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Appell gegen den Hass in der Welt

BUTZBACH. Éva Fahidi trug sich während des Empfangs im Ratsherrensaal in das Goldene Buch der Stadt Butzbach ein. Vom Magistrat dabei waren (v.l.) Ilka Thum und Wolfgang Scriba, weiter  Museumsleiter Dr. Dieter Wolf und Bürgermeister Michael Merle. Text + Foto: dt

Eva Fahidi trug sich in das Goldene Buch der Stadt Butzbach ein

BUTZBACH (dt). Zum dritten Mal weilte sie an diesem Wochenende in Butzbach, wie Bürgermeister Michael Merle in seiner Begrüßungsansprache feststellte. Zu Ehren von Éva Pusztai-Belané – geboren als Èva Fahidi in Debrecen/Ungarn – hatte der Magistrat der Stadt Butzbach am Freitagnachmittag zu einem offiziellen Empfang in den Ratsherrensaal des Rathauses eingeladen. Die 94-jährige Holocaust-Überlebende trug sich dabei in das Goldene Buch der Stadt ein und richtete einen Appell an die Gesellschaften der Länder in Europa, in dieser Welt und insbesondere an unsereo Gesellschaft: „Wir wollen nicht weiter hassen. Einmal muss jemand sagen, jetzt ist Schluss mit dem Hass. Warum hasst man uns? Man kann vielleicht nicht alle Menschen lieben, aber man darf keinen Menschen hassen.“

Éva Fahidi sei 2008 erstmals nach Butzbach gekommen, um als eine Zeitzeugin über ihre Leidenszeit im KZ Auschwitz und später Buchenwald zu berichten, betonte Bürgermeister Merle. „Wir haben in Butzbach – mit Unterstützung der Lagergemeinschaft Auschwitz – in der Vergangenheit mit Veranstaltungen zum Gedenken an den Holocaust Hunderte von Menschen erreicht,“ unterstrich Merle. Fahidi vermittele ihren Zuhörern ihre Erlebnisse, ihr Überleben und die Überwindung des Schreckens authentisch – mit großer Empathie und Nächstenliebe – als einen „Sieg der Menschlichkeit“. Darum sei er erfreut darüber, dass sie wieder einmal nach Butzbach gekommen sei. 

Zu diesem Empfang aus Berlin nach Butzbach gekommen war auch Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, der unterstrich, dass Zeitzeugen wie Éva Fahidi „diesem Land wieder seine Würde zurückgegeben“ hätten: „Der Akt der ausgestreckten Hand ist ganz wichtig für das Anknüpfen von Gesprächsfäden.“ Deutschland müsse den Überlebenden des Holocaust, die wieder in dieses Land zurückgekehrt seien, Dank sagen. Éva Fahidi sei mit ihren 94 Jahren eine „bewundernswerte Frau“, die im Herzen jung geblieben sei und darum auch besonders gerade junge Menschen erreichen könne. 

„Wir dürfen uns im Leid nicht verhaken. Éva tanzt, sie verwandelt ihr Leid in Licht,“ stellte Heubner fest und betonte: „Wir müssen die öffentliche Diskussion besetzen, dürfen den Feinden der Demokratie keinen Raum lassen, müssen Präsenz zeigen gegen die anwachsenden rechtspopulistischen, extremistischen Bedrohungen in Europa.“ Unsere Demokratie sei stabil. „Eine Demokratie lebt aber von den Demokraten, die nicht im Schlafwagen der Demokratie sitzen,“ unterstrich der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. An dem Tag, an dem es keine Zeitzeugen mehr gebe, müssten die Nachgeborenen deren „Haltung“ übernehmen und weiter tragen. 

Éva Fahidi sei im Herzen eine Europäerin, spreche mehrere Sprachen und vermittele eine große Offenheit für andere Kulturen. Heubner erinnerte in diesem Zusammenhang an die französische Holocaust-Überlebende Simone Veil, die von 1979 bis 1982 Präsidentin des Europäischen Parlaments gewesen sei und eindringlich für ein Europa der Toleranz geworben habe. 

Im Anschluss würdigte Uwe Hartwig, der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer, Éva Fahidi als bedeutende Zeitzeugin und Botschafterin der Toleranz und überreichte ihr die Urkunde als „Ehrenmitglied“ der Vereinigung. 

Fahidi dankte für diese Auszeichnung und begründete ihre selbstgewählte Aufgabe des Schreibens und Sprechens über „Die Seele der Dinge“ – so der Titel ihres Buches. Alle Menschen, aber auch alle Dinge hätten eine Seele. Dies habe sie verspürt, als sie ein Kleidungsstück ihrer ermordeten kleinen Schwester wieder im Händen gehalten habe. Es sei „etwas Wertvolles“ gewesen. Bei ihrem ersten Besuch in Auschwitz nach Kriegsende habe sie das Empfinden gehabt, dass zu schnell vergessen werde. Darum werde sie, solange sie dazu noch in der Lage sei, weiter erzählen und erinnern. Mit ihren Appellen gegen den Hass wegen einer anderen Religion, einer anderen Hautfarbe oder einer anderen Nation wende sie sich insbesondere an junge Menschen. Danach trug sich die heutige Éva Pusztai-Belané  im Beisein der anwesenden Magistratsmitglieder in das Goldene Buch der Stadt Butzbach ein.   

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