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„Betroffene fühlen anders mit“

Foto: win

In Bad Nauheim neue Selbsthilfegruppe nach Krebs / „Wir beraten alltagsorientiert“

BAD NAUHEIM (win). In Deutschland erkranken jährlich über
27 000 Frauen an einem bösartigen Tumor der weiblichen Genitalorgane. Brustkrebs ist aber nicht nur ein Frauenthema, auch ca. ein Prozent der Männer erkranken daran. In Bad Nauheim hat sich nun eine Selbsthilfegruppe nach Krebs neu gegründet, die sowohl für Frauen als auch für Männer zukünftig Anlaufstelle für den gesamten Wetteraukreis sein möchte. Zur Gründungsveranstaltung, in der auch Chefarzt Dr. med. Ulrich Groh anwesend war, begrüßte die kommissarische Leiterin Alexandra Prues aus Wölfersheim rund 35 Frauen und Männer im Facharzt- und Servicezentrum des Bad Nauheimer Hochwaldkrankenhauses.

Angebot nicht nur für Frauen

Die Bedeutsamkeit von Selbsthilfe auf dem Weg der Erkrankung wird immer wieder als positive Begleitung während der Therapie und in der Zeit danach beschrieben. Die Selbsthilfegruppe bietet auch Männern zahlreiche Informationen, die unter anderem aufzeigen, wie sie ihre erkrankten Frauen besser unterstützen oder im Falle eigener Erkrankung bestmöglichen Beistand erhalten können. Aber auch wenn man von der Familie gut unterstützt und getragen wird, so ist es manchmal doch besser, mit anderen Menschen zu sprechen. Denn Betroffene können sich anders einfühlen als Nicht-Betroffene. Erfahrungswissen durch das eigene Erleben ist das Potenzial, welches als Hilfe zur Selbsthilfe angeboten wird. „Dabei bieten die Treffen mit Gleichgesinnten einen geschützten Raum, in dem großer Wert auf Achtsamkeit gelegt wird und Schweigepflicht selbstverständlich ist“, beschreibt Prues die Atmosphäre.

Die Diagnose Krebs schockiert, sie wird oft mit Hoffnungslosigkeit und Unheilbarkeit in Verbindung gebracht. Meist zu Unrecht, denn ein großer Teil der Patientinnen kann durch die Primärtherapie (Operation, falls notwendig Nachbehandlung mit Chemotherapie oder Bestrahlung) dauerhaft geheilt werden. „Wir beraten nicht wissenschaftlich, fachlich oder medizinisch, sondern alltagsorientiert, aus der Betroffenheit, dem eigenen Erleben heraus“, beschreibt Prues die vielschichtige Unterstützung innerhalb der Gruppe. Auffangen … nach dem Schock der Diagnose; Informieren … über Themen im Umgang mit der Erkrankung; Begleiten … auf dem Weg der Therapie und/oder in der Zeit danach.

Zudem steht das Angebot auch Angehörigen, Freunden und Menschen mit Interesse am Thema Leben mit und nach einer Krebserkrankung offen. Der persönliche Austausch in Einzelgesprächen, Paargesprächen und Gruppentreffen dienen dazu, die Anregungen zu komplementären Therapieangeboten durch zusätzliche Informationen, Fachvorträge zum Beispiel zu medizinischen und sozialrechtlichen Themen u.a. zu ergänzen. Vorträge, aktive Treffen wie Nähen von „Herzen gegen Schmerzen“, Tanzen, Malen, Reha-Sport und Gesprächskreise sind Angebote einer Selbsthilfegruppe. Einzelgespräche, Paargespräche und Krankenbesuche sind nach Absprache möglich.

 Patientinnen mit Brustkrebs erleben nach der Operation neben physischen auch psychischen Schmerz. Das Herzkissenprojekt wurde ins Leben gerufen, um das Leiden von Brustkrebspatientinnen zu lindern. Das Kissen erfüllt aber noch einen weiteren Zweck. Es ist ebenso ein Zeichen der Solidarität und der seelischen Unterstützung von Brustkrebs-Patientinnen. „Auch in Bad Nauheim gibt es ,Herzen gegen Schmerze‘, die ehrenamtlich von Frauen mit viel Liebe genäht werden“, sagte Prues.

Nächstes Treffen am 8. März

Geplant sind Gruppentreffen an jedem zweiten Donnerstag im Monat sowie kurzfristige Gespräche nach Absprache. Ferner werden Angebote, zum Beispiel für Reha-Sport nach Krebs, geprüft und Vorträge von Referenten aus Fachbereichen angeboten. Das nächste Treffen findet am
Donnerstag, 8. März, um 17.30 Uhr statt. Treffpunkt ist im Facharzt- und Servicezentrum des Hochwaldkrankenhauses in den Konferenzräumen Wetterau II und III. Bei diesem Treffen wird sich die Gruppe endgültig konstituieren und über die Besetzung der Gruppenleitung, der stellvertretenden Gruppenleitung sowie des Kassiereramtes abstimmen. Anmeldungen nimmt Prues telefonisch unter 06036/9056805 entgegen. Weiterführende Infos zur Frauenselbsthilfe gibt es im Internet unter www.frauenselbsthilfe.de.

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