Am überladenen Schlitten lag es nicht

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Am überladenen Schlitten lag es nicht

GIESSEN. Das Foto zeigt Tierärztin Dr. Marlene Sickinger mit Rudolf, dem Rentier mit dem gebrochenen Bein. Foto: ikr

TIERKLINIK — Gießener Ärzte operieren Hinterbein-Verletzung des Rentiers Rudolf / Besitzer ist Zirkusbetreiber

Gießen (ikr). Die Geschichte von Rudolf, dem Rentier mit der roten Nase, dessen größter Traum es ist, den Schlitten des Weihnachtsmannes einmal ziehen zu dürfen, kennt in den USA jedes Kind. Auch hierzulande erfreut sich das Märchen von Rudolf zur Weihnachtszeit zunehmender Bekannt- und Beliebtheit. Deshalb staunten die Tierärzte an der Gießener Klinik für Wiederkäuer und Schweine auch nicht schlecht, als ausgerechnet am zweiten Weihnachtstag ein Rentier namens Rudolf eingeliefert wurde. Es konnte das linke Hinterbein nicht mehr belasten.

„Klarer Fall, der Schlitten war zu schwer!“, lautete die spontane, natürlich humorvoll gemeinte Diagnose von Professor Dr. Axel Wehrend, kommissarischer Leiter der Klinik für Wiederkäuer und Schweine. Seine Mitarbeiterin, leitende Oberärztin Dr. Marlene Sickinger, die das vierjährige Rentier betreut, berichtet, was Rudolf wirklich fehlte: „Die Röntgenaufnahmen zeigten einen Fersenhöckerabriss am linken Hinterbein. Wie es zu dieser Fraktur kam, konnten uns Rudolfs Besitzer auch nicht sagen, die Beschwerden traten ganz plötzlich auf.“ In der Pferdechirurgie wurde Rudolf dann operiert, die Fraktur wurde mit Platten fixiert. Ein solcher Eingriff wird Osteosynthese genannt, darunter versteht man das Wiederherstellen von gebrochenen oder verletzten Knochen mittels Schrauben, Platten oder Drähten. „Die Operation ist sehr gut verlaufen, Rudi belastet das Bein schon wieder ordentlich, er hat auch Schmerzmittel und Antibiotika bekommen“, erläuterte Dr. Sickinger die Therapie. 

Rudolf sei nicht das erste Rentier, das in der Gießener Tierklinik behandelt wurde, „es ist aber das erste bei uns mit einer Fraktur, was mir bekannt ist“, sagt die Tiermedizinerin. Normalerweise leben Rentiere, die zur Familie der Hirsche zählen, in den nordischen Ländern. Es ist die einzige Hirschart, die auch domestiziert, also zu Haustieren gezüchtet, wurde. Eine Besonderheit der Rentiere ist außerdem, dass nicht nur die männlichen Hirsche, sondern auch die Weibchen Geweihe tragen. „In Deutschland gibt es Hobbyhalter von Rentieren, zum Beispiel Besitzer von Weihnachtsbaumplantagen oder Wildparks“, weiß Sickinger. Im Fall von Rudolf ist ein Zirkusbetreiber der Besitzer. Daher sei der Hirsch an den Menschenkontakt gewöhnt. „Normalerweise sind Rentiere eher scheu, unser Rudi hier ist ein ruhiges und zutrauliches Tier“, beschreibt die Tierärztin ihren vierbeinigen Patienten, der übrigens keine rote Nase hat. Damit Rudi schnell wieder fit wird, bekommt er sein von daheim gewohntes Rentierkraftfutter und natürlich Heu. 

Inzwischen wurde Rudi entlassen und ist wieder bei seinen Besitzern. Etwa vier Wochen lang wird er den Verband am linken Hinterbein noch tragen, auch regelmäßige Wundkontrollen müssen absolviert werden. Wenn die Operationsnarbe trocken und ohne Entzündung ist, kann man den Verband weglassen. „Rudi wird noch einmal zur Nachkontrolle kommen. Bis das Bein wieder komplett stabil ist, werden vier bis sechs Monate ins Land gehen“, prognostizierte Sickinger. Dann ist Sommer, und Rudi hat noch lange Zeit zum Kräfte sammeln, bis die nächste Weihnachtssaison beginnt. Er sollte dann nur unbedingt aufpassen, dass der Schlitten des Weihnachtsmannes nicht zu schwer beladen ist. 

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