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Bork investiert über 23 Mio. Euro

NIEDERKLEEN. Blick über das gesamte, 60 000 Quadratmeter umfassende Baugelände. Foto: Ernst Stadler

Bis Mitte 2022 soll der Werkstattneubau realisiert sein

NIEDERKLEEN (ikr). Was lange in der Planung war, geht nun in die Zielgerade: Für den Neubau der Bork-Werkstatt und damit auch für die Verlegung der bisherigen Werkstatt aus der Ortsmitte fiel nun der offizielle Startschuss. Wolfgang Bork, Chef der gleichnamigen Spedition, informierte gemeinsam mit seinem Sohn Steffen und Schwiegersohn Gregor Werum über das Bauprojekt, das der Unternehmer mit Kosten in Höhe von 23 bis 25 Millionen Euro beziffert. Es wird genau gegenüber der Firmenzentrale auf der südlichen Seite der Straße „Auf dem Hüttenberg“ liegen. Neben der Werkstatt ist der Bau eines „Frischezentrums“ auf rund 5000 Quadratmetern zum Umschlag von Lebensmitteln geplant. Mit der Fertigstellung beider Baumaßnahmen wird spätestens Mitte des kommenden Jahres gerechnet. 

Damit hat die Spedition Bork, die mit über 500 Mitarbeitern, einem Fuhrpark von 300 LKW, knapp 600 Aufliegern und einem jährlichen Umsatz von rund 60 Millionen Euro mit zu den größten Fuhrparks Deutschlands zählt, im Magna Park Rhein-Main die Grundlage für einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des ehemaligen Militärgeländes gelegt: „Mit dem Bau der Werkstatt und des Frischezen-trums im Magna Park haben wir eine wichtige Basis geschaffen, um auch für die nächsten Jahre zukunftsfähig und wettbewerbsfähig zu bleiben“, freute sich Wolfgang Bork.

Mit dem Umzug der Werkstatt wird für die Niederkleener Bürger die lang ersehnte Entlastung vom Schwerverkehr kommen. „Dies ist meiner Familie und mir stets eine Herzensangelegenheit gewesen und ich bedanke mich nochmals für die breite Unterstützung und die große Geduld fast aller Niederkleener Bürgerinnen und Bürger“, betonte Wolfgang Bork. 

Aktuell laufen für den Werkstatt-Neubau die vorbereitenden Maßnahmen, das Baurecht wurde geschaffen und die Erschließungsarbeiten haben begonnen. Dies ist der letzte Akt im Zusammenhang mit der Verlegung des Werkstattbetriebs aus dem Ortsbereich in den Magna Park. „Somit kann und muss festgestellt werden, dass die Spedition Bork Wort gehalten hat. Es war ein langer und steiniger Weg, bei dem oftmals der falsche Eindruck entstehen konnte, dass man seitens der Firma nur wenig Interesse an einer Verlegung der Werkstatt habe“, räumte der Unternehmer ein. Die Verlegung sei jedoch sowohl der Gemeinde Langgöns als auch den Verantwortlichen der Firma Bork ein wichtiges Anliegen gewesen, um den Ortskern vom Schwerverkehr zu entlasten. 

Die Umsetzung des seit langem geplanten Projektes habe sich „auch aufgrund eines den komplexen Themenfeldern geschuldeten mehrjährigen Genehmigungsverfahrens verzögert“, erläuterte der Firmenchef.

Im Werkstatt-Neubau wird es auch eine Waschstraße geben. Für die Fahrzeugwäsche werden Regenwasser und biologisch aufbereitetes Wasser verwendet. Es werden ausschließlich ökologisch abbaubare Waschmittel eingesetzt. Bei der Konzeption der Gebäude soll darauf geachtet werden, dass sowohl energiesparende als auch effiziente und regenerative Technologien zum Einsatz kommen. Über eine hochmoderne Photovoltaikanlage kann eine nahezu autarke Energieversorgung des Gebäudes sichergestellt werden.

Der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch, der mit einer Delegation aus Gemeindevorstand, Gemeindevertretungsvorsitzender Martin Hanika und dem Ortsbeirat Niederkleen der Präsentation folgte, lobte: „Das ist ein bedeutendes Projekt. Die Werkstatt kommt jetzt, das ist ein wichtiges Signal.“ Bork habe sich vom „klassischen Spediteur zu einem sehr großen Logistikunternehmen“ entwickelt. Der Magna Park insgesamt sei ein positives Beispiel, wie so eine Fläche für einen solchen Zweck geeignet sei. Der Verkehr fließe nicht durch die Ortschaften. „So kann man Konversionsflächen gut nutzen, es ist ein sehr geeigneter Standort.“ Für die Politik sei es wichtig, der Firma Bork „gute Entwicklungsperspektiven zu eröffnen“.

Wolfgang Bork dankte den Langgönser Gemeindegremien, die diesen Weg stets eng begleitet hätten.

