Adventsbetrachtungen eines Gefangenen bewegten Mainzer Weihbischof tief

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Adventsbetrachtungen eines Gefangenen bewegten Mainzer Weihbischof tief

Foto: kipp

Er feierte mit den Gefangenen in der JVA Butzbach den Heiligen Abend

BUTZBACH (K.S.). Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat der Mainzer Weihbischof Udo Bentz die Justizvollzugsanstalt Butzbach besucht. Nach der Visitation der Pfarrgemeinde St. Gottfried und der katholischen Gefängnisseelsorge im November, war es Bentz ein Anliegen, den Heiligen Abend zusammen mit den Gefangenen in der JVA zu feiern. Der Bischof zeigte sich von den Gesprächen, die er während der Visitation mit den Gefangenen und Bediensteten führen konnte, tief beeindruckt. Neben den intensiven Gesprächen gab für den erneuten bischöflichen Besuch eine kleine Broschüre den Ausschlag, die die Gefängnisseelsorge anlässlich ihres 125-jährigen Wirkens in Butzbach herausgegeben hat. Die „Adventsbetrachtungen eines Gefangenen“ haben nicht nur den Bischof tief bewegt, der die Texte auf seinem Facebook-Account veröffentlicht hat, sondern auch weit über die Gefängnis- und Pfarreigrenzen für Aufmerksamkeit gesorgt. 

Zur Christmette konnte Gefängnispfarrer Pater Georg Menke neben dem Gast aus Mainz auch eine große Zahl Gefangener, den Anstaltsleiter Uwe Röhrig und einige Bedienstete der JVA begrüßen. Für den festlichen Rahmen des Gottesdienstes sorgte der Gefangenen-Kirchenchor unter der musikalischen Leitung von Marion Bathe. 

In seiner Predigt nahm Bentz den Gedanken eines Gefangenen auf, der ihn seit der Visitation beschäftigt hat: „In der Kirche erlebe ich, dass ich als Mensch wahrgenommen werde und nicht nur als Täter.“ Bentz ermutigte die Gefangenen, dass in jedem Menschen etwas Göttliches steckt: die Würde, ein Ebenbild Gottes zu sein. Er mahnte aber auch, dass sich ein Schubladendenken, ein Taxieren und Kategorisieren von Fähigkeiten und Fertigkeiten ebenso verbietet, wie das Verharmlosen von Versagen und Schuld. „Wenn wir mit den Augen Gottes auf unsere Mitmenschen schauen, dann haben wir einen anderen Blick auf den Menschen, dann wächst die Fähigkeit, den Frieden der Heiligen Nacht zu leben“, so der Weihbischof in seiner Predigt. 

Dass zwischen der Pfarrei St. Gottfried und der Gefängnisseelsorge auch im 125. Jahr der Zusammenarbeit ein lebendiger Austausch besteht, zeigte sich, als P. Georg am zweiten Weihnachtstag zahlreiche Gemeindemitglieder zum Weihnachtskaffee mit Gefangenen begrüßen konnte (die BZ berichtete) – und auch in diesem Jahr die Sternsinger der Pfarrei ihren Segen in das Gefängnis bringen. 

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