Bautätigkeit fordert Archäologie heraus

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Bautätigkeit fordert Archäologie heraus

Sascha Piffko aus Rockenberg weist auch auf soziale Härten für Grabungsbeteiligte hin

Rockenberg (pi). Jüngst hielt Sascha Piffko, Rockenberg, einen Vortrag im Kultur- und Geschichtsverein über neue Forschungen und Entwicklungen aus der Archäologie. Vor fast drei Jahren hat er eine kleine Grabungsfirma namens SPAU (Sascha Piffko – Archäologische Untersuchungen) gegründet, die inzwischen von drei auf 24 feste Mitarbeiter angewachsen  ist. Ein Herzensanliegen ist ihm die Schaffung fester und unbefristeter  Arbeitsstellen für Archäologen, da die Arbeitsbedingungen für Archäologen in Deutschland immer noch katastrophal seien. Kurzzeitig befristete Arbeitsstellen, oft ohne soziale Absicherung in Werkverträgen und der Gang zum Arbeits- oder Sozialamt seien insbesondere in den Wintermonaten nicht unüblich, die drohende Altersarmut werde oft zu spät registriert.

Dem Referenten blieb diese Nichtabsicherung erspart, da er viele Jahre  beim Land Hessen als Grabungsleiter angestellt war, dennoch wollte er  mit der neugegründeten Firma einen nachhaltigen und verantwortlichen Weg  für die Mitarbeiter beschreiten.

Wie Piffko ausführte, wurden in Ingolstadt in Bayern im vergangenen Jahr mehrere schwerwiegende Urteile gegen Archäologen wegen  Verstößen gegen das Arbeitsrecht ausgesprochen, so wurde ein Unternehmer zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er zahlreiche Mitarbeiter als Scheinselbstständige  beschäftigte.

Am 4. Juli fand in Mainz eine Tagung statt, an der über 200 Archäologen teilnahmen. Thema waren die unhaltbaren Zustände in der  archäologischen Berufswelt und die Frage nach Lösungsansätzen. Der englische Berufsverband für Archäologen CIfA (Chartered Institute for Archaeologists) gründete an diesem Tag eine deutsche Tochtergesellschaft, die nicht nur hauptberufliche Archäologen in Berufsfragen vertritt, sondern auch Einsteigemöglichkeiten für Ehrenamtliche, Quereinsteiger und Interessierte, die sich als Archäologen akkreditieren und zertifizieren wollen, bietet. Tatsächlich fanden sich noch am selben Abend in der Zuhörerschaft neue Mitglieder für den Verband, die so die Zukunft der Archäologie unterstützen wollen.

Piffko berichtete von den Ausgrabungen und anderen Projekten seiner Firma in Hessen und Bayern. So wurden unter anderem auch im Wetteraukreis die Bauprojekte von verschiedenen Investoren begleitet, beim Bau eines Autohauses in Bad Nauheim wurden beispielsweise Reste einer bandkeramischen Besiedlung vor über 7000 Jahren entdeckt, beim Bau einer Landwirtschaftshalle in Echzell Spuren der Römer und in Butzbach in der Nähe des Marktplatzes bei Aushubarbeiten die Fundamente der mittelalterlichen Bebauung mit außergewöhnlichen Funden aus Leder aus jener Zeit. Eine umfangreichere Ausgrabung wurde in Altenstadt durchgeführt, bei der eine keltische Siedlung aus der Zeit des Glaubergfürsten untersucht wurde. Eine Mitarbeiterin von SPAU schreibt darüber gerade ihre Abschlussarbeit an der Universität Marburg.

Die größten Ausgrabungen der Firma fanden im Main-Kinzig-Kreis statt, wo  in Erlensee bei der Voruntersuchung eines Baugebietes in einer bronzezeitlichen Siedlung auch ein ungewöhnlicher Grabhügel untersucht und in Neuberg in einem ebenfalls bronzezeitlichen Gräberfeld  eine mächtige steinerne Grabkammer sorgfältig ausgegraben wurde. Außerdem wurden mehrere Projekte im Aschaffenburger Raum umgesetzt, was eine große Herausforderung bedeutete, da sich die Richtlinien für die archäologische Arbeit in Bayern sehr stark von den hessischen unterscheiden. In
Mainaschaff wurden im Jahr 2016 die Arbeiten an einem großen Gräberfeld begonnen, die in diesem Jahr voraussichtlich fortgesetzt werden, auf dem herausragende Gräber aus der späten Bronzezeit gefunden wurden, deren wissenschaftliche Bearbeitung ebenfalls eine Mitarbeiterin der Firma in ihrer Dissertation übernehmen  wird. Als sehr hilfreich erwies sich die Einrichtung einer professionellen archäologischen Restaurierungswerkstatt in der Firma sowie die Einstellung einer Anthropologin. So kann eine außergewöhnlich hohe Qualitätsstufe erreicht werden. Inzwischen betreut die Firma SPAU fast 50 archäologische Projekte pro Jahr in drei Bundesländern, so dass Piffko nur eine kleine Auswahl der herausragenden Projekte vorstellte.

Neue Herausforderungen für die Archäologie gibt es durch die aktuelle rege Bautätigkeit, zukünftige Großprojekte, wie die geplante Windstromtrasse  „Südlink“, lassen erahnen, dass diese eher wachsen als nachlassen werden. Bei den Grabungen fallen gewaltige Mengen an Funden an, deren Verbleib,  Restaurierung und Betreuung geklärt werden müssen und deren wissenschaftliche Auswertung unabhängig von der Ausgrabung stattfindet. Diese Aufgaben werden in den einzelnen Bundesländern verschieden  geregelt, die Denkmalschutzbehörden, Museen, Universitäten und Forschungseinrichtungen stehen aber vor einer großen Aufgabe.

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