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Berühmte Besucher Butzbachs

BUTZBACH. Wilhelm Fürst von Oranien (1533 – 1584), Befreier der Niederlande, auch heute würde er sicher noch einige Frauenherzen erobern. Repro: Storck

Wilhelm I. von Oranien (1533–1584) und Anna von Sachsen (1544–1577) verlieben sich 1560

BUTZBACH. In der Reihe „Berühmte Besucher Butzbachs“ porträtiert die BZ auch Wilhelm I. von Oranien (1533 – 1584) und Anna von Sachsen (1544 – 1577).

Trotz hoher Einkünfte waren die Ausgaben Wilhelms I. für sein prunkvolles Hofleben schon zur Zeit seiner ersten Ehe so hoch, dass ihm in Antwerpen kein Kaufmann und kein Bankier mehr Kredite gewähren wollte. Bei verschiedenen Kartenspielen verzockte er viel Geld und Juwelen. 

Der Prunk hatte einen wichtigen Grund, man musste selbstverständlich Freund und Feind beeindrucken und unendlichen Reichtum vortäuschen. Auf dem Feld, wie bei Schauturnieren und bei Schlachten an üppigen Buffets. Die Feiern am Hofe Wilhelms waren legendär. 

Wie in hochadligen Männerkreisen ebenfalls nicht selten, unterhielt auch Wilhelm neben seine Ehen feste Mätressen und flüchtige Begegnungen mit sogenannten „spilkindern“. Ehen waren für viele Fürsten keineswegs heilig und überwiegend dazu da, legitime Söhne hervorzubringen. Die Ehefrauen bezeichnete man später oftmals als „unfreundlich und heslich“ oder „auch übelriechend“. Obwohl man mit ihnen Dutzende Kinder gezeugt hatte. Adlige Männer kamen, auch ohne Scheidung, schnell zu mehreren Frauen, durch häufige und risikoreiche Geburten war die Sterberate hoch. Noch im Trauerjahr nach dem Tod seiner ersten Gattin bekam Wilhelm mit Eva Elinx, 1559, den Sohn Justinus I. „Bastard“ von Nassau, den er als einziges außereheliches Kind anerkannte. 

Bald war der Prinz wieder offiziell auf Brautschau. In Sachen Heirat hatte er auch die Politik im Kopf, das Verhältnis zu seinem niederländischen Landesherrn Philipp II. bekam in dieser Zeit bereits Risse. Der spanische Habsburger schmeckte den Niederländern so gar nicht, und ihm ging es mit dem Volk ebenso. Die Devise Philipps II. lautete „weg mit allen Nichtkatholiken“, gerade in „seinen“ Niederlanden, die ein Ketzernest und ein Zentrum des modernen Buchdrucks waren, und wo so viele ketzerische Schriften gedruckt wurden, wie sonst nirgendwo in Europa. Kaiser Karl hatte seinem Sohn einen Berg von Schulden hinterlassen und ausgerechnet die reichen, freiheitsliebenden Niederländer sollten, ohne Mitspracherecht, den Glaubenskrieg für die spanische Monarchie finanzieren. Er beabsichtigte, die Niederlande zu einem Einheitsstaat unter spanischer Führung zu machen. Den heimischen Adel stellte er mit seinen rigorosen Entscheidungen kalt. Regieren wollte er nur noch von Madrid aus. Schnell formierte sich eine Opposition unter dem niederländischen Adel. 

Der bisherige katholische Vorzeigevasall Wilhelm von Oranien wurde zur Seele der Bewegung. Ab Herbst 1559 begann der 26-jährige um die 14-jährige Protestantin und Kurfürstentochter Anna von Sachsen zu werben. 100 000 Taler Mitgift und protestantische Truppenkontingente für den Freiheitskampf waren verlockend. Das Doppelspiel zu seinen religiösen Gründen wurde vorab schon ausführlich beschrieben. Schriftliche Zusagen zu diesem Thema vermied er tunlichst bei seinen Heiratsverhandlungen. Anna von Sachsen wurde nur zum Gegenstand des Geschäfts, doch ihr sehnlichster Wunsch war es, dem Regiment von Onkel und Tante zu entkommen. Onkel August begann die finanzielle Seite des Brautgeschäfts zu regeln. 

Im Gegenzug zur Mitgift war es üblich, eine Gegenverschreibung vom Werber zu verlangen. Wilhelm musste Anna, für den Fall, dass sie Witwe werden sollte (Wittum), niederländische Güter übertragen, die ihr ein standesgemäßes Auskommen sicherten. Seine Dillenburger Verwandten mussten darüber hinaus eine Bürgschaft unterzeichnen, falls Wilhelm zahlungsunfähig sterben sollte. Anna sollte in diesem Fall Ansprüche auf Güter im schönen Westerwald haben, und zwar eine der nassauischen Burgen Diez oder Hadamar samt Ländereien. Auch etwaige Nachkommen waren mit Garantien über Titel und Erbgüter abzusichern. Das war auch ein Schutz für den Onkel. Die Vollwaise sollte ihm nach ihrer Verheiratung nicht mehr auf der Tasche liegen. Doch tatsächlich gab es für die adligen Frauen dieser Zeit oft Probleme mit der Durchsetzung der vertraglich festgelegten Versorgung. 

Vorausschauend protestierte Annas Großvater, Landgraf Philipp von Hessen, gegen die Hochzeit und konnte diese damit um ein volles Jahr hinauszögern: Wilhelm könne als spanischer Vasall Anna nie und nimmer freie Glaubensausübung gestatten, ohne Leib und Gut zu riskieren. Er fürchte, Anna könne verfolgt werden und durch eine Flucht in wirtschaftliche Not geraten. Wilhelms Verschuldung gefährde die Versorgung seiner Enkelin und seinen Zusagen sei nicht zu trauen, und so weiter. 

Doch Onkel August wischte die Bedenken beiseite. Einen Oranier, der Zugang zu den wichtigsten Machtzentren Europas hätte, könne man als Bräutigam nicht abweisen. Hinzu käme Annas Eigenwilligkeit, man müsse froh über jede Werbung um sie sein. 

Da warf sich Wilhelm geschickt selbst in den Ring: 1560 nutzte er eine Reise nach Dillenburg zu einem Abstecher nach Dresden. Mit großem Gefolge ritt der glanzvolle Ritter im Zwinger ein. Welche Frau hätte diesem Anblick und diesem „Womanizer“ widerstehen können? Die kleine Anna verliebte sich auf den ersten Blick und ließ sich auch durch die vielen Warnungen nicht mehr von „ihrem Traumprinzen“ abbringen. (Fortsetzung folgt). 

Dagmar Storck

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