Aufgaben nur gemeinsam zu bewältigen

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Aufgaben nur gemeinsam zu bewältigen

BUTZBACH. Für ein gemeinsames Europa in Frieden und Freiheit und gleichzeitig für die Europawahl am 26. Mai warb der Hessische Staatssekretär für Europaangelegenheiten, Mark Weinmeister (l.), im Museum, hier bei der Begrüßung durch Bürgermeister Michael Merle (r.). Text + Foto: dt

VORTRAG – Staatssekretär Mark Weinmeister wirbt im Butzbacher Museum für Europa und Wahl-Teilnahme

BUTZBACH (dt). Mit Leidenschaft und Emotion wirbt er derzeit bei seinen Vorträgen für den europäischen Gedanken, will die Bürger davon überzeugen, dass Deutschland nur in einem europäischen Verband auf der globalen Weltbühne gehört wird und bestehen kann. Der Staatssekretär für Europaangelegenheiten Mark Weinmeister ist für die operative Gestaltung der hessischen Europapolitik zuständig und warb in der gut besetzten Industriehalle des Museums für Europa und damit auch für die Teilnahme der Wähler an der Europawahl am 26. Mai.  

Der Weg, um den Bürgern eine positivere Einstellung zum europäischen Gedanken zu vermitteln, ist für ihn klar vorgezeichnet: „Die Politik mussdie Menschen in Europa wirklich mitnehmen, sie zusammenführen, eine echte Partnerschaft schaffen.“ Das Miteinander müsse insbesondere auf einer emotionalen Ebene erreicht werden. Sein Credo: Nur wenn die Menschen hinter einer Partnerschaft ständen, sie auch emotional erlebten, könne Europa eine positive stabile Gestalt annehmen. Dass bisher von der Politik auf dem Weg in eine europäische Gemeinsamkeit viel versäumt worden sei, erkennt auch er. 

Zuvor hatte Bürgermeister Michael Merle schon darauf verwiesen, dass – aus seiner Sicht – aktuell offensichtlich die Ideen und Visionen für „ein der Zukunft zugewandtes Europa“ fehlten. Weinmeister berichtete, dass für ihn in jungen Jahren die Teilnahme an einer deutsch-französischen Schülerbegegnung ein „prägendes Erlebnis“ gewesen sei. Städtepartnerschaften, wie sie in Butzbach von einem eigens dafür gegründeten Verein, engagiert initiiert würden, seien ein guter, richtiger Weg. Bei Europawahlen stehe dagegen leider die Realität von Wahlbeteiligungen teilweise unter 50 Prozent. „Die Wähler lassen dabei meist ihren Frust ab über nationalen Ärger,“ stellte Weinmeister fest. 

Er blendete zurück in die Historie: Ein einst in der Welt starkes, wirtschaftlich und politisch tonangebendes Europa habe im Verlauf des 20. Jahrhunderts in zwei verheerenden Kriegen den eigenen Kontinent zweimal völlig verwüstet, zerstört und so seine führende Rolle in der Welt verspielt. Im „Kalten Krieg“ hätten sich militärisch im Westen die Nato und im Osten der Warschauer Pakt gegenüber gestanden. Da sei Europa in der Folge des Krieges ab 1945 vom einem „Handlungsfeld“ zum „Spielfeld“ herabgestuft worden.            

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich dieses Europa mithilfe demokratischer Regierungssysteme in Frieden, Freiheit, unter Beachtung von Menschenwürde und  Rechtsstaatlichkeit auf den Weg in ein friedliches Miteinander begeben und habe darum eine solche Missachtung und Protesthaltung seiner Bürger – wie sie heute erkennbar sei – nicht verdient. Seit 1945, nunmehr über 70 Jahre hinweg, gebe es eine lange Phase des friedlichen Miteinanders in Mitteleuropa; das sei beispielhaft. Die Europäer hätten der Welt demonstriert, wie man den Hass zwischen Völkern besiegen könne. Weinmeister äußerte unter diesen historischen Aspekten „völliges Unverständnis“ über das derzeit an vielen Orten wiederaufkommende rechtsnationale Gedankengut. Stattdessen müsse ein vereintes Europa mit seinen 510 Millionen Bürgern gemeinsam die Herausforderungen einer modernen Welt, in der bald zehn

 Milliarden Menschen lebten, annehmen und könne diese nur gemeinsam bewältigen.      

Weinmeister fragte: „Was ist die Grundlage für unseren Wohlstand?“ Unser erfolgreiches Modell sei die Qualität unserer Produkte: „Wir haben die Produkte entwickelt, die andere in der Welt haben wollen. Wir leben vom Interesse der anderen.“ So gingen 65 Prozent aller in Deutschland produzierten Waren in den Export. „Und von diesen 65 Prozent gehen 70 Prozent nur in die EU,“ unterstrich der Referent und betonte: „Wir profitieren dabei von der EU-Wirtschaftspolitik, dem freien Warenaustausch ohne Zölle, Grenzen oder andere Hindernisse. Darum sei auch der mögliche Brexit eine wirtschaftliche Gefahr für Europa. Selbstverständlich sei Europa „kein Wunderwerk“, sondern stelle die Aufgabe, immer wieder um die besten Lösungen zu ringen. „Gemeinschaft bedeutet immer auch Solidarität, der Starke hilft dem Schwachen,“ appellierte Weinmeister. Europa werde in der ganzen Welt bei seinem Weg in ein gemeinsames Miteinander bewundert und beneidet und „die USA, China und Russland freuen sich, wenn die Europäer uneinig sind“.      

In der breiten, sich anschließenden Diskussion konnten die Zuhörer Fragen und Beiträge zum Thema an den Referenten richten (siehe dazu gesonderten BZ-Bericht).       

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