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Bestattungswald bleibt weiter gesperrt

BUTZBACH. Förster Oliver Schneider (l.) erläuterte unter anderem den Mitgliedern des Magistrats die Schäden an Bäumen im Bestattungswald.

Betreten wegen Lebensgefahr verboten / Butzbacher Magistrat sieht zunächst keine kurzfristige Lösung

BUTZBACH (thg). Der Butzbacher Bestattungswald darf derzeit nicht betreten werden. Nach einem Ortstermin am Mittwoch beschloss der Magistrat, dass die Sperrung weiter gilt. Statt Flatterband sollen nun Bauzäune den Zugang verwehren. Denn es besteht wegen geschädigter Bäume Lebensgefahr, so eine Erkenntnis des Termins.

„Die Lage ist dramatisch“, sagte Revierförster Oliver Schneider über die Schäden speziell an einer Vielzahl von Buchen. Markus Huber als ausgebildeter Forstwirt und Mitarbeiter des städtischen Bauhofs bestätigte die Einschätzung. Er führt das Butzbacher Baumkataster und beobachtet regelmäßig auch die Buchen im Bestattungswald.

Der Absterbeprozess der Buchen beschleunige sich, sodass sich quasi über Nacht deutliche Anzeichen für die komplexe Krankheit entwickeln, die zuvor nicht zu sehen waren. Und er gehe weiter. Unter anderem bestehe die Gefahr, dass trockene Äste herabfallen. Da aber der Pilzbefall des Stamminneren von außen nicht sichtbar ist, sei es auch möglich, dass ganze Bäume abknicken. Deutlich mehr als ein Viertel des Buchenbestands sei geschädigt.

Die Sperrung könnte auch längerfristig andauern, war eine Erkenntnis des Treffens. Denn wegen der auch für die Waldarbeiter unsicheren Situation würden Spezialfirmen und -gerät benötigt. Sie seien aber derzeit schwer zu bekommen, weil das Buchensterben ein allgemeines Pro-
blem ist. „Die Auftragsbücher sind voll“, so Schneider.

Dass in einem Waldstück Baumteile herabfallen können, gehört zwar nach Angaben der Forstleute zu den „waldtypischen Gefahren“. Beim Bestattungswald gelte aber eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht wegen der besonderen Nutzung und der zu erwartenden Besucher. Denn der Bestattungswald wird als Ort der Trauer genutzt.

Die Magistratsmitglieder sahen zur Sperrung keine Alternative. Das bedeutet auch, dass keine Bestattungen stattfinden können. Und auch Eigentümer bereits gekaufter Bäume könnten damit womöglich gar nicht am gewünschten Ort bestattet werden. „Alle Betroffenen werden von der Stadt angeschrieben“, sagte Bürgermeister Michael Merle. Gestern sollten die Schreiben verschickt werden.

493 Urnenbeisetzungen hat es bislang im Butzbacher Bestattungswald gegeben. 89 Bäume mit Grabstellen gibt es. 13 Bestattungsbäume müssten „zeitnah“ entschärft werden, 16 stehen unter Beobachtung. Aber von den Schäden seien nicht nur Bestattungsbäume betroffen.
Wie der Bestattungswald wieder begehbar gemacht werden kann, war ebenfalls Thema des Termins. Bäume zu entnehmen, wäre die erste Möglichkeit. In der Nachbargemeinde Waldsolms, die mit ähnlicher Problematik konfrontiert ist, wird der Baumrest dann ausgefräst, ein Stumpf soll nicht stehenbleiben, wie Sigrun Stowasser vom Butzbacher Friedhofsamt berichtete. Dabei handele es sich um eine teure Lösung, stellten die Stadträte fest. Auch über die Nachpflanzung mit möglichen Risiken müsse entschieden werden.
Förster Schneider machte deutlich, dass sich das Bild des Bestattungswaldes stark verändern werde. Dabei sprach er nicht nur von den fehlenden Bäumen, sondern auch von den notwendigen Gassen und sonstigen Spuren, die bei der Arbeit mit den Maschinen entstehen. Mit der Motorsäge von Hand dürften die Bäume nicht mehr gefällt werden. Und auch Eichen wiesen bereits Krankheitszeichen auf. Ihr Holz bleibe aber „relativ lange stabil“.

Der Magistrat beschäftigt sich auch mit Alternativen zum Bestattungswald. Denn aus Sicht von Stadtrat Norbert Gonter (FDP) müsse über das Konzept grundsätzlich nachgedacht werden. Stadtrat Dieter Söhngen (CDU) hielt es für fraglich, ob Bestattungen so weiter stattfinden könnten. Auf nahezu allen Butzbacher Friedhöfen gebe es mittlerweile Baumgräber, es handelt sich dabei allerdings um ein anderes Konzept. So können Interessierte vorher nicht „ihren“ Baum auswählen, es werde der Reihe nach bestattet.

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