„Auftrag, uns weiter zu engagieren“

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„Auftrag, uns weiter zu engagieren“

BUTZBACH. Der Kulturpreis 2018 der Stadt Butzbach wurde am Samstagabend in einer Feierstunde in der Markuskirche der rum-orthodoxen St. Petrus und Paulus Gemeinde verliehen. Das Foto zeigt v.l. Laudator Pfarrer William Thum, Pfarrer Nicolas Esber, Vorsitzender Yusuf Firsatbal und Bürgermeister Michael Merle.

Rum-orthodoxe St. Petrus und Paulus Gemeinde Butzbacher erhält in Markuskirche Kulturpreis der Stadt

BUTZBACH (dt). „Ihre Gemeinde ist eine wunderbare Bereicherung der christlichen und religiösen Vielfalt in Butzbach.“ Mit diesen anerkennenden Worten leitete William Thum, der evangelische Pfarrer aus Kirch-/Pohl-Göns, am Samstagabend in der Butzbacher Markuskirche seine Laudatio anlässlich der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Butzbach ein, der vom Magistrat für das zurückliegende Jahr 2018 an die orthodoxe St. Petrus und Paulus Gemeinde vergeben wurde. Umrahmt wurde die Feierstunde musikalisch von weihnachtlichen Gesangs- und Solovorträgen des Chores der ausgezeichneten Gemeinde in arabischer und deutscher Sprache.

Nach der musikalischen Einleitung des Chors („Das Kreuz als Zeichen des Sieges“) begrüßten Bürgermeister Michael Merle und „Hausherr“ Pfarrer Jörg Wiegand, der „einen interessanten Abend“ versprach, die zahlreich erschienen Besucher. Thum unterstrich, dass die rum-orthodoxe St. Petrus und Paulus Gemeinde „eine sehr lebendige Gemeinde“ sei, in der auf beeindruckende Weise Wert auf Zusammenhalt und Gemeinschaft gelegt werde. Im Weiteren ging Thum auf die Namensbezeichnung der Gemeinde ein. Petrus sei von Jesus als ein Fels charakterisiert worden, auf den der Bau der Kirche gegründet sei, während Paulus „als ein genialer Architekt der Kirche“ bezeichnet werden könne. „Petrus und Paulus – sie sind ein Sinnbild für Einheit in Verschiedenheit“, betonte Thum. Der enge Kontakt und die Übereinstimmung in den wesentlichen Punkten zwischen beiden Aposteln sei „sicher ein Schlüssel für den historischen Erfolg des Christentums“ gewesen. 

´Thum zog eine Parallele zwischen damals und heute und verwies darauf, dass bei Differenzen, Kontroversen und Konflikten – wie seinerzeit bei Petrus und Paulus – die Einsicht erforderlich sei, dass nicht Spaltung entstehen dürfe, sondern Verständigung und „Einheit“ gesucht werden müsse. Dies gelte auch im modernen Leben. An diesem Abend werde die Kirchengemeinde St. Petrus und Paulus für ihr kulturelles Engagement in der Stadt Butzbach ausgezeichnet. Es gebe keine menschliche Kultur ohne Religion. „Religion stiftet kollektive Identität, sie legitimiert soziale Ordnungen und vermittelt Sinn. Es sind letztlich die religiösen Traditionen und ihre kulturelle Prägekraft, die den Menschen Identität, Halt und Orientierung geben,“ stellte Thum fest. Damit leiste Religion „einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zu kultureller Heimat“. Gerade vor dem Weihnachtsfest werde dies selbst in einer Gesellschaft deutlich, „die allzu oft Besinnlichkeit dem Konsum opfert“. Die orthodoxe Gemeinde präge das kulturelle Leben in Butzbach nicht nur mit ihren Gebäuden, sondern auch mit der Teilnahme an Veranstaltungen wie dem ökumenischen Fest „Kirche am Markt“ oder einem eigenen Adventsmarkt in den Gemeinderäumen. Thum wandte sich direkt an die anwesenden Repräsentanten der Gemeinde, den Vorsitzenden Yusuf Firsatbul und Pfarrer Nicolas Esber: „Sie engagieren sich in herausragender Weise für ein friedliches Zusammenleben, für den Dialog aller Menschen. Sie sind durch ihr Wirken zu einem unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen Lebens Butzbach geworden.“ 

Bürgermeister Merle übergab – neben der Urkunde – als symbolisches, äußeres Zeichen die „Goldene Hand“ und einen Geldbetrag über 1000 Euro. Stellvertretend für die 600 Mitglieder der Kirchengemeinde dankte ihr Vorsitzender Yusuf Firsatbul für die Ehrung: „Wir verstehen diese Auszeichnung als Auftrag, uns weiter zu engagieren.“ Das soziale Engagement und die ehrenamtliche Arbeit machten eine Gesellschaft, eine Wertegemeinschaft stark, unterstrich Firsatbul, wobei Ehrenamt und Engagement „ein Geben und ein Bekommen“ beinhalte. Liturgische Gesängen von Pfarrer Esber und dem Chor der St. Petrus und Paulus Gemeinde folgten den Reden. 

BUTZBACH. Musikalisch umrahmt wurde die städtische Kulturpreis-Verleihung auf beeindruckende Weise mit vorweihnachtlichen Gesängen des Chores der ausgezeichneten St. Petrus und Paulus Gemeinde. Text + Fotos: dt

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