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Auf dem Weg zum Spitzenkoch

BUTZBACH. Aaron Wenzel (22), Schüler der Berufsschule Butzbach, ist Mitglied in der Jugendnationalmannschaft der Köche und nimmt von 14. bis 19. Februar an der Kocholympiade in Stuttgart teil. Text + Foto: win

Aaron Wenzel ist als Azubi an der Berufsschule Butzbach und Teilnehmer an der Kocholympiade. 

BUTZBACH (win). „Viele Deutsche kochen nicht mehr selbst. Nicht einmal die Hälfte der Bundesbürger steht täglich am Herd.“ Das besagt eine Studie des Robert-Kochs-Instituts. Ganz anders verhält es sich da bei Aaron Wenzel (22) aus Nidda. Obwohl die ursprünglichen Pläne ganz andere waren, hat sich der 22-Jährige für die Profession Koch entschieden. 

Wenn man seinen bisherigen Werdegang betrachtet, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Schon mit zwölf Jahren entdeckte er seine Leidenschaft fürs Kochen und begeisterte Familie und Freunde mit dem Ergebnis. Mit dem Angel- und dem Jagdschein ergänzte er Wissen und seine Fertigkeiten. Nach dem Abitur und einem Jahr bei der Bundeswehr studierte er zunächst zwei Jahre Wirtschaftswissenschaften. Bis er feststellte, dass ihn ein Schreibtisch-Beruf später schnell langweilen würde und er lieber seiner kulinarischen Berufung nachgehen möchte. Gesagt, getan. Seit letztem Jahr also macht Aaron im Schlosshotel Gedern eine duale Ausbildung zum Koch. Die Schulbank drückt er derweil in der Berufsschule in Butzbach. 

Aufgrund seiner guten Leistungen sieht es ganz danach aus, als ob er die dreijährige Lehrzeit um sechs bis zwölf Monate verkürzen kann. Im April 2019, nur fünf Monate nach Beginn seiner Ausbildung wurde er schon ins Team der Jugendnationalmannschaft der Köche aufgenommen. Eine Leistung, die mancπh anderer erst im dritten Lehrjahr schafft. Wenn überhaupt. Nachdem er bei den Hessischen Jugendmeisterschaften 2019 der Dehoga noch als Gehilfe dabei war, tritt er jetzt bei der 25. IKA/Kocholympiade als Jungkoch im Team an. Der Verband der Köche Deutschlands (VKD) organisiert als Träger diesen Wettbewerb, der vom 14. bis 19. Februar erstmals während der
Intergastra, der Leitmesse für Hotellerie und Gastronomie, stattfindet. Rund 2000 Köche und Patissiers aus über 60 Nationen treten gegeneinander an und zeigen ihre Kochkreationen. Darunter sind 24 Jungköche-Teams aus der ganzen Welt, die in der Wettkampfküche um Medaillen kämpfen. Die Teilnahme am Wettkampf ist für Talente bis 25 Jahre stets Auszeichnung und Chance zugleich. 

Doch bevor es um die große Kochkunst geht, sind erst einmal Basisfähigkeiten gefragt. Denn auch das professionelle Schnippeln von Karotte und Co. will schließlich gelernt und perfektioniert sein, damit am Ende jeder Handgriff wie im Schlaf sitzt. Die Mannschaft – im Kader sind zehn Köche und zwei Anwärter – zeigt international junge deutsche Kochkunst in Wettbewerben und Kochkunstausstellungen. Dafür müssen die Jungstars – neben ihrem Job – fleißig und intensiv trainieren. Alles ehrenamtlich, versteht sich. Das Training, zu dem die Köche aus ganz Deutschland anreisen, findet zwei bis drei Mal monatlich in der Metropolishalle in Potsdam statt. Wenzel muss für diese Trainingseinheiten jedes Mal Urlaub nehmen. Sein Ausbilder und Förderer im Schlosshotel Gedern ist Küchenmeister Hubertus Schultz, seit fast 40 Jahren Koch aus Leidenschaft. Die Wahrheit ist: Arbeit am Herd ist beinhart – und guter Nachwuchs rar. Die Großen der Branche fördern deshalb talentierte Azubis wie zum Beispiel Wenzel. In der Berufsschule wird er von Fachlehrer René Weiser ausgebildet und in seinen Ambitionen tatkräftig unterstützt. Er war selbst viele Jahre Teamtrainer der Koch-Nationalmannschaft im Jugendbereich. 

Bewertet werden bei der IKA unter anderem Geschmack, Optik, Mise en Place, Zubereitung, angewendete Kochtechniken und deren Ausführung; ferner die Zusammenarbeit im Team, geringer Einsatz von Plastik, maximal effektive Verwertung von Lebensmitteln und ein hohes Maß an Hygiene am Arbeitsplatz. 

Nach der IKA ist vor den Hessischen Jugendmeisterschaften. Am 30. und 31. März stellt der Ausnahme-Azubi dort erneut sein Können unter Beweis. Wenn es für den ambitionierten Jungkoch weiter so gut läuft, dann leuchten schon bald die Kochsterne am Gourmethimmel der Zukunft. Wie die aussehen kann, auch davon hat Wenzel bereits ganz klare Vorstellungen: „Ich will meinen Meister in Kombination mit der Ausbilder-Eignungsprüfung machen.“ Mit einem Meistertitel in der Tasche könne man sich als Koch nicht nur Renommee, sondern auch ein erweitertes Fachwissen erwerben. Um möglichst viel zu lernen, zieht es ihn hinaus in die weite Welt, nach Spanien interessiert ihn doch besonders die spanische Küche. Deshalb lernt er auch so ganz „nebenbei“ per Fernstudium noch Spanisch – und poliert sein Französisch auf. „Ist ja schließlich die Küchensprache“, meint er lachend im Interview mit der BZ.

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