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Beitrag zu Gleichgewicht der Natur

JAGD – Saison hat begonnen / 120 Jäger in 230 Revieren / „Für Hege und Pflege verantwortlich“

Wetteraukreis (pdw). Unlängst hat die Jagdsaison begonnen, was durchaus nicht bei jedem Zustimmung aufkommen lässt. Dabei erfüllt die Jagd eine wichtige Aufgabe im Naturschutz. „Die Jägerschaft arbeitet eng und erfolgreich mit dem ehrenamtlichen und dem amtlichen Naturschutz zusammen“, betont Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch als zuständige Dezernentin für die Jagdbehörde.

Mit dem Jagdrecht ist stets auch die Pflicht zur Hege verbunden. Das ist schon im § 1 des Bundesjagdgesetzes festgeschrieben. Die Hege nimmt auch einen Großteil der Arbeit von Jägern ein. Jägerinnen gibt es bislang noch relativ wenige, allerdings mit steigender Tendenz. 

Die Hege, zu der die Jäger verpflichtet sind, hat die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestands sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlage zum Ziel.

Deshalb ist bei der Planung und der Durchführung der Hege und der Jagd, die Vielfalt der wild lebenden Tiere und Pflanzen im jeweiligen Naturraum zu sichern. Für alle vorkommenden Arten soll ausreichend Lebensraum zur Verfügung stehen, bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind besonders zu schützen und durch geeignete Maßnahmen zu fördern. Das bedeutet zum Beispiel, dass Tiere, die hier keine natürlichen Feinde haben, wie etwa Waschbären und Füchse, gejagt werden, um deren Beutetiere, wie etwa Vögel, zu schützen.  Eine weitere wichtige Aufgabe der Jägerschaft ist es, die Wildbestände den Möglichkeiten und der Leistungsfähigkeit des Naturraums anzupassen. „Der Naturraum hat sich in der Wetterau in den letzten Jahren und Jahrzehnten massiv verändert“, weiß Hans Hess, seit gut einem Jahr Leiter der Unteren Jagdbehörde des Wetteraukreises und seit dreieinhalb Jahrzehnten passionierter Jäger. 

Die Wetterau war einst bekannt als großartige Region für Niederwild. Das hat sich massiv verändert. Vor allem die durch die moderne Landwirtschaft ausgeräumte Landschaft mit großen Äckern, die nach der Ernte aussehen wie ein Parkplatz, bereitet vielen Jägern aber auch Umweltschützern Sorge. Wo soll sich ein Hase auf einer solchen Fläche vor seinen Feinden verstecken? Die jetzt allenthalben angelegten Blühstreifen können zwar eine Verbesserung schaffen, insgesamt aber ist die Entwicklung mit den großflächigen Ackerschlägen nicht mehr zurückzudrehen. 

Rund 1200 aktive Jäger gibt es in der Wetterau. Sie haben ihren Jagdschein nach einer aufwändigen Jägerprüfung erhalten. Zwei Vereine gibt es, die die über ein Jahr dauernde Ausbildung in der Wetterau anbieten, der Jagdverein Hubertus-Büdingen und der Jagdclub Bad Nauheim. 

Es gibt nicht den charakteristischen Jäger. Bauern, Handwerker, Anwälte, Ärzte, Arbeiter, Angestellte und Beamte, es ist oftmals die Liebe zur Natur, die die Menschen zur Jagd bringt, mittlerweile auch zunehmend Frauen. Deren Anteil lag vor wenigen Jahrzehnten noch bei zwei bis drei Prozent. Heute gibt es schon Ausbildungskurse, die zu einem Drittel von Frauen belegt sind. 

Billig ist das Hobby Jagen nicht. Nach der Ausbildung braucht man eine Ausstattung, zu der vor allem Gewehr und Fernglas gehören, für die man 3000 bis 4000 Euro rechnen sollte. Die Möglichkeiten nach oben sind freilich offen. 

Wer den Jagdschein hat, darf aber noch lange nicht auf die Jagd gehen. Er benötigt ein Jagdrevier, von denen es in der Wetterau rund 230 gibt. Solche Jagdreviere werden in der Regel für mindestens zehn Jahre verpachtet. „Das ist eine Verantwortung für eine lange Zeit“, sagt Hans Hess. Damit übernimmt man die Verantwortung für Hege und Pflege in einem Revier. 

Wer kein eigenes Revier gepachtet hat, kann als Gastjäger auf die Jagd gehen, verpflichtet sich in der Regel aber dabei, auch regelmäßig bei der Hege zu helfen. Rund 80 Prozent der Zeit, die man im Wald verbringt, setzt man für die Hege ein. Für die Winterfütterung, für die Anlage von Äsungsflächen, für den Bau von Hochsitzen, auch für den Bau von Raubtierfallen, um Friedwild wie Hase, Fasan und Rebhuhn im Bestand zu schützen. 

Um das Gleichgewicht im Wald zu erhalten, schreibt die Untere Jagdbehörde Abschusspläne vor. Sie basieren auf einem sogenannten Lebensraumgutachten mit Verbissschäden, die von den Förstern erhoben werden. Die Jagdpächter machen dann Vorschläge und stimmen diese mit dem Verpächter, also den Eigentümern der Flächen, ab. 

Die Jagdreviere sind in der Wetterau auf insgesamt zehn Hegegemeinschaften verteilt. Zusammen mit einem Sachkundigen geben diese eine Empfehlung an die Jagdbehörden, die diese dann nach Abstimmung mit dem Jagdbeirat als Vorgabe machen. 

„Ziel ist es, das Gleichgewicht der Natur zu bewahren und den Lebensraum des Wildes zu fördern und gleichzeitig auch den Belangen von Land- und Forstwirtschaft, von Freizeit und Erholung sowie Siedlung und Infrastruktur angemessen Rechnung zu tragen“, zitiert Hans Hess aus dem Bundesjagdgesetz. 

Zum Gleichgewicht der Natur müsse auch der Mensch beitragen, egal ob als Jäger, Naturschützer oder Landwirt, fordert Jäger Andreas Mohr. „Durch die Veränderung der Landwirtschaft stehen heute pro Jahr und Hektar rund 200 Kilogramm Körner und Sämereien weniger zur Verfügung. Die Vögle hungern, das sehen wir an den rund 600 Rebhuhn-Futterstationen im Kreisgebiet, da sind auch viele andere Vögel die sich hier ihr Futter holen.“ Grund dafür sieht Mohr in der veränderten Praxis der Landwirtschaft. Da würden abgeerntete Felder keine 24 Stunden später schon wieder umgebrochen. „Da bleibt keine Korn für die Vögel übrig.“

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