„Belange der Kinder und Jugendlichen werden nicht ernstgenommen“

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„Belange der Kinder und Jugendlichen werden nicht ernstgenommen“

Butzbacher Schulleiter richten sich zur Neuvergabe der Schulsozialarbeit mit „offenem Brief“ an Becker-Bösch

BUTZBACH (pm). In einem „offenen Brief“ an Landrat Jan Weckler und Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch tun die Leiter von acht Butzbacher Schulen ihren Unmut über die neuen Regelungen zur Schulsozialarbeit kund. Kürzlich hatte Becker-Bösch in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass der Verein RDW mit Sitz in Friedberg die Leistungen der Schulsozialarbeit künftig erbringt. Der Verein habe sich in einem zweistufigen Verfahren bei einer europaweiten Ausschreibung mit seinem Angebot durchgesetzt. Die Schulleiter sehen damit die bestehenden Strukturen „auf Null gesetzt“.
In alphabetischer Reihenfolge unterzeichneten Anja Andres, Leiterin der Hausbergschule Hoch-Weisel, Gottlieb Burk von der Gabriel-Biel-Schule, Cornelia Jüttner-Tunkowski von der Degerfeldschule, Christa Oechler von der Stadtschule, Annette Pfannmüller von der Weidigschule, Anette Schliebener von der Gönser Grundschule, Achim Schwarz-Tuchscherer von der Schrenzerschule und Martina Uhl-Reitz, Leiterin der Haingrabenschule Nieder-Weisel, den offenen Brief. Sie verweisen auf ein Schreiben im April und ein Gespräch Anfang Mai von Schwarz-Tuchscherer mit Becker-Bösch, die die Pädagogen direkt ansprechen.
Die Maßnahmen der Schulsozialarbeit stellten eine unersetzliche Unterstützung von Kindern, Eltern und Lehrkräften – also der gesamten Schulgemeinde – dar. „Nun mussten wir über andere an unseren Schulen erfahren, dass die Zusammenarbeit mit dem Träger“, dem Verein JJ, „nicht fortgeführt werden soll.“ In der Folge bedeute dies, „dass sowohl alle bewährten Strukturen der Schulsozialarbeit, die in den vergangenen vier Jahren entstanden sind, wieder ‚auf Null‘ gesetzt werden als auch dass die soziale Gruppenarbeit eingestellt wird“.
Unter den Teilnehmern des erwähnten Gesprächs habe „ein großer Konsens“ bestanden über die „professionelle, konstruktive und äußerst fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Träger JJ“. Darüber hinaus sei mehrfach betont worden, wie wichtig die entstandenen Arbeitsstrukturen und vertrauensvollen Beziehungen aller Beteiligten der Schulgemeinde sind. Ferner sei der Bedarf der Kinder an der „sozialen Gruppenarbeit“ deutlich gemacht worden, zumal die Hoch-Weiseler Grundschule, die Hausbergschule, sogar einen Erweiterungsantrag gestellt habe.
„Ihre Entscheidungen in der Sache sind für uns nicht nachvollziehbar. Verstärkt wird diese Einschätzung durch die nahezu alltägliche mediale Berichterstattung“, so die Schulleiter, „welch massive Auswirkungen die Coronapandemie gerade auf die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen hat.“
Die Verfasser des offenen Briefs machen deutlich: „Wir verstehen, gerade auf dem Hintergrund der Auswirkungen der Coronapandemie, nicht, wie Sie als Verantwortliche trotz der eindeutigen Stellungnahmen der Schulleitungen diese Entscheidungen jetzt fällen konnten.“ Deshalb bekunden sie ihren „Unmut darüber“, dass „unserer Wahrnehmung nach weder die Belange der Kinder und Jugendlichen als auch die Einschätzungen der Verantwortlichen vor Ort ernstgenommen werden“. Die acht Schulleiter würden sich „freuen, wenn Sie Ihre Entscheidung überdenken würden und zukünftig die Menschen vor Ort in diese Entscheidungsprozesse eingebunden würden“, heißt es im Schreiben an Becker-Bösch.

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