Bestattungswald: Bürgerinitiative, Schäden erhoben, Gesprächsangebote

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Bestattungswald: Bürgerinitiative, Schäden erhoben, Gesprächsangebote

BUTZBACH. Da im gesamten Areal zahlreiche Bäume geschädigt sind, wurde der Bestattungswald bis auf Weiteres gesperrt, das Betreten durch Bauzäune verhindert. Text + Foto: win

Kritik: Vor vollendete Tatsachen gestellt / Ziel: Gemeinsam mit Stadt Lösung finden / Pflege: Start am Montag

BUTZBACH (win/thg). Wegen der Lage im Butzbacher Bestattungswald hat sich die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Bestattungswald“ gegründet, die so viele Betroffene wie möglich verbinden möchte. Die Initiatorinnen Stefanie Goedert und Anja Gebler setzen dabei auf eine zielführende Kooperation mit der Stadt, um gemeinsam eine konstruktive Lösung zu finden. Vor allen Dingen wird wesentlich mehr Kommunikation und frühzeitiger direkter Austausch zwischen Stadt und den Betroffenen gewünscht. Das Ziel seien keine Schuldzuweisungen, sondern Lösungen, die in erster Linie Rücksicht auf die Trauer und die Gefühle der Hinterbliebenen nehmen, so die Initiatorinnen. 

Die Trockenheit der letzten Jahre hat im Butzbacher Stadtwald Fichten und mittlerweile zunehmend die Buchenbestände geschädigt. Kürzlich erhielten alle „Nutzungsberechtigten“ eines Baumes im Butzbacher Bestattungswald ein Schreiben von Bürgermeister Michael Merle, wonach das gesamte Areal bis auf Weiteres gesperrt wurde (die BZ berichtete). Hintergrund sei, dass „im gesamten Areal des Bestattungswaldes zahlreiche Bäume geschädigt sind und somit durch herabfallende Ast- und Kronenteile eine massive Gefahr für die Besucher des Bestattungswaldes darstellen“. Die Stadt Butzbach sei bemüht, den Bestattungswald so schnell wie möglich wieder herzurichten, damit die Anlage wieder gefahrlos begehbar werde. Das Betreten wird derzeit durch Bauzäune verhindert und zurzeit finden bis auf Weiteres keine Bestattungen statt. Die Stadt arbeitet nun an einer Lösung, die auch die bestehenden Gräber so gut wie möglich schützt.

Angehörige und Betroffene beklagen, dass sie „nicht vorab informiert und ins Boot geholt“, sondern mit einem Brief „vertröstet“ und quasi „vor vollendete Tatsachen gestellt“ wurden. Sie möchten nicht einfach nur mit einem Schriftstück informiert werden, sondern „in irgendeiner Weise schon vor den Maßnahmen involviert“ werden. Betroffene Bürger, die sich beteiligen möchten, können sich unter der E-Mail-Adresse rettet-den-bestattungswald@web.de oder telefonisch unter 01520/2724205 mit der BI in Verbindung setzen.

Der Bürgermeister hatte der BZ kürzlich berichtet, dass bereits Gespräche mit Fachfirmen geführt wurden. Fabian Goedert, einer der Mitbegründer der BI, bedauerte in einem Facebook-Kommentar, dass die Stadt hier „nicht transparent“ agiere. Er befürchtete, dass Grabstätten nun durch tonnenschwere Forstmaschinen zerstört werden, gesunde Bäume durch fachfremdes Personal beschädigt oder verletzt würden und die betroffenen Bürger am Ende keine Gedenkstätte mehr hätten. Unter Umständen kämen in Gesprächen mit Betroffenen gute Ideen zutage. Er schlug vor, auf Rückepferde zurückzugreifen, anstatt mit herkömmlichen Harvestern vorzugehen. 

Vielen Facebook-Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Bürger besorgt sind, ob überhaupt wieder Bestattungen stattfinden können. „Ich habe vor ein paar Wochen einen ganzen Baum gekauft mit dem Gedanken, dass an ihm nicht nur meine Ruhestätte sein soll, sondern auch mir nachfolgende Familienmitglieder“, schreibt eine Nutzerin. „Wir haben zwei Plätze bereits bezahlt. Es gibt ja glücklicherweise noch einige andere Bestattungswälder hier im Umkreis. Aber vielleicht findet sich hier in Butzbach ja auch noch eine Lösung“, meldeten sich verunsicherte Bürger zu Wort. Auch Unmut wurde laut: „Dann suche ich mir halt einen Baum in einem anderen Bestattungswald. Kann man unter diesen Umständen vom Vertrag zurücktreten?“ Nun würden Konzepte nötig, die auch in Zukunft sowohl das sichere Begehen als auch den pietätvollen Umgang mit der Gedenkstätte gewährleisten. 

Bürgermeister Merle sagte gestern auf Anfrage der BZ, die BI habe ihn noch nicht kontaktiert. Er erläuterte das von der Stadt vorgesehene Vorgehen. Demnach sehen sich die externen Fachleute den Bestand derzeit an, spätestens heute soll dies abgeschlossen sein. Ein städtischer Bediensteter sei bei den Erhebungen dabei. 

Erste notwendige Pflegemaßnahmen sollen frühestens am Montag beginnen. Dabei soll die größtmögliche Rücksicht auf die Waldwege und den Baumbestand genommen werden. Heute sollen Betroffene angeschrieben werden, deren Bäume betroffen sind, je nach Ausmaß der Schäden und hinsichtlich weitergehender Maßnahmen. Liegen massive Schäden vor, werde man sich die Situation mit den Betroffenen gemeinsam anschauen und sie vor Ort erläutern. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass es sich bei den ersten Pflegemaßnahmen um Tätigkeiten handele, die vertragskonform mit dem beim Kauf eines Bestattungsbaums unterzeichneten Papier seien. 

Merle sagte, ihm, dem gesamten Magistrat und den städtischen Mitarbeitern sei bewusst, dass es sich um ein sensibles Thema handele. Daher habe er, um die Öffentlichkeit zu informieren, zu einem Orts-
termin des Magistrats auch die BZ eingeladen und auch danach noch einmal die Presse informiert (die BZ berichtete jeweils). Außerdem seien Betroffene angeschrieben worden und würden informiert, falls Schäden festgestellt werden. Wer zu einem geschädigten Bestattungsbaum ein Gespräch wünsche, erhalte dies auch. 

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