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Ältester Pfarrer Deutschlands geht mit 90 Jahren in den Ruhestand

OPPERSHOFEN. Seinen 90. Geburtstag feiert heute bei guter Gesundheit der Pfarrer der katholischen Sankt Laurentius-Gemeinde Oppershofen, Eduard Scheld.

Eduard Scheld wird am Sonntag als Pfarrer von Oppershofen in den Ruhestand verabschiedet

OPPERSHOFEN (fio). Am heutigen Freitag kann der Pfarrer von Oppershofen, Eduard Siegried Scheld, seinen 90. Geburtstag feiern. In zwei Tagen wird er als Pfarrer von Oppershofen nach fast 56 Jahren Tätigkeit offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Somit gilt er als der älteste Pfarrer im Bistum Mainz, aber auch in ganz Deutschland!

Eduard Siegfried Scheld erblickte am Freitag, dem 4. Oktober 1929 im Krankenhaus der Stadt Oderberg in der Mark Brandenburg, als 7. und jüngstes Kind seiner Eltern Eduard und Anna Scheld, geborene Stephan, das Licht der Welt. Sein Vater war Wiesenbaumeister (‚Dammmeister‘) für den Deichverband des Oderbruchs. Er wuchs mit seinen Geschwistern Leonhard Wilhelm, Hildegard Marta, Anneliese (starb im Alter von sechs Monaten), Alfred Joachim, Ursula Anna und Christa Maria im elterlichen Haus in Neuglietzen auf. Seine Schwester Ursula schrieb Jahre später über ihren jüngsten Bruder und das Nesthäkchen der Familie: „Er war als Baby und Kleinkind ein ganz süßes, kleines Kerlchen mit goldblonden Löckchen, das wir Geschwister sehr liebten. Ich jedenfalls bedauerte es unendlich, dass, als er älter geworden war, die kindlich niedliche Lockenpracht einem Jungenhaarschnitt zum Opfer fiel.“

Eduard besuchte die Grundschule in Neuglietzen und ging später auf das humanistische Gymnasium in Bad Freienwalde. Im Zuge des 2. Weltkriegs musste die Familie fliehen und kam 1945 in den Westen nach Tailfingen auf die Schwäbische Alb, wo bereits Schelds ältere Schwester an einem Institut wissenschaftlich tätig war. In Ebingen ging er weiter zur Schule und erlangte dort sein Abitur. Später zogen die Eltern nach Eiserfeld bei Siegen, dem Geburtsort des Vaters. Scheld selbst trat im Jahre 1950 ins Mainzer Priesterseminar ein und studierte an der dortigen Universität Philosophie und Theologie. Hier befanden sich etwa 140 Seminaristen! Eine Zahl, von der man heute nur träumen kann: heute ist die Zahl auf einige wenige geschrumpft. 

Nach vier Semestern Studium in Mainz ging Scheld 1952 nach Südfrankreich, um in Toulouse für ein Jahr Theologie zu studieren. Hier erwuchs in ihm die Liebe und die Leidenschaft für unsere Nachbarn, deren Kultur, deren Sprache und deren Essen. Noch bis vor zwei Jahren verbrachte er seinen jährlichen Urlaub in der Provence.

Scheld wurde an einem Sonntag, dem 26. Februar 1956, im Hohen Dom zu Mainz mit seinen Mitbrüdern Philipp Haubrich und Johannes Georg Tölg durch Gebet und Handauflegung des Bischofs von Mainz, Dr. Albert Stohr, zum Priester geweiht. In dieser Zeit gab es pro Jahr noch zwei Weihetermine für das Mainzer Priesterseminar. Einen im Frühjahr, einen im Sommer. Während Scheld im Februar mit zwei weiteren Kandidaten geweiht wurde, waren es im Sommer zehn junge Männer. 2019 gab es nur eine einzige Priesterweihe in Mainz: Maximilian Eichler aus Butzbach/Griedel, der über Jahre hinweg in Oppershofen regelmäßig als Organist tätig war und der im Juli, auf Einladung von Pfarrer Scheld, in der St. Laurentiuskirche seine Nachprimiz hielt.

Seine erste heilige Messe, die so genannte „Primiz“ (von lateinisch „prima missa“ = erste Messe) hielt Scheld am Sonntag, 4. März 1956 in Eiserfeld, dem Wohnort seiner Eltern. Noch im selben Jahr kam er nach Neu-Isenburg, wo er bis 1959 als Kaplan wirkte. Danach wurde er nach Bodenheim versetzt, von wo er ein Jahr später zu seiner dritten Kaplansstelle nach Gau-Algesheim geschickt wurde. Hier blieb er bis 1963. Am 15. November desselben Jahres trat er, als Nachfolger von Pfarrer Georg Morschel, seine erste und einzige Pfarrstelle in Oppershofen, dem Geburtsort des heiligen Bardo, an. Während eines feierlichen Levitenamtes wurde er vom damaligen Dekan des Dekanates Friedberg, Friedrich Faßhauer, in sein Amt eingeführt.

Eduard Scheld hat in den fast 56 Jahren als Pfarrer von Oppershofen – gemäß seinem Auftrag – zahlreiche seiner ihm anvertrauten Gläubigen seelsorglich betreut. So hat er über 800 Kindern das Sakrament der Taufe gespendet, zahlreiche Jugendliche begleitete er zum ersten Mal zum Tisch des Herrn und bereitete sie später vor, um das Sakrament der Firmung zu bekommen. Vielen Paaren assistierte er, als sie sich das Sakrament der Ehe spendeten. Ebenso begleitete er in dieser Zeit alle Oppershöfer, die ihren letzten Weg hin in die Ewigkeit gingen. Über Jahre hinweg war er Religionslehrer in verschieden Schulen in Oppershofen, Rockenberg, Bad Nauheim und Butzbach und noch mit weit über 70 Jahren unterrichtete er in der Grundschule seiner Pfarrei.

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