Im Magna Park wurde auf einem 104 ha großen Areal seit dem Erwerb durch die Firma Bork im Jahr 2003 Schritt für Schritt ein Logistikpark entwickelt, der sich deutschlandweit sehen lassen kann. Mittlerweile arbeiten hier über 1500 Menschen. „Im Mittelpunkt der Entwicklung stand dabei ein nachhaltiges Konzept, das auch aus ökologischer Sicht Maßstäbe gesetzt hat“, erläuterte Bork. Da es sich um ein interkommunales Gewerbegebiet handele, seien die einzelnen Schritte immer in enger Abstimmung mit den beiden zuständigen Kommunen, der Gemeinde Langgöns und der Stadt Butzbach, gemeinsam auf den Weg gebracht worden. Im Park seien mittlerweile über 80 Prozent verplant, er sei „nahe an der Auslastungsgrenze angelangt“.

Mittlerweile ist bei Bork der Transport von Lebensmitteln ein wesentlicher Geschäftszweig geworden, über 50 Prozent machen Lebensmitteltransporte inzwischen aus, die Tendenz ist steigend. Ein kleineres Frischelager befindet sich mit im Hauptgebäude. Im neuen, größeren Frischelager, das gegenüber dem Firmensitz in östlicher Richtung entlang der Straße Richtung Kirch-Göns entstehen wird, soll modernste Technik zum Einsatz kommen: In der Halle wird es drei Bereiche mit unterschiedlichen Temperaturen geben, die durch Trennwände abgegrenzt werden, es gibt ein intelligentes Entladesystem, das die Abläufe optimiert, und eine Tankstelle für die Lkw ist gleich daneben. Es wird auch einen kleinen Bürotrakt geben. Geheizt wird nicht mehr klassisch, sondern durch Kraft-Wärmekopplung mit Ammoniak. Gebaut wird vom heimischen Unternehmen Faber & Schnepp.

Im Zuge der beiden Baumaßnahmen Werkstatt mit Waschhalle und Frischezentrum werden auch die Straßen saniert und für den Schwerverkehr fit gemacht. Das ehrgeizige Ziel, dabei auch die Verkehrsinfrastruktur durch Schaffung eines Fahrradweges zu ergänzen, erfuhr zuletzt einen herben Dämpfer. Insbesondere aufgrund des gefährlichen Kreuzungsbereichs zwischen dem Niederkleener Feuerwehrgerätehaus und dem Magna Park, aber auch aufgrund des zu erwartenden Schwerverkehrs mit vielen Kreuzungsbereichen im Magna Park wurde vom Fachplaner aus Sicherheitsgründen dringend davon abgeraten, die Hauptroute des touristischen Radverkehrs über die Fahrbahn der Erschließungsstraße zu führen. Hier steht die Spedition Bork weiterhin im engen Austausch mit der Gemeinde Langgöns und der Stadt Butzbach und diese haben gemeinsam Vorschläge für parallel verlaufende alternative Routen gemacht. 

Abgerundet wird der Übergang vom Magna Park zum angrenzenden Ortsbereich durch den Bau eines Mehrfamilienhauses im Bereich des ehemaligen „Mischplatzes“ nach den Vorgaben der städtebaulichen Vereinbarungen mit der Gemeinde Langgöns mit Dorfcafé und Backshop. In dem Wohn- und Geschäftsgebäude sollen in einem Mix auch firmenangehörige Fahrer temporär Obdach erhalten, wenn sie am Hüttenberg Station machen. Hierzu teilte Bürgermeister Reusch mit, dass der städtebauliche Vertrag, der alle Forderungen der Gemeinde erfüllt, mit dem Unternehmen Bork zur Umsetzung unterzeichnet sei, das Projekt könne jetzt starten. Bei diesem im Vorfeld umstrittenen Vorhaben sichert die Firma Bork erneut „größtmögliche Transparenz“ zu und bittet zugleich um das Vertrauen der Bürgerschaft. Das Projekt hatte zu Disputen geführt, weil zunächst die Planung eines Mitbewerbers bevorzugt worden war und dennoch Bork den Zuschlag später erhielt, weil nachgebessert wurde. Es wurden auch Plagiatsvorwürfe laut. Dazu erklärte der Unternehmer: „Wir haben nichts kopiert, das haben wir nicht nötig. Wir haben das Architektenbüro gewechselt.“

Die Zukunft des demnächst stillgelegten alten Werkstattgebäudes ist derweil offen. „Es gibt bisher zwar ein bis zwei Ideen, aber keinesfalls etwas Konkretes“, sagte Bork. Hier will man sich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung Zeit lassen. Kernziel sei hier, ein Konzept zu realisieren, das insbesondere dem Gesichtspunkt der Naturverträglichkeit Rechnung trage.

NIEDERKLEEN. Vor dem Planentwurf der neuen LKW-Werkstatt (v.l.): Gregor Werum, Steffen Bork, Wolfgang Bork und Marius Reusch. Foto: ikr

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