„Beppler im Centrum“ ist insolvent

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„Beppler im Centrum“ ist insolvent

Langgöns. Ein Traditionshaus ist insolvent: Bei „Mode und Sport Beppler im Centrum von Langgöns“ läuft der Total-Räumungsverkauf. Foto: ikr

Für Langgönser Familienunternehmen wird Interessent gesucht / Nach fast 70 Jahren Räumungsverkauf

Langgöns (ikr). Schon am Ortseingang künden große Plakate vom Ende einer Geschäftsära: „Total-Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe!“ Nach knapp 70 Jahren, in denen „Mode und Sport Beppler im Centrum von Langgöns“ in der Lang-Gönser  Moorgasse das Ortsbild prägte und Anlaufstelle für Kunden aus dem Ort und der Region war, ist bald Schluss: Das Langgönser Traditionsunternehmen, das in dritter Generation familiengeführt ist, ist insolvent.

„Corona nimmt vor nichts Rücksicht“, bedauert Gerd Beppler, der zuletzt die Geschicke des Modehauses lenkte und Ende Mai an den Insolvenzverwalter übergeben hat. Dieser schaut nun, ob es Interessenten für eine Übernahme des Geschäfts gibt und kümmert sich um die Auflösung des Unternehmens. Drei Monate lang, bis Mitte/Ende August, läuft der Sonderverkauf. Bis dahin bekommen die fünf Mitarbeiter und Geschäftsführer Beppler noch ihre Gehälter. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. „Es wäre natürlich schön, wenn das Geschäft unter anderer Firmierung und auch das Personal übernommen wird, aber in diesen Zeiten sind die Aussichten nicht gerade allzu rosig“, schätzt Beppler die Situation ein. 

Bei uns wurde Ende 2018 eine Sanierung eingeleitet, weil die Umsätze rückläufig waren. Wegen Corona hatten wir vier bis fünf Wochen gar keinen Umsatz. Davor waren wir eigentlich auf einem guten Weg“, berichtet Beppler. Im Rahmen der Sanierung verkleinerte sich die Geschäftsleitung 2019 räumlich und personell: Jahrzehntelang hatte Seniorchef Ernst Beppler gemeinsam mit seinen Söhnen Manfred und Gerd das Unternehmen als Trio von drei Geschäftsführern geleitet. Als Manfred Beppler in den Ruhestand ging, nahm die Familie das zum Anlass, das Sporthaus und auch die Kinderabteilung zu schließen. Das Modegeschäft zog mit etwas verkleinertem Sortiment in die freigewordenen Räumen „nebenan“ und eröffnete im vergangenen Herbst neu. Auf 550 Quadratmetern Geschäftsfläche standen drei Etagen für die Kundschaft offen. Auch in der Geschäftsleitung gab es Änderungen: Gerd Beppler war nun alleiniger Geschäftsführer. Die Belegschaft schrumpfte von knapp 20 Mitarbeitern auf sechs. „Die Verkleinerung hat mit dem veränderten Kaufverhalten der Kundschaft zu tun. Der Onlinehandel hat natürlich auch Auswirkungen auf unser Geschäft“, erläuterte Beppler seinerzeit den Entschluss, das Unternehmen „gesundzuschrumpfen“.  Er hoffte, damit das Geschäft fit für die Zukunft zu machen. 

Das Modehaus war auch über Langgöns hinaus fast 70 Jahre lang eine Institution. Seniorchef Ernst Beppler, Jahrgang 1933, gründete gemeinsam mit seinem Vater Albert 1951 das Unternehmen im Wohnzimmer des elterlichen Bauernhauses in der Moorgasse 1. In den ersten Jahren wurden die Kunden noch mit dem Auto zu Hause besucht. Gehandelt wurde überwiegend noch mit Stoffen, Arbeitskleidung, Wäsche, Strümpfen, Dingen des täglich notwendigen Bedarfs. Durch die dann kontinuierlich wachsende Entwicklung wurde bald der erste Umbau fällig. Die Verkaufsfläche wurde auf 80 Quadratmeter erweitert und es wurde ein Geschäftseingang mit zwei Schaufenstern gebaut. Nach weiteren Baustufen und Zukauf eines Nachbargrundstückes erreichte die Firma Beppler zu ihrem 25-jährigen Bestehen 1976 eine Größe von 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. Schon damals gab es die Abteilungen Damen-, Herren-, Kinderabteilung, Jeans, Heimtextilien und Sportartikel. Nach dem nächsten Umbau mit Neueröffnung 1991 betrug die Verkaufsfläche 1800 Quadratmeter auf zwei Etagen. Aber auch diese Fläche wurde innerhalb von nur vier Jahren zu klein und die Geschäftsleitung entschloss sich, die Sportabteilung in ein separates Haus auszulagern. Auf dem benachbarten Grundstück Moorgasse 5 eröffnete der Familienbetrieb dann 1995 das neue Sporthaus auf drei Etagen mit 550 Quadratmeter Fläche. Immer wieder gab es Umbauten und Renovierungen, zuletzt 2015. Legendär waren auch die Modenschauen. Die persönliche Beziehung und das gute Verhältnis zwischen Geschäftsleitung, Mitarbeitern und Kunden war seit jeher das Aushängeschild des Betriebes. Auch in Lang-Göns konnte man die großen Marken kaufen, und das mit individueller, freundlicher Beratung und dem Komfort kostenloser Kundenparkplätze.

„Das neue Konzept machte sich ganz gut, ich hatte die neue Firma schon gegründet, die neuen Schilder am Geschäft montiert, neue Arbeitsverträge vorbereitet, aber dann kam der Shutdown, der das Ganze negativ beeinflusst hat“, berichtet Gerd Beppler. Soforthilfe hat er zwar erhalten, aber das war zu wenig. Ein KfW-Kredit hätte mehr geholfen, „den hätte ich aber wegen der negativen Bilanzen, bedingt durch den Sanierungsprozess, nicht bekommen“, sagt Beppler. Ihm bleibt nur die Hoffnung auf einen Interessenten zur Übernahme. Wenn das nicht klappt, werden seine Mitarbeiter und auch er Ende August keine Arbeit mehr haben.

Das „Modehaus Beppler am Bahnhof“ in Lang-Göns ist von der Schließung nicht betroffen und weiterhin geöffnet. Es ist geschäftlich nicht mit „Mode und Sport Beppler“ in der Moorgasse verbunden. 

Last Updated on 8. Juli 2020 by Lothar Müller

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