Aggressive Pilze lassen Buchen sterben

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Aggressive Pilze lassen Buchen sterben

BUTZBACH. Nora Walbrun, Betriebsassistentin im Forstamt Weilrod, zeigte gestern beim Ortstermin in der Nähe des Maibacher Sportplatzes, wie Pilze derzeit die rund 180 Jahre alten Buchen schädigen. Text + Fotos: thg

Forstamt Weilrod informiert über Trockenheitsschäden / „Abwarten, was im Frühjahr wieder grün wird“

BUTZBACH (thg). Eine „Buchen-Vitalitätsschwäche“ beobachten die Forstleute derzeit unter anderem im Butzbacher Stadtwald. Dass diese Schwäche verheerende Folgen für den Bestand der Baumart haben kann, wurde gestern bei einem Ortstermin mit Vertretern des Forstamts Weilrod im Wald am Maibacher Sportplatz deutlich. Zahlreiche der rund 180 Jahre alten Bäume sterben ab.

Der Bereichsleiter Produktion im Forstamt, Uwe Neun, sprach von einem großen ökologischen und auch ökonomischen Schaden für den Waldbesitzer, in diesem Fall die Stadt Butzbach. Betriebsassistentin Nora Walbrun schilderte die Schaden-Ursachen. Auslöser für das Absterben der Bäume sei die im nunmehr dritten Jahr anhaltende Trockenheit an den Standorten. Warme Sommer und milde Winter, dazu Pilze und teils auch Käfer sorgen dafür, dass eine Buchenkomplex-erkrankung vorliegt. 

Wie groß der Schaden wird, ist derzeit noch nicht klar. Es sei abzuwarten, wie sich die Bäume im Frühjahr entwickeln. Eine Prognose geht aber davon aus, dass die anhaltende Trockenheit dazu führt, dass immer mehr Buchen absterben. „Dieser Prozess ist angestoßen“, wenn nur Blätter abgeworfen würden, könnten es die Bäume möglicherweise schaffen. 

Wie die Fachleute berichteten, führt der Wassermangel unter Umständen dazu, dass die Buche im Sommer und damit schon vor der üblichen Zeit Blätter abwirft. Gehe die Hitze und vor allem die Sonneinstrahlung dann weiter, sei der Baum weniger dagegen geschützt und bekomme wegen des fehlenden Schattens „Sonnenbrand“ am Stamm – speziell Buchen an Südhängen. Die Schutzschicht gehe kaputt und die Rinde platze auf. Das sei dann das Einfallstor für Pilze, die den geschwächten Baum angreifen. Dabei handele es sich nicht um außergewöhnliche Pilze, sondern Arten, die immer im Wald vorhanden seien. Allerdings könnten sie gesunden Buchen nichts anhaben. Bei kranken Bäumen könne es aber sein, dass innerhalb von drei Wochen die Schäden so massiv werden, dass sie nicht mehr zu retten sind. Derart aggressiv seien die Pilze. 

Hessen Forst ist darauf bedacht, die derart erkrankten Bäume, die an den Wegen stehen, zu fällen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, wie Neun und Walbrun erläuterten. Im Einzelfall ist auch ein Habitatbaum dabei, in dem ein Schwarzspecht seine Höhle hat. Doch sei das Holz von befallenen Bäumen so porös, dass nicht mit Sicherheit gesagt werden könne, wie lange die Standsicherheit besteht. An einem Waldweg zeigten die Forstleute eine gefällte Buche, deren Krone beim Aufprall auf dem Boden in viele Teile zerfallen war. 

Diese Entwicklung bedeute, dass es auch für die Forstwirte gefährlich ist, etwa die Bäume im Inneren eines Bestandes zu fällen. Außerdem müssten sie mit einem hohen technischen Aufwand entfernt werden. Das sei dann weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. So beließen die Förster solche Buchen im Wald, die dann als Totholz auch liegenblieben. Im Zuge dessen sei es aber auch schwierig, dann noch die Pflege der jungen Bäume in den Buchenbeständen zu übernehmen, wenn nebenstehende ältere Bäume umzustürzen drohen. 

Wo solche Bäume in Wegesnähe stehen, müsse das Forstamt die Bereiche auch absperren, so Walbrun, damit Spaziergänger nicht gefährdet werden. Sie appellierte an die Waldnutzer, Sperrungen nicht zu ignorieren, es bestehe Lebensgefahr. Denn selbst Äste, die noch grün sind, könnten von einem absterbenden Baum herabfallen. Dafür sorgen so genannte Astreiniger-Pilze wie die Kohlbeere. 

Das Holz von Bäumen mit den beschriebenen Trockenheitsschäden ist mitunter nur in Teilen verwertbar. Der Pilzbefall zerstöre die wertvollen Bestandteile der Stämme. Käufer würden somit nur Abschnitte von Stämmen abnehmen. Der Rest könne eventuell als Brennholz dienen. Hinzu komme, dass Holz, das zu lange im Wald liegen bleibe, irgendwann „völlig entwertet“ sei. Das koste den Waldbesitzer dann Geld. Gesundes Buchenholz am Markt werde bislang noch bezahlt wie bisher. Bei Schäden zahlten Käufer indes mitunter sogar weniger als den Brennholz-Preis. 

„Wir stehen vor einer neuen Situation, die wir so noch nicht gehabt haben“, sagte Neun zu den Trockenheitsschäden. Betroffen seien offenbar alle älteren Buchen. Hessen Forst habe ein Konzept zur Einteilung der Schadenstufen. Prognosen seien derzeit schwierig. Zum einen gehe man weiter von der natürlichen Verjüngung der Buchen aus, die aus herabfallenden Samen entstehen. Buchen-Anpflanzungen auf einem Freifeld werde es nicht geben, sondern eher als zusätzliche Baumart zu anderen. 

Der Beitrag verfällt zur festgelegten VERFALLSZEIT am VERFALLSDATUM.

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