Butzbacher Besonderheiten Teil VI: Die hl. Katharina war in Butzbach jahrhundertelang beliebte Patronin

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Butzbacher Besonderheiten Teil VI: Die hl. Katharina war in Butzbach jahrhundertelang beliebte Patronin

BUTZBACH. Die HI. Katharina mit ihren Attributen: Marterrad und Enthauptungsschwert. Fotos: Bidmon

BUTZBACH. Im rechten Seitenschiff der katholischen Pfarrkirche St. Gottfried steht ein spätgotischer Flügelaltar, der ca. 1520 für die Markuskirche geschaffen worden war. Das Zentrum des Altars bildet ein Schrein mit drei weiblichen Heiligenstatuen: in der Mitte Maria als Himmelskönigin auf der Mondsichel, begleitet links von der Hl. Margarethe und rechts von der Hl. Barbara. Die drei Statuen stehen auf kleinen Sockeln, deren Vorderseiten jeweils mit Bildern geschmückt sind. Das linke Bild zeigt eine Szene aus dem Leben des Hl. Nikolaus, des wohltätigen Bischofs von Myra in Kleinasien. Das rechte Bild zeigt die Hl. Katharina von Alexandria, deren Leichnam nach Folter und Martyrium von fünf Engeln am Berg Sinai in einen Sarkophag gelegt werden soll. 

Von dieser Heiligen wird folgende Legende erzählt: Die schöne und sehr gelehrte Katharina lebte um 310 in Alexandria, als der römische Kaiser Maxentius die berühmteste Universitätsstadt der Antike besucht und von allen Bewohnern Opfer vor den Götterbildern verlangt. Katharina verweigert als Christin immer wieder das heidnische Opfer. Daraufhin befiehlt der Kaiser, sie mit Ruten zu schlagen und von vier Eisenrädern mit spitzen Nägeln zerreißen zu lassen. Ein Engel aber zerbricht das Räderwerk, und der erzürnte Kaiser lässt Katharina enthaupten. Aus dem Rumpf aber fließt nicht Blut, sondern Milch. Engel heben den Leichnam auf und tragen den wundersam unversehrten Leib zum Berg Sinai, wo später über dem Grab der Märtyrerin das berühmte Katharinenkloster gegründet wird. 

Zahllose Darstellungen der beliebten Heiligen zeigen Katharina mit dem zerbrochenen Marterrad und einem Schwert: Diese Attribute ver-anschaulichen die überstandene Folter und das blutige Martyrium. 

Ganz anders ist sie in Butzbach dargestellt: Fünf weiß gekleidete Engel wollen die sanft Schlafende, die mit dem roten Märtyrergewand und der Märtyrerkrone ausgestattet ist, zur letzten Ruhe betten, eine sehr friedvolle Szene. Bei näherer Betrachtung aber fällt eine Besonderheit auf: Auf allen Bildern des Marienaltares sind die Gesichter von der Seite gemalt; nur der dickbackige Engel in der linken Bildhälfte schaut dem Betrachter ganz keck ins Gesicht. Ob sich (in typisch mittelalterlicher Manier) der Künstler hiermit „ins rechte Licht gesetzt“ hat, sich mit einem Selbstportrait auf dem Altar verewigen wollte? 

Als Schutzpatronin der Tuchhändler, Gerber und Schuhmacher wurde die Hl. Katharina im geschäftigen Butzbach hoch verehrt: Davon zeugen noch heute das Altarfresko in der Michaeliskapelle und der ursprünglich um ihren Gedenktag (25. November) herum angesiedelte Katharinenmarkt, der im Jahre 2020 zum 700. Mal (hoffentlich!) abgehalten werden soll. Die Butzbacher Kugelherren, die um 1514 den Flügelaltar in Auftrag gegeben hatten, haben bei der Festlegung des Bildprogrammes für das kleine Sockelbild und der wohl darüber stehenden Heiligenskulptur ganz bewusst die HI. Katharina gewählt, da sie für Butzbachs Gewerbe und Wohlstand Jahrhunderte lang beliebte Patronin war. Günter Bidmon

BUTZBACH. Sockelbild: Engel legen die HI. Katharina in den Sarkophag.

 

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