Butzbach will weiter „Demokratie leben“

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Butzbach will weiter „Demokratie leben“

BUTZBACH. Das Foto zeigt (v.l.) Sebastian Fuchs von „Demokratie leben“, Bürgermeister Michael Merle und Stadtteilbeiratsvorsitzenden im Degerfeld Michael Schröter. 

BILANZ – Vertreter des zuständigen Bundesamts zu Gast / Bewerbung um Gelder für weitere fünf Jahre

BUTZBACH (pd). Lobende Worte fand der Programmberater Sebastian Fuchs vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beim Besuch im Butzbacher Rathaus für das lokale Engagement bei der Umsetzung des Bundesprogramms „Demokratie leben“. Ohne die tatkräftige Arbeit der zivilgesellschaftlichen Aktiven in den einzelnen „Partnerschaften für Demokratie“ wären die Ziele des Bundesprogramms – der Abbau von Demokratie- und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – nicht umsetzbar.

Bürgermeister Michael Merle zog eine sehr positive Bilanz der vergangenen fünf Jahre für das partizipative Vorgehen, das das Zusammenleben in Butzbach stärken hilft. Es seien Wertungen und Haltungen weiterentwickelt und neue Initiativen erarbeitet worden, die sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zur Wehr setzen. „Dabei spielen die Butzbacher Vereine als Hauptakteure im Programm eine tragende Rolle. Zu Beginn der Maßnahme 2015“, so der Bürgermeister, „war an eine derartige Offensive, wie sie mit dem Programm entwickelt wurde, nicht zu denken. Auch die Haushaltslage ließ dies nicht zu.“ Viele Aufgabenfelder hätten kaum oder nur eingeschränkt bearbeitet werden können. Seit 2015 sind mittlerweile mehr als 200 Anträge bewilligt und umgesetzt worden, ergänzte Aaron Löwenbein von der externen Koordinierungsstelle im Bundesprogramm.

Eine glückliche Möglichkeit nannte es der Stadtteilbeiratsvorsitzende im Degerfeld Michael Schröter, dass es Interventionsmöglichkeiten durch diese zusätzlichen Mittel gibt. Ausstellungen zur Auschwitz-Fahrt oder Projekte mit Jugendlichen, die ihren Stadtteil erkunden und Personen zu Problemstellungen interviewen, finden ebenso statt wie Vorträge und Gesprächsveranstaltungen, die in Feste eingebunden werden. Ebenso gehörten die Stolpersteinverlegungen dazu, aber auch die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht und anderes mehr. „Dinge benennen, aber über Problemstellungen reden, schafft eine soziale Wirklichkeit und befördert die Akzeptanz des Programms ‚Demokratie leben!’ in besonderer Weise in Butzbach“, zeigte Schröter auf.

Besonders positiv fügte Löwenbein an, entwickeln sich Aktivitäten mit Jugendlichen, die im Rahmen des Bundesprogramms gezielt gefördert werden sollen. In Kooperation mit dem Vereinsring hätten sich Vereinsscouts etabliert, die Interessierten helfen, Ideen zu entwickeln und sie in Antragsform zu bringen. Peerguides unterstützen die Aktivitäten im Museum, so zum Beispiel in den beiden Anne-Frank-Ausstellungen und in der aktuellen Ausstellung zu Marilyn Monroe. 

Fuchs würdigte die Entwicklung des Jugendforums, die von den Jugendlichen entwickelte Kommunikation per App sollte erweitert werden. Sehr zufrieden zeigt sich der Programmberater mit der Öffentlichkeitsarbeit auf der einschlägigen Webseite butzbach.lebt-demokratie.de und dem vorhandenen Pressespiegel.

Merle wies darauf hin, dass der Einsatz bei der Findung guter Projekte mit Arbeit verbunden sei und keinen Selbstläufer darstelle und die Unterstützung des Gesamtprogramms durch den Begleitausschuss, der überparteilich besetzt ist, für die Umsetzung der Programminhalte sehr förderlich sei. Obwohl der bürokratische Aufwand einige Ressourcen in Anspruch nehme, wünscht sich Merle die Unterstützung der Regiestelle bei der Antragstellung für die nächsten fünf Jahre. Die Stadt Butzbach wird ihre Bewerbung für die Umsetzung des Bundesprogramms für weitere fünf Jahre abgeben. Wie in den vergangenen Jahren wird die benötigte Kofinanzierung vermutlich auch für die nächsten fünf Jahre vom Landesministerium übernommen, hofft Löwenbein. 

Fuchs ermutigte die Akteure der Butzbacher „Partnerschaft für Demokratie“, den entsprechenden Antrag zu stellen, um so, auch in Anbetracht der aktuellen gesamtgesellschaftlichen Problemlagen, weiterhin lokale Projekte zur Extremismusprävention und Demokratieförderung in den kommenden Jahren umsetzen zu können.   

Nach Abschluss des Treffens besuchte Fuchs die Ausstellung des Fördervereins der IGS Schrenzerschule  zum Thema „Erster und Zweiter Weltkrieg“ im Foyer des Rathauses. Er war von dem Aufbau der Ausstellung, den die Schüler geleistet haben, und den vermittelten Inhalten sehr beeindruckt, zumal sehr viele Punkte des Programms in der Ausstellung behandelt werden. Das Motto „Gewalt löst keine Probleme“ steht für die in Butzbach gelebte Form der Demokratiebildung.

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