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Borkenkäfer, Habitate und Erlöse

Hessen Forst erläutert Handlungsweise in Butzbach / Zu „ordnungsgemäßer Forstwirtschaft“ verpflichtet

BUTZBACH (thg/pm). Jüngst verabschiedete die Butzbacher Stadtverordnetenversammlung einen überarbeiteten Waldwirtschaftsplan. In den Diskussionen wurde unter anderem auch angemahnt, Hessen Forst als für den Stadtwald zuständiger Partner solle die Öffentlichkeit besser über seine Arbeit informieren. Der Weilroder Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff gibt nun ausgehend von der Borkenkäfer-Problematik einen „Faktencheck“ als Überblick. 

Unter anderem stellt sich die Frage, ob im Winter die Kälte gegen den Borkenkäfer hilft. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass ex-treme Kälteperioden im Winter eine Käferpopulation nur marginal reduzieren. Die adulten, also ausgewachsenen Borkenkäfer könnten auch tiefe Fröste gut überstehen und zeigten bei entsprechend steigenden Temperaturen wieder eine normale Vitalität. Lediglich feuchtwarme Frühjahrszeiten erhöhten die Sterblichkeit durch Pilzbefall der Käfer. Nur bei Jungkäfern und Larven gebe es tatsächlich eine etwas höhere Sterblichkeit durch extremen Frost.

Aufgrund der insgesamt großen Menge an Borkenkäfern, die unter der Rinde und im Boden überwintern, sei aber leider auch in diesem Jahr mit einer weiterhin hohen Käferpopulation zu rechnen.

Was es bringt, befallene Fichten im Winter zu entnehmen, auch wenn sich der Käfer in einer Ruhephase befindet, erläutert der Fachmann. „Der Winter bietet die Möglichkeit entstandene Rückstände in der Käferholzaufarbeitung während der Ruhephase des Borkenkäfers aufzuholen.“ Die Borkenkäfer überwinterten zum einen in der Bodenstreu, zum anderen bohrten sich einige im Herbst in vitale Fichten ein und überwinterten am Stamm. „Eine kontinuierliche Aufarbeitung, auch im Winter, sichert die Entnahme so vieler Stammüberwinterer wie möglich. Jede Maßnahme zur Reduktion der Borkenkäferpopulation ist unter dieser enormen Zahl an Käfern wichtig.“ Zudem werde die Suche nach frisch befallenen Bäumen im Anschluss an den ersten Schwärmflug deutlich erleichtert – daraus entstehe ein wichtiger Vorsprung für den weiteren Jahresverlauf.

Deutschländer-Wolff betont zum Naturschutz: „Horst- und Höhlenbäume sind ökologisch wertvolle Habitate, die gesetzlich geschützt sind und somit nicht gefällt werden.“ Jeder festgestellte Habitatbaum werde markiert, sodass er stets wiedergefunden werden kann. Im Butzbacher Stadtwald gebe es ein flächiges Netz an Habitatbäumen, das mit jeder neu „gezimmerten“ Baumhöhle jährlich wachse. Baumhöhlen dienten der Überwinterung unter anderem von Eichhörnchen, Bilchen oder auch Fledermäusen. Baumhöhlen in Fichten seien extrem selten, Fichten würden von den „Höhlenbauern“ wie Spechten nur selten ausgewählt. „Eichen, Buchen und auch Kiefern sind da deutlich beliebter. Somit besteht nur sehr selten die Gefahr, dass bei der Fällung von Käferfichten wertvolle Höhlenhabitate zerstört werden.“

Der Landesbetrieb Hessen Forst handele nicht unkontrolliert. Er betreut zum einen Kommunalwaldflächen, sofern ein entsprechendes Mandat vorliegt, zum anderen auch Privatwald und nicht zuletzt den Staatswald. Als Landesbetrieb ist Hessen Forst Teil der Landesverwaltung und somit einem internen Qualitätsmanagement verpflichtet. „Hinzu kommt der rechtliche Rahmen, zum Beispiel durch das Bundeswaldgesetz sowie das Hessische Waldgesetz.“ 

Aufbauend auf diesen Grundlagen sei Hessen Forst verpflichtet, die Waldpflege auf dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu führen – die sogenannte ordnungsgemäße Forstwirtschaft. Regelmäßige Kontrollen von Externen finden mit Zertifizierungen der jeweiligen Forstbetriebe statt. Im Zug dieser „Audits“ würden die Maßnahmen auf der Fläche überprüft, aber auch interne Prozesse, wie zum Beispiel bei der Auftragsvergabe, inspiziert. „Das Wirken von Hessen Forst ist zudem mit den jeweiligen Waldeigentümern abgestimmt und wird jährlich in Form eines Waldwirtschaftsplans vorgestellt. Eine mittelfristige Planung in einem Forsteinrichtungswerk ist dafür das Widerlager und sichert die Nachhaltigkeit bei den jährlichen Planungen.“ Eine Forsteinrichtung sei für Waldbesitzer ab 100 Hektar Pflicht.

Der Landesbetrieb berichtet dem Fachministerium über die Staatswald-Bewirtschaftung. Zum Auftrag gehören auch „Allgemeinwohlleistungen“ wie Naturschutzaufgaben und Waldpädagogik, wofür Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Der von Hessen Forst betreute Kommunal- und Privatwald hat mit dem Landesbetrieb ein Betreuungsverhältnis und bezahlt für die Dienstleistung Beförsterungskosten. Sie werden vom Landtag in Form eines Erlasses vorgegeben und liegen somit nicht unter dem Einfluss des Landesbetriebs. Details können dem jährlich erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht von Hessen Forst entnommen werden. Er ist jedem zugänglich. Die Erlöse aus der Waldbewirtschaftung – Holzverkauf – der kommunalen und privaten Forstbetriebe verbleiben vollständig beim jeweiligen Waldeigentümer, so der Forstamtsleiter.

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