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Butzbacher Allroundkünstler gewürdigt

BUTZBACH. In der Sonderausstellung mit Werken des Butzbacher Allroundkünstlers Heiner Bindhardt ist auch dieser „heimatliche Feldweg“ zu sehen. Foto: dt

Im Museum wurde eine Retrospektive der Werke von Heiner Bindhardt eröffnet

BUTZBACH (dt). Vielfältige Techniken waren eines der „Markenzeichen“ des Butzbacher Kunstmalers und Graphikers Heinz Friedrich Reinhard Bindhardt (1910-1962) – eher bekannt als „Heiner“ Bindhardt. Eine eigene Ausstellung, eine Retrospektive seiner Werke, wurde am Freitag mit einer Vernissage im Butzbacher Museum eröffnet. Dazu war eine große Anzahl von Besuchern – unter ihnen auch Bürgermeister Michael Merle – in die Industriehalle des Museums gekommen, wo Museumsleiter Dr. Dieter Wolf den in Wiesbaden geborenen Künstler, der die letzten 17 Jahre seines Lebens, von 1945 bis 1962 mit seiner Familie in Butzbach gelebt hatte, vor der Eröffnung der Ausstellung in einem Vortrag würdigte.

Erstmals werde damit das „in verschiedensten Schattierungen faszinierende Werk dieses Butzbacher Künstlers in seiner ganzen Schaffensbreite“ interessierten Kreisen und der Öffentlichkeit präsentiert. So Dr. Wolf, der Ingrid und Künstlersohn Dr. Christoph Bindhardt herzlich dankte für die tatkräftige Unterstützung bei der Vorbereitung dieses neuen Kunstprojekts im Museum, an der auch die stellvertretende Museumsleiterin Antje Sauerbier mitgewirkt hatte. 

Die jetzige Sonderausstellung – so Dr. Wolf – unterstreiche die Vielseitigkeit von Heiner Bindhardt. In seinem künstlerischen Nachlass fänden sich neben Porträts etliche abstrakte und ornamentale Kompositionen, orientalisch anmutende Architekturen, heimatliche und südliche Landschaften, naiv anmutende Ortsansichten, Blumenstücke und Stilleben. Dazu kämen einzelne Arbeiten, in denen Bindhardt die alte, traditionelle Zeichenkunst mit Elementen moderner Graphik und Malerei verbunden habe. Dabei habe er vielfältige Techniken angewandt. Es seien darunter mit Feder und Bleistift skizzierte, meist leicht aquarellierte Bilder, reine Aquarelle und Öl, Miniaturen in Tempera, Elemente der Kalligraphie, handverzierte Bücher und Schmuckblätter für besondere festliche Anlässe.  

In Zusammenarbeit mit der bekannten Butzbacher Künstlerin und Offenbacher Kalligraphie-Meisterin Margret Kranz (1888-1973) sei das große „Ehrenbuch“ zum Gedächtnis der Kriegsgefallenen und Vermissten Butzbachs für die Markuskirche geschaffen worden. Daneben hatte Bindhardt auch ein Faible für textile Gestaltung in Form von Knüpfarbeiten und Stickereien, darunter der auch in der aktuellen Ausstellung zu bewundernde große Wandteppich von 1958. Etwas Besonderes seien die in der Familie aufbewahrten Zeichenblätter für seine beiden Söhne Christoph und Sebastian, die ebenfalls in der Butzbacher Ausstellung zu sehen sind. Große Unterstützung an seiner Seite habe Heiner Bindhardt von seiner ebenfalls künstlerisch tätigen Frau Leni geb. Meyer erfahren.  

Dr. Wolf ging in seinen Ausführungen auch auf das wechselhafte Leben und den Werdegang Heiner Bindhardts ein, der 1910 als Sohn des Architekten und Eisenbahnbeamten Albert Bindhardt in Wiesbaden geboren wurde. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Familie von der französischen Militärverwaltung aus der Stadt verwiesen. Sie fand zwischenzeitlich Unterschlupf in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Gießen, bevor sie wieder nach Wiesbaden zurückkehren durfte. Die beiden Söhne lebten in dieser Zeit im Internat in Hochwaldhausen im Vogelsberg. Im Jahr 1929 besuchte Heiner die Kunstgewerbeschule in Wiesbaden und dann in Berlin. 

Wieder zurück in Wiesbaden lernte er die Modeschneiderin und -designerin Helene („Leni“) Meyer kennen und heiratete sie 1931. In den Jahren 1930/31 hielt er sich beruflich als Gebrauchsgraphiker und Maler in Ägypten – in Alexandria und Kairo – auf. Ab 1935 lebte das Paar in Berlin, wo Heiner als Gebrauchsgraphiker bei Wertheim arbeitete. Ehefrau Lenis Eltern, die einen Bauernhof in Butzbach in der Wetzlarer Straße 31 (heute Gelände Hallenbad) besaßen, errichteten hier ein „Familiendomizil“. Heiner Bindhardt wurde 1939 Soldat, kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft und lebte nach seiner Entlassung 1945 die letzten 17 Jahre seines Lebens in Butzbach. Die Retrospektive zu seinem Werk ist im Museum bis einschließlich 7.Oktober zu sehen.

BUTZBACH. In der Retrospektive zum Werk Heiner Bindhardts, die am Freitag im Butzbacher Museum eröffnet wurde, wird auch dieser Wandteppich von 1958 gezeigt. Text + Fotos: dt

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