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Butzbacher Ärzte heilen in Indonesien

BUTZBACH. Dr. Libertus und Dr. Ehnert freuten sich über die dank der Vortragsgäste großzügig gefüllte Spendenbox.

Mediziner Dr. Lutz Ehnert und Dr. Herman Libertus engagieren sich ehrenamtlich auf Krankenhausschiff

BUTZBACH (win). Indonesien ist mit 17 600 Inseln der weltgrößte Inselstaat sowie mit über 264 Millionen Einwohnern der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt. In Jakarta gibt es ausreichend Ärzte. Anders sieht es auf dem Land aus. Denn nicht jede Insel verfügt über ein Krankenhaus oder ärztliche Versorgung. Dank der Hilfsorganisation „Doctorshare“ ist es möglich, auch dort Menschen medizinisch zu betreuen. Die Stiftung besteht zurzeit aus 700 Mitgliedern, die in ihrer Freizeit kostenlos ihre Arbeitskraft als Ärzte, Schwestern und Helfer anbieten. Eine Kooperation mit der Uni Frankfurt ermöglicht es Studenten, dort vierwöchige Praktika zu absolvieren. 

Auch die beiden Butzbacher Ärzte, Dr. Herman Libertus und Dr. Lutz Ehnert leisteten im Auftrag von „Doctorshare“ während eines zweiwöchigen Aufenthaltes im vergangenen Oktober ehrenamtlich medizinische Hilfe für Menschen auf den abgelegensten Inseln Indonesiens. Menschen, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben oder zu arm sind, sich diese leisten können. Im Rahmen einer Bildpräsentation berichteten die beiden Mediziner im katholischen Gemeindehaus St. Gottfried am Freitag von ihrer Reise nach Fernost. 

BUTZBACH. Das Foto zeigt Dr. Lutz Ehnert mit seiner Frau Bärbel und Sohn Lukas sowie Yuk und Dr. Herman Libertus. Text + Fotos: win

Schwimmendes Krankenhaus 

Nach der langen Flugreise traten Libertus und Ehnert eine zwölfstündige Überfahrt zur Insel Buton an, wo das Hospitalschiff „RSA Dr. Lie Dharmawan“ vor Anker lag. Der Herzchirurg Dharmawan gründete vor zehn Jahren die Stiftung „Doctorshare“ und hat damit ein bedeutendes und beispielloses humanitäres Projekt auf den Weg gebracht. Die Verbindung nach Deutschland kommt nicht von ungefähr, denn Dharmawan ist der ältere Bruder von Libertus. 

Nach ihrer Ankunft auf dem Schiff wirkten Ehnert und Libertus alsbald an den ersten Operationen mit und sammelten Erfahrungen und Eindrücke an diesem ungewöhnlichen Ort. Vor jeder OP wird ein Gebet gesprochen. 

Den Verlauf einer OP konnten die Zuschauer in einem kurzen Video sehen, das Dr. Ehnert zeigte. Zu sehen war, wie ein Patient mit Leistenbruch versorgt und ein Ganglion am Knie entfernt wurde. Die Verwendung resorbierbarer Fäden mache eine Nachversorgung nach der OP entbehrlich, erläuterte Ehnert. Die Patienten können in der Regel nach relativ kurzer Zeit wieder nach Hause zurückkehren. 

Von Buton aus ging die Reise weiter zur Insel Baubau, dann nach Manado und zu den Kei-Inseln. Die Route des Schiffs wird den Inselbewohnern sechs Monate vorher angekündigt, damit sie sich auf den Besuch einstellen können. An einem Tag seien rund 400 Patienten zur „Sprechstunde“ gekommen, berichtete Ehnert. In dieser „Sprechstunde“ führten etwa 15 Ärzte ganzheitliche Untersuchungen durch. Nebenbei wurden Brillen und Medikamente verteilt. Aber auch ein Hausbesuch stand auf dem Plan. Am darauffolgenden sehr langen Tag habe das Team von „Doctorshare“ von morgens um acht bis nachts um ein Uhr in den beiden OP-Räumen 40 Operationen absolviert, erinnerte sich Ehnert.

Dharmawan, von seinen Kollegen ehrfürchtig „Papi“ genannt, ist 73 Jahre alt und arbeitet immer noch. Im Jahr 2012 kaufte er das Schiff und ließ es zu einem schwimmenden Krankenhaus umbauen. Es war das erste Schiff dieser Art. Die geringe Größe dieses schwimmenden Krankenhauses mit den 45 Betten ermöglicht es, die kleinen Inseln in ganz Indonesien zu erreichen. Das Hospitalschiff hat zwei OP-Räume und ist mit Röntgengerät, Labor sowie sonstigen notwendigen medizinischen Geräten ausgestattet. Im Jahr 2015 kam ein Pontonschiff, die „Nusa Waluya I“ dazu. Die „Nusa Waluya II“ komplettiert als drittes schwimmendes Hospital die Flotte.

Im größten muslimischen Staat leben etwa vier Prozent Christen, davon zwei Prozent Katholiken. Über 160 der 264 Millionen Einwohner leben dort auf den Hauptinseln des Landes, zu denen Sumatra, Java, Borneo (indonesisch Kalimantan), Sulawesi und Neuguinea zählen. Der Rest verteilt sich auf die anderen Inseln. Ehnert und Libertus sind von dem Projekt so sehr überzeugt, dass sie nun als eine Abteilung der Stiftung – die bisher einzige – in Deutschland – das Netzwerk erweitert haben.

„1500 Euro Spendengelder sind für Doctorshare im Rahmen des Vortrags gesammelt worden“, freuten sich Ehnert und Libertus sehr über die Großzügigkeit der rund 110 Gäste. Ihr Dank ging auch an Pfarrer Roßbach, der die Räume für den Vortragsabend kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. 

Der Vortrag ist nochmals am 17. Juni um 15.00 Uhr im evangelischen Frauenkreis der Markusgemeinde Butzbach im Gemeindehaus in der Schillerstraße zu hören. Wer die Arbeit finanziell unterstützen möchte, kann an Doctorshare (Yayasan Dokter Peduli) auf das Konto-Nr. 198.550.7777 bei der Bank BCA Branch Daan Mogot Jakarta spenden. Weitere Informationen zur Stiftung gibt es auf www.doctorshare.org/.

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