„Bei Symptomen sofort 112 anrufen“

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„Bei Symptomen sofort 112 anrufen“

MEDIZIN – Neurologe Gerriets wirbt zum „Tag gegen den Schlaganfall“ am 10. Mai für schnelles Handeln

WETTERAUKREIS (HR). „Schlaganfall kann jeden treffen“ lautet ein Credo der Stiftung „Deutsche Schlaganfall-Hilfe“, die seit 25 Jahren besteht. Das Motto ist auch der Leitsatz einer neuen Kampagne, die anlässlich des Jubiläums gestartet wurde. Zum bundesweiten „Tag gegen den Schlaganfall“ am 10. Mai weist Professor Dr. med. Tibo Gerriets, Neurologe der Gesundheitszentrum Wetterau gGmbH und Chefarzt der „Stroke Unit“ am Bürgerhospital Friedberg, darauf hin, dass Schlaganfälle keineswegs immer nur ältere Menschen treffen, betont der Experte, der sich seit Jahren für die Aufklärung über Schlaganfallrisiken und -symptome einsetzt. Denn: Dank moderner Medizin kann man Schlaganfallpatienten gut helfen – am besten allerdings, wenn sie möglichst sofort nach dem Schlag auf eine Spezialstation (Stroke Unit) gebracht werden. 

Bis zu 250 000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall, 75 000 Menschen sterben in der Akutphase. Damit ist der Schlaganfall zur zweithäufigsten Todesursache avanciert. Bei wem der Schlaganfall nicht direkt zum Tod führt, der leidet häufig an bleibenden Folgen; bundesweit ist mehr als eine Million Menschen nach einem Schlaganfall behindert.  

Ursache von Schlaganfällen sind laut Professor Gerriets Durchblutungsstörungen und Hirnblutungen im Verhältnis 4:1. Durchblutungsstörungen werden ausgelöst, wenn ein Thrombus (Blutgerinnsel) eine Hirnarterie verstopft. Hauptrisikofaktoren für das Entstehen einer Arteriosklerose sind Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, erhöhtes Cholesterin und regelmäßiger erhöhter Alkoholkonsum. 

Der permanente Verschluss einer Hirnarterie bewirkt einen Hirninfarkt. Löst sich das Gerinnsel frühzeitig wieder, so dass Symptome nur kurzfristig auftreten, weil das Blut bald erneut fließen kann, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). „Diese Attacken sind besonders tückisch, denn gerade wenn Symptome nach kurzer Zeit wieder verschwinden, werden sie häufig nicht ausreichend beachtet. Wann immer sie auftreten, sollte sofort der Rettungdienst gerufen werden. Oft folgt auf eine solche kurzzeitige Attacke ein richtig schwerer Schlaganfall“, warnt Gerriets. 

Als das bekannteste der Schlaganfall-Warnsymptome nannte er die Lähmung einer Gesichtsseite mit dem „schiefen Mund“. Vielen vertraut sei die Bedeutung eines Taubheitsgefühls oder einer Lähmung und einer Ungeschicklichkeitsneigung (Fallenlassen von Gegenständen etc.) auf einer Körperseite. Deutliche Verwechslungsgefahren mit Erscheinungsbildern wie Trunkenheit oder Demenz bestünden bei den Warnsignalen „Sprachstörung“ und „Fallneigung“ bzw. „Gang-Unsicherheit“, schwer als Schlaganfallsymptom zu erkennen seien für die Umgebung eines Betroffenen Sehstörungen wie eine seitliche Gesichtsfeldeinschränkung oder die einseitige Erblindung, räumte Professor Gerriets ein. Aber: „Auch wenn Sie Zweifel haben: Wählen Sie bei Auftreten eines der genannten Symptome sofort die 112!“  

Wer möglichst unmittelbar nach einem Schlaganfall richtig behandelt wird, hat nach Angaben von Prof. Gerriets wesentlich bessere Chancen auf Genesung. Vom 21. bis 23. Juni begleiten Ärzte des GZW wieder den „Schlaganfallbus“ der Deutschen Schlaganfall-Hilfe in der Wetterau. Eine Broschüre zum Thema kann von der Homepage
www.gz-w.de unter dem Stichwort Stroke Unit heruntergeladen werden.

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