Autoknacker stehlen auf Bestellung: Lenkräder und Airbags sind begehrt

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Autoknacker stehlen auf Bestellung: Lenkräder und Airbags sind begehrt

BUTZBACH (dpa). Böser Schreck am Morgen: Die hintere Seitenscheibe ist eingeschlagen. Das Lenkrad, der Airbag und auch das Navigationsgerät sind ausgebaut. Viel zerstört haben die Täter nicht, es waren offenbar Profis. „Es hat schon wieder den BMW erwischt“, ruft der genervte Autobesitzer seiner Frau zu. Später wird er von der Polizei erfahren, dass die Täter eine Decke um ein Stemmeisen gewickelt haben, um die hinter Seitenscheibe möglichst leise einschlagen zu können. Zwei Minuten dürften die Diebe gebraucht haben, um die wertvollen Teile auszubauen. Die Autobahn ist nahe – das ist sehr praktisch für die Täter, die schnell weg wollen.

Die Polizei nimmt die Anzeige auf. Ihre Berichte nach nächtlichen Klaus sind mittlerweile Routine. Nach Einschätzung von Polizeihauptkommissar Andreas Hemmes vom Polizeipräsidium Westhessen hat sich das Verhalten der Autoknacker in den vergangenen Jahren jedoch geändert. „Früher wurden fast immer nur fest installierte Navigationsgeräte ausgebaut, das ist heute anders“, sagt er. „Wenn heute einer im Auto drinnen ist, baut er auch Lenkräder und Airbags aus.“ Das hänge immer auch davon ab, welcher „Spezialist“ gerade im Einsatz sei. „Wenn einer schnell Lenkräder ausbauen‘ kann, dann sind es in dieser Nacht eben Lenkräder. Wir hatten auch schon Nächte, da wurden nur Frontscheinwerfer ausgebaut.“

Diese spezialisierten Täter sind dem Polizeihauptkommissar zufolge wichtig für die Hintermänner. Mal knacken sie Wagen direkt vor dem Haus des Besitzers, mal fahren sie Autos an eine Stelle in Deutschland, wo sie ausgeschlachtet werden. Die Spezialisten fahren die Wagen Hemmes zufolge nur selten selbst über die Grenze. Wegen ihrer besonderen Fähigkeiten seien sie schlicht zu wertvoll. Bei den Tätern handele es sich überwiegend um Banden aus Osteuropa, weiß Hemmes.

Piera Scazzi vom ADAC Hessen-Thüringen in Frankfurt sagt, begehrt seien bei Dieben zwar alle Premiumhersteller. Aber die „überwiegende Mehrheit“ der geknackten und ausgeräumten Fahrzeuge seien BMW. Woran das liegt, kann der Technik-Experte nicht sicher sagen, hat aber eine Vermutung: Laut Scazzi passen die sogenannten M-Lenkräder von BMW modellübergreifend auf die Fahrzeuge.

Laut Scazzi gehen die Diebe „kundenorientiert“ vor. „Heute sucht man sich kein Auto mehr aus und schlachtet das dann aus“, sagt er. „Die Täter arbeiten auf Bestellung. Die bauen dann auch nur das aus, was bestellt wurde.“ Und das Geschäft ist äußerst lukrativ. Für ein M-Lenkrad etwa werden je nach Ausstattung zwischen 400 und 500 Euro bezahlt. Ein Airbag kostet rund 500 Euro.

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