Bezahlbarer Wohnraum und „Vision“ von „ökologischem Quartier“

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Bezahlbarer Wohnraum und „Vision“ von „ökologischem Quartier“

BUTZBACH. Auf der im Vordergrund zu sehenden Seite der Weiseler Straße möchte Daniel Beitlich mit seiner Firma Revikon Wohnraum schaffen. Die ehemalige Schuhfabrik hat er saniert, sie beherbergt unter anderem das Stadtarchiv. Für das Areal dahinter ist die Entwicklung eines Wohngebiets mit Gewerbeansiedlung und Quartiers- und Pendlergarage als Zukunftsprojekt ins Auge gefasst. 

Daniel Beitlich möchte Entwicklung an der Weiseler Straße mit Geschosswohnungsbau vorantreiben

BUTZBACH (thg). Geschosswohnungsbau an der Weiseler Straße „Im Weidchesgarten“ möchte Daniel Beitlich von der Firma Revikon errichten. Darüber hinaus entwickelte er gemeinsam mit dem Architekten Felix Feldmann eine „Vision“ von einer weiteren Entwicklung mit Wohnen und Gewerbe beiderseits der dortigen ehemaligen Schuh- und Papierfabrik. Vor der Aufstellung eines Bebauungsplans stellten die beiden ihr Projekt und die Zukunftsperspektive im Butzbacher Bauausschuss vor. 

Das Projekt, das Revikon zunächst umsetzen möchte, ist die Schaffung von Mehrfamilienhäusern auf knapp 9000 Quadratmetern anschließend an die Wohnbebauung. Es handelt sich um eine Nachfolgenutzung für das Gelände von Autohandel und Wohnmobilanbieter an dieser Stelle. 

Ein Bau, der sich an der Weiseler Straße erstrecken soll, wird zunächst mit vier Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss vorgesehen. Dort könnte geförderter „bezahlbarer“ Wohnraum entstehen, so Beitlich, was die Kalkulation mit vier Geschossen ermöglichen würde, eventuell sozialer Wohnungsbau. Zur Straße hin sollen Besucherparkplätze geschaffen werden, die Bewohner aller dort möglichen Häuser erhalten Stellplätze in der vorgesehenen Tiefgarage. Fünf Mehrfamilienhäuser mit bis zu drei Vollgeschossen und Staffelgeschoss ergänzen die Planung. Circa 100 Wohnungen mit 50 bis 75 Qua-
dratmeter mit zwei bis drei Zimmern, alle per Aufzug erreichbar und barrierearm, würden so entstehen, erläuterte Beitlich. 

In einem weiteren Schritt ist von Revikon vorgesehen, dass sich Gewerbeansiedlungen in Richtung Umgehungsstraße/Kreisverkehr anschließen. Wegen der Stadteingangssituation an dieser Stelle solle es möglich sein zu steuern, welche Art Bau dort errichtet wird. Büros, eine innovative Nutzung oder auch eine Ansiedlung im Rahmen der Initiative des Landes, Behörden von der Stadt in ländliche Bereiche zu verlegen, seien vorstellbar. 

Noch weiter in die Zukunft blickt Beitlich für das Gelände zwischen Schuhfabrik  und Bahn. Als „ökologisches Quartier“ sieht er die Mischung aus Wohnbebauung, Gewerbe, Kindergarten und „Quartiers- und Pendlergarage“ an der Bahn, von der aus zu Fuß der Butzbacher Bahnhof erreichbar wäre. Darin sollen die Stellplätze vom Wohnbereich weggehalten werden, nur einzelne Plätze unter anderem für die Anlieferung sollen vorhanden sein. Ein „autoarmer Bereich“ ist die Vorstellung für das Viertel. Die Zufahrt erfolgt von der Umgehungsstraße aus, die Garage ist entlang der möglichen Gewerbebebauung erreichbar. Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit sind Stichworte für das Bauen. Ökologische Gesichtspunkte würden auch beim Thema Elektromobilität und Nahwärmeversorgung des „Musterquartiers“ mit einem Nebeneinander von Arbeits- und Lebensformen berücksichtigt. 

Der Mangel an Gewerbeflächen in Butzbach veranlasste Beitlich dazu, unter anderem eine Fläche für den Wohnmobilanbieter als Alternative zu suchen oder auch Bereiche für Handwerksbetriebe. Im Gewerbegebiet Nord erwarb sein Unternehmen daher 10 000 Quadratmeter ungenutzte Voestalpine-Fläche. Im Gewerbegebiet Nord sieht Beitlich ein „Riesenpotential“. „Wir haben Butzbach insgesamt im Blick und uns größere Gedanken gemacht“, unterstrich er. 

Das viergeschossige Gebäude mit Staffelgeschoss an der Weiseler Straße lehnten CDU und UWG ab. Beide Fraktionen verbanden dies mit einer Kritik am Baukörper des „Wohnens am Bahnhof“. Solch massive Klötze wolle die Union nicht, so Benjamin Seliger. Auch die Grünen lehnten fünf Geschosse ab. Man wolle nicht Frankfurt und Berlin nacheifern, sagte UWG-Fraktionsvorsitzende Gudrun Reineck. Die Stadt habe nicht die Infrastruktur, um weitere 100 Wohnungen zu verkraften, sagte Seliger unter Hinweis auf den stets stark besuchten Supermarkt an der Philipp-Reis-Straße. Aber gegen die Entwicklung sei man nicht, Revikon müsse sich aber Gedanken machen. Das gelte auch für das Thema Verkehr. 

Wie Beitlich sagte, werde ein intelligentes Verkehrskonzept benötigt. Mit Hessen Mobil würde gesprochen, ein Verkehrsplaner habe sich bereits damit befasst. 

Zu Skepsis gegenüber einer Gewerbeentwicklung entlang der Umgehungsstraße sagte Bürgermeister Michael Merle, dass der Flächenentwicklungsplan dies seit langem ausweise. Im Verlauf der Sitzung stimmten die Ausschussmitglieder auch einer entsprechenden Regelung zu, wonach die Hessische Landgesellschaft dort private Flächen im Auftrag der Stadt zum Quadratmeterpreis von 28 statt 22 Euro erwerben soll. 

Merle wies auch darauf hin, dass die Stadtverordnetenversammlung bei der Bebauunsplanung für das Degerfeld zugestimmt habe, dass Geschosswohnungsbau im Süden der Kernstadt – in Bahnhofsnähe– und nicht in größerem Maße im Degerfeld neu entstehen soll. Beim Thema Gebäudehöhen gebe es Für und Wider. Die Bauprojekte Wohnen am Bahnhof und ehemalige Post gegenüber davon – zu beiden habe es Visualisierungen gegeben – hielt er für gelungen und „verteidigte damit die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung“. Im Degerfeld werde das vom Brand beschädigte Hochhaus saniert. 

Holger Fischer als Bebauungsplan-Experte wies darauf hin, dass gesetzliche Vorschriften dazu führen, dass nicht dichter, sondern höher gebaut werden müsse. Zum Wohnen am Bahnhof erinnerte er, dass seinerzeit der Bahnhofsvorplatz als „Nullhöhe“ Konsens gewesen sei. 

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