Millionen Lebensgeschichten ausgelöscht
15. Februar 2018
Lioba Schmukat
15. Februar 2018

„Andere Missstände vorrangig“

UWG-Stadträte gegen Ausgabe für Aufzug / Merle: Soziale und kulturelle Zwecke

BUTZBACH (pe/thg). „Mit einiger Verwunderung haben die Stadträte der UWG den Presseartikel zur Kenntnis nehmen müssen“, schreiben Thomas Gerum, Reinhard Burk und Wolfgang Scriba in einer Pressemitteilung zur Forderung des VdK Nieder-Weisel, einen Aufzug am Sportlerheim des SV Nieder-Weisel zu errichten (die BZ berichtete). Denn darin werde der Eindruck vermittelt, dass die Installation eines Aufzuges als behindertengerechter Zugang zum Gebäude nur noch eine Frage der Zeit sei.

„Den Stadträten der UWG ist jedoch eine derartige Sachlage nicht bekannt. So muss man hier sicherlich hinterfragen, was und wo hier im stillen Kämmerlein beschlossen wurde“, heißt es in der Pressemitteilung, die gestern Vormittag in der Redaktion eintraf.

Bürgermeister Michael Merle sagte bereits gestern Morgen auf BZ-Anfrage, die Mittel für den Bau eines Aufzuges müssten zunächst in den Haushalt 2018 eingestellt werden. Aber der Magistrat und die Stadtverordneten hätten darüber noch zu entscheiden. Zudem lasse er den Vorgang von der Butzbacher Wohnungsgesellschaft daraufhin prüfen, was in der Baugenehmigung steht. Da das Vereinsheim des SV Nieder-Weisel auch für soziale und kulturelle Zwecke im Stadtteil genutzt werde, befürworte er aber die Barrierefreiheit. Merle erinnerte daran, dass unter anderem im vergangenen Jahr die Stadtmeisterschaften mit vielen Besuchern, die das Vereinsheim besuchten, in Nieder-Weisel stattfanden.

Die UWG-Magistratsmitglieder geben in ihrer Pressemitteilung zu bedenken, dass das Sportlerheim eine Einrichtung des SV Nieder-Weisel und nicht der Stadt Butzbach sei. Die UWG befürworte prinzipiell  die Schaffung behindertengerechter  Einrichtungen. „Nur muss man sich hier die Frage stellen, warum das Sportlerheim nicht behindertengerecht geplant wurde, zum Beispiel nur eingeschossig, da dafür zweifelsohne ausreichend Platz war.“

Im Nachhinein ist laut Burk, Gerum und Scriba eine derartige teure und nachhaltig kostenintensive Maßnahme angesichts der vielseitigen und finanziellen Probleme von der Stadt nicht tragbar. „Bei allem Verständnis für den Wunsch als solchen, müssen aus  unserer Sicht  andere Missstände absolut als vorrangig angesehen werden.“ Beispielhaft nennen sie am Bahnhof den Zugang zu Bahnsteig zwei, der für etliche behinderte Mitbürger und insbesondere aber für Rollstuhlfahrer unüberwindbar seien. „Hier ist eine erhebliche Zahl von Bürgern betroffen, sodass eine derartige Maßnahme im öffentlichen Interesse liegt und genauso wie der Bau von behindertengerechten Zugängen in unseren von allen Bürgern genutzten öffentlichen Gebäuden Vorrang hat“, so die UWG-Vertreter.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.