Butzbacher Bürger vergnügten sich auf dem Eisteich im Degerfeld

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Butzbacher Bürger vergnügten sich auf dem Eisteich im Degerfeld

BUTZBACH (bi). Kürzlich war in der BZ ein Foto der ehemaligen Eisbahn im Schrenzerstadion zu sehen: die Eisbahn wird heute nicht mehr genutzt. Vor 90 Jahren (und noch früher) gab es im Butzbacher Degerfeld einen „Eisteich“, der den Butzbacher Bürgern zu einem Wintervergnügen verhalf.

 Jahrhunderte lang war der „Kleinbach“ (die „Klaa Bach“) aus dem Butzbacher Wald heraus entlang des alten „Ebersgönser Weges“ (heute: “John-F.-Kennedy-Straße“) durch die „Motzwiese“ zum  westlichen Straßengraben der „Wetzlarer Straße“ (heute: „Knoten A“ der B 3) geflossen. Dieses Wasser, das dann entlang der „Wetzlarer Straße“ direkt zur Stadt geleitet wurde,  war für die Stadt Butzbach sehr wichtig: Es füllte den „Viehmarktteich“ (zum Feuerlöschen) und den Stadtgraben; war aber vor allem für die Butzbacher Gerbereien lebensnotwendig.

 Etwa in der Mitte der heutigen „John-F.-Kennedy-Straße“, dort wo einst der alte „Seedammweg“ den „Ebersgönser Weg“ kreuzte, unterhielt die Stadt schon im Mittelalter einen Fischteich. Dieser Fischteich, „der alte See“, der von dem „Kleinbach“ durchflossen wurde, wird schon 1564 erwähnt, ist heute aber völlig verschwunden.

Erika Gillmann schreibt 1995 in ihrem Bildband „Butzbach unsere Heimatstadt“ über die Nutzung des Fischteiches: „In den Ratsbüchern werden Einnahmen  und Ausgaben für eingesetzte und verkaufte Fische notiert“. Im 19. Jahrhundert wurde die Fischzucht aufgegeben und der Fischteich abgelassen; und Ende des Jahrhunderts überließ die Stadt die Flur im Degerfeld  dem „Butzbacher Eisverein“, der im Winter dort eine Eisbahn unterhielt. Diese „Winterfreuden der Butzbacher auf dem Eisteich am Ebersgönser Weg“ illustriert Erika Gillmann mit Fotos.

 Abends ging das Eisvergnügen weiter, wie Frau Gillmann berichtet: „Beim Schein der Bogenlampe amüsierten sich die Erwachsenen abends auf dem Eis.“

Man beachte: Wo seit 1955 die Wohnblocks der amerikanischen Familien stehen, umstanden damals Obstbäume den Eisteich. Im Hintergrund der Pohl-Gönser Wald.

Köstlich ist die Erzählung die uns Reinhard („Stift“) Samesreuther (+ 1985) in seinem Buch  „Pimpfe, Pauker, Polizisten und andere Persönlichkeiten. Heitere Bilder und Geschichten aus einer kleinen Stadt.“ 1980 hinterlassen hat. Im Kapitel „Die Eisbahn“ erzählt er:

„Mitte der zwanziger Jahre wurde im Degerfeld, direkt an der Ebersgönser Straße, „die Klaa Bach“ gestaut und eine wunderschöne Eisbahn geschaffen. In einer Baracke gab es heißen Tee und Frankfurter Würstchen zu kaufen. An einem Kanonenofen konnte man sich herrlich wärmen, wenn die Glieder steif vor Kälte waren. 

Die Schlittschuhe damals wurden mit einem Vierkantschlüssel an die Schuhsohle geschraubt. Oft waren es Familienerbstücke, die von einer Generation zur anderen, von den älteren an die jüngeren Geschwister vererbt wurden.  Die Großen hatten manchmal Schlittschuhe mit einem Bogen vorn an der Kufe, zum Laufen von kunstvollen Kurven und Eiswalzerfiguren. Wir Kleinen begnügten uns mit einfacheren Übungen. Beliebt war das Schwungrad oder die Kette, wobei wir uns an den Händen hielten. Die Mittleren blieben stehen und die Äußeren wirbelten in einem Höllentempo herum, bis sie sich nicht mehr halten konnten und weit weggeschleudert wurden. Auf dem Heimweg fegte der eiskalte Wind über die Felder, wir waren durchgefroren und froh, wenn wir an der Gefängnismauer waren, in deren Schutz wir das Städtchen erreichten.“

 

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