Brühlsche Universitätsdruckerei in Gießen stellt Insolvenzantrag

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Brühlsche Universitätsdruckerei in Gießen stellt Insolvenzantrag

GIESSEN (ga). Die Brühlsche Universitätsdruckerei GmbH & Co KG in Wieseck hat am Montag einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen sei noch zahlungsfähig, aber überschuldet, teilte der Geschäftsführer des Traditionsunternehmens, Dr. Wolfgang Maaß, mit. 

Habe das erste Quartal 2020 noch den Erwartungen entsprochen, sei es durch die Corona-Pandemie ab Mitte März zu zweistelligen Umsatzeinbrüchen und entsprechend hohen Verlusten gekommen. Die nach dem Verkauf des 1750 gegründeten Gießener Anzeigers an die Mediengruppe VRM in Mainz selbstständige Druckerei stellte schwerpunktmäßig Reise- und Messekataloge her. Nahezu sämtliche Aufträge in den Bereichen Tourismus, Messen und Veranstaltungen seien in den folgenden Wochen ersatzlos gestrichen worden. „Dieser Markt ist derzeit völlig tot“, so Maaß. Zudem seien viele werbefinanzierte Produkte verschoben oder in Umfang und Auflagenhöhe gekürzt worden. Dieser unvorhersehbare Einbruch habe den ohnehin „unaufhaltsamen Strukturwandel“ vom bedruckten Papier zu Online- und Mobil-Medien und den durch diesen und die so entstandenen Überkapazitäten verursachten fortwährenden Preisverfall beschleunigt. 

Mit großartiger Solidarität habe der ganz überwiegende Teil der derzeit noch rund 80 Mitarbeiter und Aushilfen über Jahre hinweg massive Eingriffe hinsichtlich Arbeitszeit und Vergütungen mitgetragen. Nun habe man jedoch eine Schmerzgrenze erreicht, sodass weitere Einschnitte nicht mehr zumutbar seien. 

Maaß erklärte, die Brühische Universitätsdruckerei habe keine Bankschulden und bislang auch ihre laufenden Verpflichtungen termingerecht erfüllt. Deshalb bestehe eine reelle Chance für eine Fortführung des Betriebs. Ein Insolvenzverwalter könne nämlich ganz andere Umstrukturierungen vornehmen wie ein Geschäftsführer. 

Maaß betonte, dass er sich mit seinen Mitarbeitern und Mitgesellschaftern lange gegen die negative Entwicklung gestemmt und für den Erhalt der Arbeitsplätze eingesetzt habe. Wichtig sei ihm auch, dass das Unternehmen mit der Ausnahme von Kurzarbeitergeld keinerlei staatliche Hilfsmaßnahmen in Anspruch genommen habe. 

Maaß bedauerte, dass er diese bittere Entscheidung aufgrund der Corona-Regeln nicht einmal der Belegschaft in einer Betriebsversammlung habe mitteilen können. 

Der langjährige Präsident der IHK Gießen-Friedberg fürchtet eine Welle an Insolvenzen gerade bei Industriebetrieben, nachdem die im März 2020 von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für die Geschäftsleiter von Unternehmen zum 31. Dezember ausgelaufen ist. Diese Aussetzung sollte Unternehmen schützen, die infolge der Covid-19-Pandemie insolvent geworden sind und dennoch Aussicht darauf haben, sich durch staatliche Hilfsangebote oder auf andere Weise zu sanieren. 

Könne der Staat noch einzelnen Menschen wie Kleinunternehmern oder Künstlern Verlustausfälle von mehr als 30 Prozent ausgleichen, übersteige das bei Industriebetrieben die finanziellen Möglichkeiten selbst einer so reichen Nation wie Deutschland. 

Die Brühlsche Universitätsdruckerei ist eine vollstufige Rollen- und Bogenoffsetdruckerei mit industrieller Weiterverarbeitung, die vor allem Zeitschriften, Kataloge und Adressbücher sowie Werbedrucksachen herstellt. Bis 2003 war sie auch das Stammhaus des Gießener Anzeigers, der heute Teil der VRM ist.

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