„Borkenkäfer unzureichend bekämpft“

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„Borkenkäfer unzureichend bekämpft“

Butzbacher Bürgerinitiative richtet Vorwürfe an Hessen Forst / „Menge der Fällungen politisch aufarbeiten“

BUTZBACH (pe). Die Butzbacher Bürgerinitiative (BI) „Unser Wald“ schreibt in einer Pressemitteilung der Borkenkäfer sei im Stadtwald unzureichend bekämpft worden. Die Schäden sind nach Meinung der BI auch Folge unzureichenden Managements. 

Mindestens einmal pro Woche müssten bei erkannten Borkenkäfer-Kalamitäten betroffene Bereiche begangen werden, die Entwicklung kartiert sowie dokumentiert und zum Beispiel mit der Hauptwindrichtung abgeglichen werden, so dass eine vermeintlich weitere Ausbreitung prognostiziert werden kann, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Die Vor-Ausflugzeiten der Borkenkäfer seien spätestens ab 15. März zu nutzen, um den Borkenkäfer in seinen Überwinterlagern zu bekämpfen, zur Not auch unter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. „Das empfehlen zumindest die Landesforstbetriebe in Thüringen und in Nordrheinwestfalen“, heißt es in der BI-Pressemitteilung.

Die BI nahm mit einer Flugdrohne die Waldgebiete auf, die vom Borkenkäfer befallen sind. Sie seien in hohem Maß miteinander verbunden, so dass deutlich würde, wie sich der Borkenkäfer durch den Wald gefressen habe: in den meisten Fällen entlang der Hauptwindrichtungen. Es gebe klar erkennbare Nester, die man hätte bekämpfen können. 

Die BI erhebt den Vorwurf, „dass Hessen Forst zumindest nicht ausreichend auf die sich seit ungefähr zweieinhalb Jahren ankündigende Kalamität reagiert hat“. Das Ausmaß der Fällungen müsse auch politisch aufgearbeitet werden. „Wir wollen nicht von Untätigkeit des landeseigenen Betriebs sprechen, aber es drängt sich der Eindruck auf, man habe hilflos zugeschaut, wie mehr und mehr Wald dem Käfer zum Opfer gefallen ist“, heißt es von der BI. 

Die Biologin Dr. Stefani Klos weist darauf hin, dass nach Kenntnis der BI keinerlei Fangsysteme installiert worden seien, um vermeintlich zukünftige Opfergebiete zu schützen. Sie führt das Anlock-System Trinet an und verweist darauf, dass Polter, in denen noch Aktivitäten von Borkenkäfer festzustellen gewesen seien, nicht sofort abgefahren worden seien. Auch für Pflanzenschutzmittel habe es gute Argumente gegeben.

„Zusätzlich“, so Michael Erbe von der BI, „hat man rücksichtslos den Wald mit den schweren Erntemaschinen durchpflügt. Wie auf dem verdichteten Boden wieder Bäume wachsen sollen, ist mir nicht ganz klar“. Sein BI-Mitstreiter Michael Zimmermann beklagt, dass trotz des verheerenden Einschlags von Nadelhölzern nach wie vor auch Laubbäume eingeschlagen würden: „Nachhaltigkeit sieht anders aus.“

Insgesamt verlangt die BI eine Offenlegung der von Hessen Forst zur Vermeidung einer Ausbreitung der Borkenkäfer-Plage in Anspruch genommenen Maßnahmen, die forstwirtschaftlich bundesweit empfohlen werden. „Sollte sich herausstellen, dass man hier zu schleppend der Kalamität begegnet ist, dann muss die Stadtpolitik laut überlegen, ob sie auch weiterhin mit Hessen Forst zusammenarbeiten will. Der finanzielle und auch naturschutzfachliche Schaden ist zu groß als dass wir an dieser Stelle zur Tagesordnung zurückkehren. Jeder kann sich über mögliche Maßnahmen informieren“, so BI-Sprecher Markus Ruppel. In verschiedenen Gesprächen auch mit Sach- und Fachkundigen habe man Informationen über Bekämpfungsstrategien einsehen können. 

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