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Berühmte Besucher Butzbachs

BUTZBACH. Anna von Eppstein-Königstein (1481–1538), die Großmutter Wilhelm I. von Oranien, verbrachte ihre Kindheit und Jugend im Butzbacher Schloss. Hier heiratete sie 1500 Graf Botho III. zu Stolberg. Foto: storck

Dagmar Storck über Wilhelm I. von Oranien (1533-1584) und Anna von Sachsen (1544 – 1577), Teil 1 

BUTZBACH. Zwischen Wilhelm I. von Oranien und seiner zweiten Ehefrau Anna von Sachsen kam es im Laufe ihrer Ehe zu einem bösen Ehekrieg, in dessen Zusammenhang es, zur Besprechung wichtiger Angelegenheiten, am 23. Mai 1570 zu einem Treffen beider im Schloss in Butzbach kam. Warum Butzbach? Diese Frage beantwortet Dagmar Storck:

Vielleicht war Butzbach der geeignete neutrale Boden für ein solches Gespräch. Ein Viertel der Herrschaft über die Stadt Butzbach gehörte zu dieser Zeit einem Onkel von Anna, Ludwig IV. von Hessen-Marburg. Ein weiterer Anteil Graf Ludwig zu Stolberg, dem Bruder von Wilhelms Mutter Juliana. Die Großmutter von Wilhelm I. von Oranien, Anna von Eppstein-Königstein (1481–1538) zog 1483, als Zweijährige, nach dem Tod ihres Vaters Philipp I. von Eppstein-Königstein zusammen mit ihrer Mutter Louise von der Mark-Rochefort und ihren Geschwistern auf den Witwensitz der Mutter, das Schloss in Butzbach. Hier verbrachte sie 17 Jahre ihrer Kindheit und Jugend. Im Februar 1500 heiratete Anna in Butzbach Graf Botho III. zu Stolberg.  

Als 1535 mit Eberhard IV. der letzte der Königsteiner Linie starb, gelangte das Erbe, und damit auch ein Anteil von Butzbach, über seine Schwester Anna und ihre Heirat, an die Grafen zu Stolberg. Aus der Ehe gingen 13 Kinder hervor, Kind Nummer fünf war Juliana von Stolberg (1506–1580). 1519, im Alter von 13 Jahren kam sie zur Erziehung an den Hof ihres kinderlosen Onkels Eberhard IV. nach Königstein, so wie schon Jahre vorher ihre Brüder Wolfgang und Ludwig. Die Brüder wurden von ausgesuchten Hauslehrern in Königstein und Butzbach unterrichtet, gut möglich, dass sich auch Juliana zeitweise in Butzbach aufhielt. Von Königstein aus heiratete sie 1523 Graf Philipp II. von Hanau-Münzenberg und gebar bis zum frühen Tod ihres Mannes 1529, drei Söhne und zwei Töchter. 

Im September 1531 heiratete sie in zweiter Ehe den ebenfalls verwitweten Grafen Wilhelm von Nassau-Dillenburg. Mit ihren Kindern zog sie nach Dillenburg, der Residenzstadt der Grafschaft. Aus dieser zweiten Ehe entstammen zwölf weitere Kinder, darunter zwei Bedeutende: Wilhelm I., der 1533 in Dillenburg geboren wurde und Johann VI., der 1559 die deutschen Besitztümer des Vaters erbte und als Graf von Nassau-Dillenburg regierte. 160 Enkel und Urenkel machen Juliana zu Stolberg zur Stammmutter vieler regierender Häuser Europas, unter anderem des niederländischen Königshauses. Noch heute sind Plätze, Straßen und Schulen in den Niederlanden nachihr benannt. 

Der Name ihres Sohnes Wilhelm I. von Oranien ist untrennbar mit dem späteren Befreiungskampf der Niederlande gegen spanische Fremdherrschaft, Ketzerverfolgung und Inquisition verknüpft. Er wird als „Vater des Vaterlandes“ verehrt.  Als „Het Wilhelmus“ ist der Prinz Titelheld der niederländischen Nationalhymne, in 15 Strophen bekommt man die Eckdaten seiner Biografie zu hören. In „Ich-Form“ berichtet er über seinen unverwüstlichen Heldenmut. Das Original ist in Deutsch, die Hymne, wie Wilhelm – um 1568 aus Deutschland importiert. 

Im Alter von elf Jahren wurde er von seinem Cousin Renatus, dem Sohn seines Onkels Heinrich III. von Nassau, als Alleinerbe des südfranzösischen Fürstentums Orange (niederländisch: Oranje) sowie dessen umfangreichen Besitzungen in Frankreich und den Niederlanden eingesetzt, doch der Preis für das prachtvolle Erbe war hoch. Kaiser Karl V. stimmte der Erbfolge nur unter zwei Bedingungen zu: Wilhelms Erziehung am Hof in Brüssel und das Praktizieren des römisch-katholischen Glaubens. Einen lutherischen Erben unter seinen niederländischen Hochadligen konnte der stramme Katholik nicht gebrauchen. 

Aufgrund des bedeutenden Erbes akzeptierten Wilhelms Eltern in seinem Namen. Wilhelm, nun Fürst von Oranien, besaß unter anderem in Breda eine der schönsten Burganlagen nördlich der Alpen, und in Brüssel den „Nassauer Hof“, der ebenfalls weit gerühmt wurde. Im Dienst Kaiser Karls V. entwickelte sich der junge Prinz sehr gut. Im Lauf der Jahre zeigten sich seine diplomatischen Fähigkeiten. Sein Beiname „Wilhelm der Schweiger“, hatte nichts mit Schweigsamkeit zu tun, sondern mit seinem Geschick, sich nie voll und ganz in die Karten schauen zu lassen. 

Wilhelm wurde zu einem der engsten Vertrauten Kaiser Karls V. Als dieser im Oktober 1555 seinem Sohn Philipp II. die Herrschaft über die Länder der spanischen Krone übertrug, stützte sich der Kaiser auf Wilhelms Schulter, eine Geste mit Symbolcharakter. Wilhelm hatte für den Kaiser wichtige Siege errungen und wurde in den Orden der Ritter vom Goldenen Vlies aufgenommen, einen elitären Kreis ranghoher Adliger, die dem Kaiser besonders nahestanden. Obwohl zwischen Wilhelm und König Philipp II. von Spanien eine persönliche Abneigung bestand, ernannte der König den Nassauer 1559 zu seinem Statthalter in den Grafschaften Holland, Zeeland und Utrecht. Damit war Wilhelm auch Befehlshaber der Truppen der genannten Provinzen. Nicht vorzustellen, dass er später Teilnehmer und Symbolfigur einer Revolte gegen die spanischen Landesherren werden sollte. (Weiterer Bericht folgt.) 

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