95-jähriger Argentiner Hans Bär besucht nach 80 Jahren sein Geburtsdorf

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95-jähriger Argentiner Hans Bär besucht nach 80 Jahren sein Geburtsdorf

Seine Großeltern wohnten in Griedel / Buch „Juden in Friedberg“ erschienen

BUTZBACH. Der bekannte Familienbuchautor und das Ehrenmitglied des Butzbacher Geschichtsvereins Hanno Müller aus Steinbach bei Gießen, hat mit diesem Nachschlagewerk im Umfang von 504 Seiten im Format A4 die gesamte jüdische Einwohnerschaft von Friedberg im Zeitraum von etwa 1875 bis zur Deportation im September 1942 dokumentiert. Auf insgesamt 4231 Seiten hat er seit dem Jahre 2007 in 12 jüdischen Familienbüchern die gesamte jüdische Einwohnerschaft aus 33 Dörfern und Städten in Oberhessen erfasst. 

Für die Stadt Butzbach hat der Unermüdliche sich besonders verdient gemacht, indem er sieben (VII !) Butzbacher Familienbücher erstellte, welche den Zeitraum von 1501 bis zum Jahre 1920/30 umfassen. Zwar hatte Hanno Müller bereits im Jahre 1988 in seinem Heimatdorf Steinbach Erfahrung mit jüdischer Familienforschung gemacht, das entsprechende Buch „Juden in Steinbach“ erschien aber erst 2008, nachdem zuvor bereits im Jahre 2007 Band V des „Familienbuch Butzbach, Judenfamilien in Butzbach und seinen Stadtteilen“ erschienen war. Der Butzbacher Band kann also gewissermaßen als Initialzündung auch für die Neuerscheinung „Juden in Friedberg“ bezeichnet werden. Die Personen und Familien werden in altbewährter Weise alphabetisch aufgeführt und ihre Beziehungen untereinander über die Familiennummern hergestellt. Der Anhang umfasst die Holocaustopfer, die jüdischen Hausbesitzer, der jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs und die Volkszählungsliste vom Mai 1939. Auch ein Ortsregister (mit 66 Verweisen auf Butzbach und seine Stadtteile) und die Register über Berufe, Ämter und Merkwürdigkeiten fehlen nicht. 

Die Nachträge zu früher veröffentlichen Familienbüchern sind für den Butzbacher Stadtteil Griedel von ganz besonderem Interesse:

Auf neun bebilderten Seiten (Seite 473-481) wird dort die Lebensgeschichte des Hans Bär [s. AUCH Familienbuch Butzbach Bd.V Seite 86 Nr. 175.1] erzählt, der zwar am 01.03.1923 in Wohnbach bei Wölfersheim geboren wurde, aber vom Jahre 1935 an bis 1938 bei seinen Großeltern mütterlicherseits, dem Griedeler Viehhändler August „Israel“ Bär und Karoline „Sara“ Löwenberg in der Hauptstraße 24 in Griedel lebte, bis er mit seiner Mutter nach Argentinien flüchtete.

Der 95 jährige Hans Bär aus Argentinien besucht nach über 80 Jahren sein Geburtsdorf Wohnbach in der Wetterau 

Am Sonntag, dem 6. Mai, wird um 14 Uhr in der  Wohnbacher Sport- und Kulturhalle der 95 jährige Argentinier Hans Bär empfangen. Hans Bär bringt neben seiner Enkelin einen Dolmetscher mit, da sein Leben in Deutschland 80 Jahre zurückliegt. Sein Vater, der Wohnbacher Fruchthändler Emil Bär, hatte zusätzlich eine kleine Landwirtschaft, was ihn zunächst bevorzugt zur Einwanderung als „Kolonist“ in ein einst von dem jüdischen Wohltäter Maurice de Hirsch gegründetes jüdisches Bauerndorf in Argentinien berechtigte. Seine Frau Pauline und sein Sohn Hans Bär mussten aber zunächst von 1935 bis 1938 in Griedel bei den Großeltern (mütterlicherseits) von Hans ausharren, wo sogar der Grabstein (Gr-01) des Ur-Ur-Urgroßvaters von Hans Bär namens Asser (Amschel) Bär vom Jahre 1854 noch erhalten ist. 

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