ein Cyr Wheel besteht aus einer gebogenen Stahlröhre, es ist gegebenenfalls mit Epoxidharz beschichtet und getaped an den Stellen, die besonders griffig sein müssen. Das Stahlrohr hat einen Durchmesser von 3 bis 5 Zentimetern, der Reifen selbst hat einen Durchmesser, der 10 bis 20 Zentimeter größer ist als der Mensch, der ihn benutzen will.

Tosenden Applaus gab es für die Bembelsänger, die jüngst ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feierten und den Kulturpreis der Stadt Butzbach 2017 bekamen. Sie begeisterten das Publikum mit „Ein Stein“, „Schuld war nur das alte Mofa“ und „Streit der Körperteile“, allesamt bekannte Schlager, umgedichtet mit Texten mitten aus dem Leben.

Zum Ende der Show dankte Martin Guth zu den Klängen von „Merci Cherie“ den Sponsoren und allen, die zum Gelingen der vierten Show beigetragen haben. So auch dem Butzbacher Lauftreff, der auch in diesem Jahr für die Zuschauer kulinarische Köstlichkeiten zubereitet hatte, die reißenden Absatz fanden. Der Erlös aus dem Catering geht wieder an einen guten Zweck, dieses Mal wurde der Verein Boa Vista e.V. bedacht. Lauftreff-Chef Thomas Härtel überreichte dem zweiten Vorsitzenden des Vereins, Andreas Stengel, einen symbolischen Scheck. Die Geldübergabe findet zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Boa Vista ist die drittgrößte der Kapverdischen Inseln im Zentralatlantik. Carmen und Andreas Stengel haben den gemeinnützigen Verein im September 2017 gegründet, um die Bevölkerung in Boa Vista mit Sach- und Geldspenden zu unterstützen. Die Bevölkerung auf Boa Vista hat in manchen Dörfern weder Strom noch fließendes Wasser. Leider macht auch der Klimawandel vor solchen Inseln nicht Halt und aus diesem Grund wird die Insel immer trockener. 2016 hat es im ganzen Jahr nur 6 Stunden geregnet. Ohne Wasser keine Landwirtschaft, ohne Landwirtschaft keine Produktion von Lebensmitteln. So muss alles mit Schiffen eingeführt werden. Für die Menschen auf Boa Vista sind die eingeführten Waren fast unerschwinglich. Viele Eltern können sich das Schulgeld und die Schuluniformen für ihre Kinder nicht leisten. Nähere Infos stehen auf der Internetseite www.help-for-boavista.com

Verbunden mit dem Dank an die Sponsoren, ohne die dieser Abend nicht möglich gewesen wäre, bat Martin Guth zum Schluss noch einmal die rund 100 Künstler der bewegten Show auf die Bühne, um sich mit einem Weihnachtslied von den Zuschauern zu verabschieden. Die Stimmung war großartig, die Zuschauer erlebten einen schwungvollen, abwechslungsreichen und unvergesslichen Abend in toller Atmosphäre. Der Termin für 2018 steht auch schon fest. Die Show expandiert und zieht um. Am 15. Dezember heißt es dann im Bürgerhaus: „Wir sind Butzbach 5.0“.

BUTZBACH. Sehr kurzweilig verlief die „Wir sind Butzbach“-Show in der Alten Turnhalle. Zu den Mitwirkenden zählten u.a. die Voltigierer vom Reit- und Voltigierverein Butzbach.

Die Showtanzformation Remix vom TSV Butzbach.

Malina Buttgereit mit ihrem Cyr Wheel.

Die Bembelsänger aus Nieder-Weisel mit A-Cappella-Comedy.

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