„Aldentomat“ und „Bembelwächter“

PAP
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„Aldentomat“ und „Bembelwächter“

Vortrag Frankfurter Erfinder Walter Günther stellt seine Apparaturen im Butzbacher Museum vor

Butzbach (dt). Selbst Museumsleiter Dr. Dieter Wolf war sehr überrascht und Bindernagel-Filialleiter Georg Neundorfer hoch erfreut. Am Sonntagnachmittag war der Schlossermeister Walter Günther aus dem Frankfurter Nordend zu einem äußerst kurzweiligen Vortrag und außergewöhnlichen praktischen Vorführungen in den Vortragssaal des Butzbacher Museums gekommen. Parterre, Balkon und Treppen waren nahezu vollständig besetzt mit Zuhörern, die gespannt Außergewöhnliches erwarteten. Und sie wurden keineswegs enttäuscht, sondern ein ums andere Mal überrascht.
Dabei waren die Materialien und Gegenstände, die der „Daniel Düsentrieb des Frankfurter Nordends“, wie ihn viele nennen, für die Vorstellung eines Teils seiner Erfindungen, die im Buch „Die mechanische Bratwurst“ alle beschrieben und mit vielen Fotos dokumentiert sind, alles andere als außergewöhnlich. Eben-so das, was zum Schlosserhandwerk gehört – und alles ohne jeglichen Energieverbrauch. Das „Geheimnis“ seiner Erfindungen ist, dass er Einzelteile bekannter mechanischer Apparaturen – deren Funktionsweise – in Handarbeit neu kombiniert. „Ich bin schon verkehrt herum auf die Welt gekommen“, verkündete
Günther. Trotz Abitur in Gelnhausen habe er im Anschluss eine Schlosserlehre absolviert. „Alle schimpften, schwitzten und fluchten bei der Arbeit in der Werkstatt, doch ich hab’s richtig genossen,“ erinnert sich der damalige Lehrling. Heute ist Günther Angestellter der Stadt Frankfurt.
„Ich mache Erfindungen, die ich vergessen hatte zu machen,“ umschreibt er seine oftmals auch skurril anmutenden „Werke“. Erstes Objekt, das er in Butzbach präsentierte, war „der kleine Frankfurter“ –ein Stövchen ganz aus Metall für den Teegenuss auf dem heimischen Sofa. Dafür hat er sogar ein Zertifikat des Münchner Patentamtes als „Gebrauchsmuster“. Schon hundert hat er sogar davon verkauft, wie er mitteilt, einige sogar mit Gravur (aufgetragen mit handgetriebener Kurbel).
Immer wieder flicht der Schlossermeister mit einem Augenzwinkern Anekdoten rund um seine Erfindungen ein. Das zweite präsentierte Objekt, der „Aldentomat“, bietet die Lösung an für die genau richtig getimte Kochzeit für Kartoffeln. Auslösendes Moment für die Entwicklung waren Probleme seines Stammwirts in Frankfurt, bei dem geplanter Kartoffelsalat wegen zu langer Kochzeit oftmals zu Kartoffelpüree wurde. Ein kleiner Spieß im Deckel des Topfs senkt sich dabei während des Kochvorgangs langsam in die darunter liegende Kartoffel; ist er durch, sind alle Kartoffeln im Topf optimal gekocht.
Für Lacher im Publikum sorgte danach der „Äppelwoi-Bembelwächter“, dessen Mechanik dem gerade bedienenden Gastwirt per Klingel meldet, dass der im Moment zu füllende, unbeobachtete Bembel wieder voll ist. Das funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie der automatische Abschaltvorgang beim Betanken eines Pkws.
Bei der Vorstellung der Grillmaschine wurden die Besucher auch vertraut gemacht mit einer „Servietten-Anhebemaschine“. Danach war die erste handbetriebene Schlagbohrmaschine der Welt, die der Meister lediglich für das Museum angefertigt hat, zu sehen. „Das hat was von einer Maschinenpistole“, kommentiert er launig.
Es folgten die Demonstration eines „Kriegsfeuerzeugs“ – mit Spiritus und Stahlwolle in Gang gebracht –, der Kerzenhalter mit eingebautem „Timer“ und die „mechanische Oper anlässlich der Öffnung einer Weinflasche“ mit einem Korkenzieher, für dessen Bedienung nur zwei Finger notwendig sind. Zum Abschluss gab es dann auch noch etwas für zwei Kinder, die nach vorne gebeten wurden: eine „Schaumkusswurfmaschine mit Münzeinwurf.“ Allerdings erinnerte der konstruierte Apparat eher an ein martialisches Gerät aus der antiken Kriegstechnik; in jedem Falle funktionierte es. Nach dem Einwurf der Zehn-Cent-Münze flog der Schaumkuss automatisch in hohem Bogen zu den auffangbereiten Kindern.
Langanhaltender Beifall belohnte Günther. Dicht war das Gedränge nach dem Vortrag und den Demonstrationen, denn zahlreiche Besucher wollten die erfundenen Objekte näher und direkt in Augenschein nehmen.

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