Bei Pflasterwahl in Oberkleen wurde Beitrag zum Umweltschutz geleistet

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Bei Pflasterwahl in Oberkleen wurde Beitrag zum Umweltschutz geleistet

OBERKLEEN. Karl Jürgen Sauer (r.) überreichte eine Urkunde an Marius Reusch und Susanne Müller, in der auf die Verwendung eines Betonsteins aus CO2-neutraler Herstellung verwiesen wird. Foto: ikr

OBERKLEEN (ikr). „Der Endausbau der Straßen ist optisch sehr ansprechend geworden und gibt dem Neubaugebiet, auch mit dem Spielplatz und den Pflanzflächen, einen schönen Gesamtcharakter“, freute sich der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch bei einem Ortstermin zum Abschluss des Endausbaus im Baugebiet „Riebäcker“ in Oberkleen. Ein knappes Jahr dauerten die Arbeiten, rund 900 Meter Straße wurden ausgebaut, die reinen Baukosten betrugen rund 660 000 Euro.

Was lange währt, wird nun endlich gut, denn die Anwohner des Baugebiets, in dem vor rund 15 Jahren die ersten Häuser errichtet wurden, mussten auf den endgültigen Straßenbelag lange warten. Waren doch die Straßen zunächst nur als Baustraßen hergestellt worden, um damit während der folgenden Arbeiten auf den einzelnen Baugrundstücken Schäden am endgültigen Straßenbelag zu vermeiden. Nachdem inzwischen die meisten Grundstücke bebaut sind, wurde nun der endgültige Ausbau der Straßenflächen umgesetzt. 

Die Oberkleener Ortsvorsteherin Peggy Engel zeigte sich sehr angetan: „Der Gesamtausbau hat zwar sehr lange gedauert, aber jetzt ist es umso schöner geworden.“ In den vergangenen Jahren habe es wegen des Zustands der Baustraßen immer wieder Unmut unter den Anwohnern gegeben, erinnerte sie. Engel lobte den finanziellen Rahmen, der rund 200 000 Euro unter der ursprünglichen Kostenschätzung blieb: „Das lief richtig gut und kam den Anwohnern zugute“, bestätigten Bauamtsleiter Jan Schäfer und sein Mitarbeiter Michael Gath.

Der Endausbau wurde von der  Baufirma Hermann Schäfer aus Weilmünster ausgeführt. Nach dem Entwurf des Planungsbüros HS Ingenieure aus Gießen wurden dabei die Haupterschließungsstraßen in Asphaltbauweise hergestellt, die Stichstraßen wurden gepflastert. Die seitlichen Gehwege wurden ebenfalls mit einer Pflasterdecke im sogenannten Mischprinzip, d. h. ohne trennende Bordsteine, höhengleich zu den Fahrbahnen errichtet. Für die sichere Führung von sehbehinderten Menschen wurden taktile Leitsysteme in den Gehwegen vorgesehen. In den Wendeanlagen der Stichstraßen sowie zur Geschwindigkeitsreduzierung in den Haupterschließungsstraßen wurden Parkplätze angelegt, die von Grünflächen begrenzt sind. Die Straßenbreite einschließlich der Gehwegsbereiche liegt in den Haupterschließungsstraßen „In den Riebäckern“ und „Friedenstraße“ bei acht Metern, in den Stichstraßen bei sechs Metern. In den Gehwegsbereichen wurden darüber hinaus Leerrohre verlegt, die für die Verlegung von Glasfaserleitungen genutzt wurden. 

„Es ist eine gute Lösung, die Gehwege zu pflastern, wenn mal aufgegraben werden muss, kann es schnell gemacht werden und es gibt hinterher keinen Flickenteppich“, sagte Peggy Engel. Bürgermeister Marius Reusch bestätigte das, so habe die mittlerweile erfolgte Glasfaserverlegung „gut mit eingeplant“ werden können. Überhaupt habe es „durchaus positive Rückmeldungen“ während der Bauphase gegeben, das sei nicht selbstverständlich, berichtete der Rathauschef.

„Wir haben extra ein optisch ansprechendes Pflaster ausgewählt, um eine schöne Atmosphäre zu schaffen“, betonte er. Dieses Pflaster, das im Übrigen nur unwesentlich teurer ist als herkömmliches, ist auch hinsichtlich des Klimaschutzes besonders: Karl Jürgen Sauer von der Firma Rinn Beton- und Naturstein aus Heuchelheim überreichte dem Bürgermeister und der Langgönser Klimaschutzmanagerin Susanne Müller eine Urkunde. Darin wird auf die Verwendung eines Betonsteins aus CO2-neutraler Herstellung verwiesen. Dadurch wurden bei der Gestaltung der Freiräume in den beiden Baugebieten „Riebäcker“ und „Läusköppel“ 54 Tonnen CO2 eingespart. „Dies entspricht dem Volumen von neun Freiluftballons mit je 3000 m³“, machte Sauer deutlich. Damit habe die Gemeinde einen Beitrag zum Umweltschutz geleistet. 

Die Firma Rinn, die seit 2014 eine nachhaltige Unternehmensstrategie verfolgt, um Umwelt und Ressourcen zu schützen, erhielt 2020 den Ressourceneffizienzpreis der Bundesregierung. „Es ist sehr schön, dass man mit Straßenbelägen klimaschützend arbeiten kann“, unterstrich Susanne Müller diese sicherlich noch nicht allzu sehr bekannte Möglichkeit des Klimaschutzes. „Es wäre zu begrüßen, wenn dieses Vorgehen der Gemeinde Langgöns auch anderen Kommunen als Anreiz diesen könnte“, hoffte Björn Schneider von HS Ingenieure.

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