Butzbach packt Integration mit Gemeinwesenarbeit an

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18. Januar 2018
Foto-Streifzug ins alte Butzbach
18. Januar 2018

Butzbach packt Integration mit Gemeinwesenarbeit an

335 Flüchtlinge in Butzbach / Zusammenleben aller fördern

BUTZBACH (thg). Sinkende Flüchtlingszahlen gab Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Montag bekannt. In Butzbach stagniert die Zahl der Asylsuchenden seit einiger Zeit und liegt aktuell bei 335, wie Bürgermeister Michael Merle und die zuständige Fachgebietsleiterin Anette Krämer gestern auf Anfrage sagten.

Einige Auszüge aus den Unterkünften seien zu verzeichnen, wenige kämen neu. Die Zuweisungsquote von 16 Schutzsuchenden ist schon fast erfüllt, elf Menschen sind in städtische Behausungen eingezogen. Die vom Kreis geführte Unterkunft am Oberwerk, für das die Stadt die Betreuung übernommen hat, ist nahezu voll. Hauptsächlich kommen die Asylsuchenden aus Eritrea, Syrien, Afghanistan und Pakistan. Balkanländer sind inzwischen nicht mehr vertreten.

In den Flüchtlingswohnungen leben auch weiter noch Menschen, die bereits ausziehen könnten, weil sie als Asylbewerber anerkannt sind, aber sie finden keine Wohnung. Krämer berichtete von einem jungen Mann, der eine Arbeit hat und eine Unterkunft sucht. Trotz ihrer Vermittlung bislang ohne Erfolg.

„Das Thema Flucht und Vertreibung wird uns noch auf Jahre beschäftigen“, ist sich der Bürgermeister sicher. Es handele sich meist um langwierige Asylverfahren. Die Menschen blieben somit ohnehin länger in der Stadt. „Sie haben nur ein Leben“, so Merle, die Stadt wolle dafür flankierende Maßnahmen ergreifen, sich um die Menschen kümmern und das Zusammenleben „gedeihlich gestalten“.

Probleme oder Konflikte gibt es laut Krämer und Merle nur in geringem Maß. Meist ist das Thema das Einhalten der Hausordnung oder der Umgang mit der Müllentsorgung. Beispielsweise gebe es rund um das ehemalige Arbeitsamt in der August-Storch-Straße als Flüchtlingsunterkunft keine Beschwerden. Die Sozialarbeiter der Stadt vermittelten den neu Angekommenen die Regeln um das Wohnen und das Alltagsleben. „Das kostet Zeit.“

Als Mittel der Integration setzt die Stadt künftig auf eine Ausweitung der Gemeinwesenarbeit über das Degerfeld hinaus. Die dort vorgehaltene Stelle ist zu 70 Prozent vom Land gefördert, weil es sich um den Bereich soziale Stadt handelt. Eine Sozialarbeiterstelle bei der Stadt soll nun wieder besetzt werden, um für die übrige Stadt eine Gemeinwesenarbeit zu starten. Die angestrebte Integration und Partizipation richte sich nicht nur an Flüchtlinge, sondern sei für alle Bevölkerungsgruppen gedacht mit Bildungsangeboten von der Kinderförderung bis hin zur Seniorenarbeit. Unter anderem bedürfe es dazu der Partner. Merle nannte als Beispiel das Innenstadtcafé für Senioren in den Räumen des ASB in Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat. „Der Bedarf ist da, miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Auch mit dem Thema Jugend beschäftigt sich die Sozialarbeit der Stadt. Nachdem vor einigen Jahren die städtische Jugendarbeit in die Schulsozialarbeit überführt wurde, werde überlegt, wieder Angebote in städtischen Räumen zu schaffen. Diese müssten den Geschmack und den Bedarf der Generation treffen. Über das Programm „Demokratie leben“ stünden finanzielle Mittel etwa für Vereinsarbeit zur Verfügung, auch das Jugendforum kann über die Verwendung von Geldern aus dem Bundesprogramm bestimmen.

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