„Alle Impfmöglichkeiten ausschöpfen“

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„Alle Impfmöglichkeiten ausschöpfen“

Wetterauer Gesundheitsamt und Landrat Weckler in Videokonferenz im Gespräch mit Hausärzten (Teil 3)

WETTERAUKREIS (pdw). In  einer Videokonferenz diskutierten Landrat Jan Weckler und Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs mit Vertretern der Wetterauer Hausärzteschaft unter anderem über das Thema Impfung. 

Ein Votum für die Impfung durch die Hausärzte gab Dr. Alexander Jakob: „Es geht hier um Vertrauen und ich höre von meinen Patienten, dass sie von ihrem Hausarzt, der sie schon lange begleitet, geimpft werden möchten.“

Dr. Peer Laubner warnt vor allzu viel Freizügigkeit und betont, dass die Ärzte bereit stünden, um zu impfen. „Wir brauchen dringend den Impfstoff. Dann können wir loslegen, je nach Praxis wären zwischen 50 und bis zu 200 Impfungen in der Woche denkbar. Wenn alle 150 niedergelassenen Ärzte im Wetteraukreis mitmachen würden, könnten auf diesem Weg zusammen mit dem Impfzentrum und den mobilen Impfteams gut 20 000 Impfungen in der Woche gemacht werden, vorausgesetzt der Impfstoff wird geliefert.“

Ein Problem stellt dabei die 15-minütige Nachbeobachtung unter Corona-Bedingungen dar, die viele Praxen an Raumprobleme bringt. Deshalb können sich die Hausärzte auch eine Impfung in größeren Räumen, etwa in Bürgerhäusern oder Gemeindezentren vorstellen, wo die Menschen nach der Impfung 15 Minuten unter Beobachtung etwaiger Impfreaktionen abwarten könnten.

Einen weiteren Hinderungsgrund sehen die Hausärzte in dem bürokratischen Aufwand, der mit den Impfungen verbunden sei. „Der ist wesentlich höher als bei anderen Impfungen und schwer nachvollziehbar. Das müsste verschlankt werden, dann könnten wir auch mehr Impfungen schaffen“, so Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Arno Fuchshuber. 

Eine wichtige Rolle bei der Impfung von Menschen, die zu Hause gepflegt werden, spielen die niedergelassenen Ärzte. „Ein mobiles Impfteam, bestehend aus drei Personen, loszuschicken, um die häuslichen Pflegefälle zu impfen, ist nur bedingt effizient“, sagt der Landrat. „Die Patienten sind den Mitarbeitern des Impfteams unbekannt. Man weiß nichts über die Vorgeschichte. Es muss ein Beratungsgespräch geführt werden. Es muss die Impfung vorbereitet werden, die Dokumentation, anschließend geimpft und dann müssen alle Mitglieder des Impfteams noch 15 Minuten wegen etwaiger Impfreaktionen warten. Unter solchen Umständen schaffen Impfteams maximal zehn Impfungen am Tag.“ Das sei bei der großen Zahl von Menschen, die möglichst schnell geimpft werden sollen und den zur Verfügung stehenden Impfteams nicht darstellbar. „Bis alle geimpft sein werden, würde das ewig dauern. Deshalb kommen hier die Hausärzte ins Spiel, die ihre Patienten kennen, die ohnehin öfter zu Hausbesuchen unterwegs sind und bei dieser Gelegenheit die Impfungen vornehmen könnten.“

Hausarzt Marc de Groote spricht von einer großen Erwartungshaltung, die von verschiedenen Akteuren geweckt wurde, aber nicht zu erfüllen sei. „Für die Impfungen vor Ort sind die Hausärzte bestens geeignet. Zum Teil gibt es schon Listen der Patienten nach Priorisierungsgruppen.“ Er plädiert dafür, dass alle Impfmöglichkeiten ausgeschöpft werden. „Wir müssen jetzt aus allen Rohren feuern. Die Impfzentren müssen beibehalten werden, aber auch die Hausärzte müssen so weit wie möglich in das Impfprogramm integriert werden. Nur dann kann es uns gelingen, endlich voranzukommen. Dafür muss aber auch der Impfstoff geliefert werden.“

Merbs berichtet, dass dem Wetteraukreis vom Land eine Liste von über 3000 hochbetagten Menschen geliefert wurde, die zu Hause geimpft werden sollten. „Wir werden damit anfangen, alle diese Personen anzurufen und sie nach ihrem Hausarzt zu fragen. Danach machen wir Listen, die wir den Hausärzten übergeben, damit diese Patienten von ihren Hausärzten geimpft werden. Bei der nächsten Lieferung von Impfstoffen werden die Hausärzte, die sich jetzt schon zur häuslichen Impfung bereit erklärt haben, bevorzugt beliefert, damit sie ihre Patienten zu Hause impfen können. Es gilt immer noch die Alterspyramide von oben nach unten abzuarbeiten, weil die Hochbetagten das höchste Risiko haben und deshalb priorisiert geimpft werden müssen.“

Hausarzt Dr. Peer Laubner bedauerte den zeitweiligen Stopp für den Impfstoff von AstraZeneca. „Die Komplikationen haben sich vor allem bei jüngeren Menschen gezeigt. Deshalb halte ich es für sinnvoll, AstraZeneca jetzt an ältere Menschen zu verimpfen, die in aller Regel den Impfstoff wesentlich besser vertragen als jüngere, bei denen häufiger Nebenwirkungen aufgetreten sind. Zumal in der Altersgruppe der über 55-Jährigen kein einziger Todesfall durch eine Thrombose eingetreten ist.“

Hausarzt Dr. Wolfgang Pilz hat bereits ein Drittel seiner „vulnerablen“ Patienten zu Hause geimpft. „Ich warte auf die nächste Impfstofflieferung, um auch die anderen zu impfen. Um den Praxisbetrieb nicht zu stören, werden diese Impfungen dann mittwochnachmittags und samstags stattfinden.“  

 

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