Auf Flucht und Vertreibung folgen glückliche Jahrzehnte in Gambach

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Auf Flucht und Vertreibung folgen glückliche Jahrzehnte in Gambach

GAMBACH. Heute vor 65 Jahren gaben sich Eleonore und Horst Vetter in Gambach das Jawort. Foto: hv

Eleonore und Horst Vetter feiern heute Eiserne Hochzeit / Aus Pommern und Schlesien nach Mittelhessen

GAMBACH (hv). Horst und Eleonore Vetter (geborene Gryska) feiern am heutigen 16. März, nach 65 Jahren, ihre „Eiserne Hochzeit“. Der Jubilar wurde 1933 in Stettin/Pommern geboren und gehörte im März 1945 mit Mutter und Bruder zu den Flüchtenden in Richtung Westen. Nach kurzem Aufenthalt in Rostock verfügte die sowjetische Administration die zwangsweise Rückkehr in die Herkunftsstadt, die bereits die polnische Bezeichnung „Szczeczin“ erhalten hatte. Polnische Miliz verjagte im Dezember 1945 die Bewohner in wenigen Minuten aus ihren Wohnungen und schoben sie im Juni 1946 in Sammeltransporten, zusammen mit Tausenden anderen Deutschen in Richtung Westen ab. Im Auffanglager Bad Segeberg, nahe Lübeck, erfolgte dann die „Eingliederung“ in die Einwohnerschaft Schleswig-Holsteins. Durch die amtlich gelenkte „Familien-Zusammenführungs-Aktion“ gelangten die „Holsteiner“ im Oktober 1948 nach Butzbach, wohin es den Vater verschlagen hatte. 

Hier begann ein neuer Lebensabschnitt mit Schulabschluss und Konfirmation sowie Lehre als Schriftsetzer im heutigen Druckhaus Gratzfeld. In seiner Freizeit spielte er Fußball beim TSV Butzbach und im FC Gambach. Am Rande des Spielgeschehens lernte er das Schlesier-Mädchen Eleonore Gryska kennen, die im Jahre 1937 in Reichenbach/Schlesien das Licht der Welt erblickt hatte. Auch sie musste mit Mutter und drei Brüdern im Februar 1945 vor den nahenden Kriegsereignissen fliehen und kam über Oberösterreich im Oktober 1945 nach Gambach. Nach Ende der Schulzeit und der Konfirmation war sie als Maschinenstrickerin beschäftigt und wurde als Refa-Mitarbeiterin bei der Schuhfabrik Rumpf in Butzbach eingestellt. 

Die beiden erlebten eine gemeinsame „glückliche Zeit“, die am 16. März 1956 einen Höhepunkt fand, als der Standesbeamte Bürgermeister Jakob Bergk II. ihren Lebensbund amtlich besiegelte und tags darauf Pfarrer Hermann Schmidt seinen kirchlichen Segen dazu spendete. Aus dieser Verbindung gingen vier Kinder hervor. Die Jubilarin gab 1961 ihre berufliche Tätigkeit auf, um intensiver das Heranwachsen der Sprösslinge begleiten zu können. Die Pflege von Heim und Garten waren in den Folgejahren ihre bevorzugten Ziele. Der Jubilar Horst, der von Anbeginn seinen neuen Wohnort liebte, war dort fast 50 Jahre als ehrenamtlicher Heimatpfleger tätig. Der Hobby-Chronist lieferte heimatgeschichtliche Beiträge, die in Druckerzeugnissen aller Art zu lesen waren. An mehreren Fernseh-Doku-Produktionen hatte er maßgeblichen Anteil. Außerdem gilt er als Mitbegründer des neugeordneten Stadtarchivs und des Heimatmuseums. 

Alle Mitglieder der „Sippe“ und 14 Enkelkinder werden wegen der Pandemie aus der Distanz ihre guten Wünsche senden.

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