Butzbacher „Ekelsülze“ Thema in Berlin

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Butzbacher „Ekelsülze“ Thema in Berlin

BUTZBACH. Der siebte Sammelband der Butzbacher Geschichtsblätter ist erschienen. Fotos: hl

Sammelband sieben der Geschichtsblätter erschienen / 64 Beiträge von Historikern und Heimatforschern

BUTZBACH (hl.) Sammelband sieben der Butzbacher Geschichts-Blätter ist erschienen. Dem roten Einband entsprechen die diesmal besonders vielen bunten Bilder zu Butzbach und seinen Stadtteilen. Gleich das erste Bild zeigt die Stadtrechtsurkunde vom 10. August 1321, um darauf einzustimmen, dass Butzbach im nächsten Jahr „700 Jahre Stadtrecht“ feiern kann. 

Die Beiträge der zwölf Historiker und Heimatforscher bringen viel Neues ans Licht. Zum Beispiel hat der Marburger Professor Dr. Voss auf dem Flohmarkt in Marburg die Erinnerungen des Weidig-Schülers Gustav Hammann, Sohn des Butzbacher Pfarrers (und Weidigs Vorgesetztem) Philipp Hammann, gerettet. Der spätere Hartenroder Pfarrer Gustav Hammann beschreibt darin, welche Energie er aufwenden musste, um im Alter von fast 75 Jahren im Jahr 1889 endlich die Erlaubnis zu erhalten, die Zelle (Nr. 32) im Arresthaus in Darmstadt zu betreten, wo sein immer noch hoch  verehrter ehemaliger Lehrer Friedrich Ludwig Weidig im Jahre 1837 verblutete (S. 77 – 80).  

Ein anderer Artikel befasst sich mit der Suche der Darmstädter Behörden nach Weidigs angeblicher illegaler Druckerpresse in Butzbach, Guldengasse 12. Das zugehörige Spottgedicht-Flugblatt ist erstmals im Original abgebildet und wurde früher fälschlich Georg Büchner zugeschrieben (S. 109 – 110). 

Dagmar Storck befasst sich u. a. mit der ereignisreichen Lebensgeschichte von  Weidigs Nichte Natalie Liebknecht geborene Reh (S. 121 – 128). Weiterhin werden 12 bisher unbekannte Briefe des Weidig-Schülers und Liebig-Schwiegersohns Moriz Carrière veröffentlicht (S. 73 – 79). Wer wissen will, warum ein August Lauriolle kürzlich auf dem Butzbacher Friedhof einen Ehrengrabstein erhalten hat, wird umfassend fündig. Diesem Butzbacher Republikanhänger wurde am 2.12.1936 zusammen mit Thomas Mann die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt (S. 49 – 52). 

Gail Schunk bringt u. a. einen reich mit inzwischen verschwundenen Schwibbogenhäusern farbig bebilderten Beitrag über die Butzbacher Stadtmauer, was zur 700-Jahrfeier Butzbacher Stadtrecht im nächsten Jahr passt (S. 41 – 48). Günter Bidmon bringt einen fünfteiligen Beitrag über das Schloss Philippseck mit ganz neuen Erkenntnissen (S. 157 – 176). 

Werner Reusch  berichtet über die Ayers-Kaserne Kirch-Göns, alte Hausnamen in Ebersgöns und den Flugplatz Kirch-Göns (S. 89 – 100). Erika Gillmann hat u. a. in einem bunt bebilderten Artikel die (inzwischen abgerissenen) „Munihäuschen“ am Butzbacher Waldrand anhand des Aktenbestandes im Butzbacher Stadtarchiv beschrieben (S. 39 – 40). 

Bodo Heil schildert in einem seiner Beiträge die Untaten des Hamburger Gerbereibesitzers und geborenen Butzbachers Jakob Heil, der im Hungerjahr 1919 Gerbereiabfälle zu „Ekelsülze“ verarbeitete, was einen Volksaufstand verursachte, sodass in der Reichshauptstadt Berlin für Hamburg der „Staatsnotstand“ ausgerufen werden musste (S. 111 – 112). 

Es können hier nicht alle 64 Einzelartikel besprochen werden. Neben einer Beschreibung der Dörfer des Amtes Butzbach um das Jahr 1750 (S. 193 – 200) sind ausführlicher genannt: Bodenrod, Ebersgöns, Griedel, Kirch-Göns, Münster, Ostheim und Rockenberg. 

Der farbig illustrierte Band wurde in einer Auflage von nur 200 Exemplaren gedruckt und kann ab sofort in der Buchhandlung Bindernagel oder dem Butzbacher Museum zum Preis von 15 Euro erworben werden. ´

Der stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins Butzbach und Umgebung, Dr. Dieter Wolf, stellte das Buch vor, coronabedingt mit Abstand zu interessierten Teilnehmern.

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