AWO plant in Langgöns Projekt für Tagespflege und Betreutes Wohnen

5-Sterne-Hotel für Fledermäuse
7. Juni 2021
Impfung hilft bei Zecken-Bissen 
7. Juni 2021

AWO plant in Langgöns Projekt für Tagespflege und Betreutes Wohnen

LANGGÖNS(ikr). Ein Bauprojekt, in dem eine Tagespflege und Betreutes Wohnen/Servicewohnen eingerichtet werden, soll in Langgöns entstehen: Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und des Bauausschusses der Gemeinde waren sich in ihrer gemeinsamen Sitzung einig, dieses Vorhaben auf einem 1640 m² großen Eckgrundstück im Bereich des Fachmarktzentrums „Am Lindenbaum“, unweit des von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Hessen-Süd betriebenen Seniorenzentrums „Heinz-Ulm-Haus“, umzusetzen. 

Bauträger ist die Firma „Faber & Schnepp“, die das Grundstück kaufen wird. Als Mieter des Hauses und Betreiber der Einrichtung wird die AWO Hessen-Süd fungieren. Anja Asmussen in ihrer Funktion als designierte Leiterin des „Heinz-Ulm-Hauses“, das sie ab 1. Juli übernimmt, stellte als Bevollmächtigte der AWO das Nutzungskonzept vor: „Die Tagespflege wird in der Regel von Pflegebedürftigen in Anspruch genommen, deren Angehörige tagsüber berufstätig sind oder Entlastung brauchen. Die Pflegebedürftigen werden morgens abgeholt und nachmittags wieder nach Hause gebracht“, informierte sie. 

Mit der Tagespflege als teilstationärem Angebot soll in Langgöns die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung geschlossen und damit auf den geäußerten Bedarf der Gemeinde Langgöns reagiert werden. Zielgruppe sind ältere, pflegebedürftige Menschen aus der Gemeinde Langgöns bzw. im Umkreis von 15 km. 16 Plätze sind im Erdgeschoss geplant, es gibt Gemeinschafts- Ruhe- und Therapieräume, mehrere Toiletten, alles ist barrierefrei. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag zwischen 8.00 und 17.00 Uhr, ab drei Gästen auf Wunsch auch an Feiertagen. 

Ebenfalls im Erdgeschoss soll eine Wohnung im Rahmen des Betreuten Wohnens /Servicewohnens entstehen. Auf der ersten und zweiten Etage sollen barrierefrei jeweils fünf Wohnungen eingerichtet werden; sie haben Größen zwischen 56 und 66 m² und sind damit sowohl für Alleinstehende als auch für Paare geeignet. Insgesamt sind es elf Wohnungen, alle haben Balkone. Anja Asmussen erläuterte den Begriff „Servicewohnen“: Die AWO vermittelt die Wohnungen zur Miete. Dabei besteht keine vertragliche Verbindung zu einem Pflegedienst. Erst wenn körperliche Einschränkungen nahelegen, pflegerische Leistungen in Anspruch zu nehmen, können die Mieter entsprechende Leistungen vereinbaren. So besteht beispielsweise auch die Möglichkeit, in der Tagespflege Mittag zu essen, „auch im Heinz-Ulm-Haus gibt es einen offenen Mittagstisch ganz nach Wunsch“, erklärte Asmussen. Sie betonte, dass das Konzept „noch nicht in Stein gemeißelt ist, es sind erste Planungen“. Wenn die Gemeindevertretung grünes Licht gegeben habe, werde sich die AWO mit einem umfangreichen Konzept an die Pflegeverbände wenden, die alles prüfen und bewilligen müssen, und den Versorgungsvertrag für die Pflegeeinrichtung beantragen.

Hans Ulrich Theiss, langjähriger Vorsitzender des Langgönser Seniorenbeirats und Mitglied des Kreisseniorenbeirats, begrüßte das Projekt ganz ausdrücklich: „Unsere Bemühungen werden jetzt von Erfolg gekrönt, das ist sehr, sehr positiv.“ Der Bedarf für die Gemeinde Langgöns sei 2017 auf acht Plätze in der Tagespflege berechnet worden, 44 seien es für den Teilraum Gießen Süd gewesen. Die Zahlen hätten sich zwischenzeitlich erhöht. „Meine Erfahrung ist, dass solche Plätze ganz schnell in Anspruch genommen und gebucht werden“, betonte er. 

Bürgermeister Marius Reusch (CDU) schloss sich dieser Einschätzung an und sprach von einer „sehr erfreulichen Entwicklung. Die Tagespflege war bisher eine Leerstelle in der Gemeinde, sie ist eine ganz wichtige Aufgabe, auch um Entwicklung in die Orte zu bringen.“ So könne ein großes Haus, in dem zuletzt eine einzige ältere Person gewohnt habe, die dann ins Servicewohnen zieht, anschließend von einer Familie bewohnt werden. Der Gemeindevorstand habe lange gesucht, um das „sehr attraktive Grundstück“, passend zum Standort zu verkaufen. „Gerade auch die Nähe zum Heinz-Ulm-Haus ist Gold wert, ich kann es nur befürworten, für die Seniorenfreundlichkeit unserer Gemeinde tut das ganz gut“, freute sich der Rathauschef. 

Jürgen Knorz (CDU) sprach von einer „sehr sympathischen Lösung bei wachsendem Bedarf an Betreuungseinrichtungen“, Volker Rühl (SPD) unterstützte das Vorhaben ebenfalls voll.

Stephan Faber, Geschäftsführer von „Faber & Schnepp“, informierte über die geplante Baumaßnahme: Das Gebäude folgt der dreieckigen Form des Grundstücks. Abgerundete Ecken sollen das dreistöckige Haus, das eine Höhe von knapp 10 m haben wird, „charmanter“ machen. Die Zuwegung erfolgt parallel zur Straße oberhalb der Bäckerei Mack. Ein Fußweg ermöglicht den schnellen Übergang zum Heinz-Ulm-Haus. Eine Photovoltaikanlage, um Strom zur Eigennutzung zu erzeugen, ist schon eingeplant, es sollen „keine Schotterwüsten“ im Außenbereich angelegt werden. Weitere ökologische Kriterien, darunter Zisternen /Regenwassernutzung, regenerative Energieerzeugung und eine Fassadenabstimmung in Abstimmung mit dem Gemeindevorstand, sollen, das forderte Annette Mulitze (Grüne), im Städtebaulichen Vertrag und Verkaufsvertrag aufgenommen werden.

„Das Gebäude kann ein Gewinn sein und eine Landmarke schaffen“, zeigte sich Dr. Michael Buss (Grüne) begeistert und brachte damit die Meinung der Sitzungsteilnehmer auf den Punkt. Planer Julian Adler stellte die erforderlichen Änderungen im Bebauungsplan vor. Um das Vorhaben umzusetzen, soll hier ein „Sondergebiet“ im beschleunigten Verfahren geschaffen werden. Sobald das erforderliche Schallemissionsgutachten vorliegt, seien die Voraussetzungen zur Offenlegung gegeben. Auch das wurde einvernehmlich empfohlen.

Zum zeitlichen Ablauf lassen sich noch keine genauen Angaben machen. Auf Anfrage sprach Jürgen Knorz von einem Baubeginn „vielleicht Mitte nächsten Jahres und einer Inbetriebnahme in 2023“.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.