Butzbacher gedenken auf dem Marktplatz der Opfer von Hanau

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Butzbacher gedenken auf dem Marktplatz der Opfer von Hanau

BUTZBACH. Ein Jahr nach dem Anschlag von Hanau gedachten in Butzbach rund 150 Menschen der Opfer.  Text + Foto: thg

150 Zuhörer bei Veranstaltung von Bündnis und Ausländerbeirat / Appelle gegen Rassismus

BUTZBACH (thg). „Dass die Saat von Rechtsextremismus und Antisemitismus aufgeht“, müsse verhindert werden. Das sagte Servet Yildirim, Vorsitzende des Butzbacher Ausländerbeirats und aktiv im Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz am Freitag auf dem Butzbacher Marktplatz. Anlass war das Gedenken der Opfer des Anschlags von Hanau am 19. Februar vor einem Jahr, bei dem neun Menschen mit Migrationshintergrund getötet wurden. 

Das Bündnis und der Ausländerbeirat schlossen sich damit der „Initiative 19. Februar“ aus Hanau an, im Internet zu finden unter www.19feb-hanau.org. Die Initiative ruft dazu auf, zu erinnern und zu mahnen, den rassistischen Normalzustand im Alltag in den Behörden, den Sicherheitsapparaten und überall zu beenden. Vor einem Jahr hatten auf dem Marktplatz in Butzbach fast 300 Menschen mit einer Mahnwache ihr Mitgefühl den Angehörigen der Opfer ausgedrückt. „Erinnern heißt verändern“ lautete die Überschrift der Kundgebung. Elena Lamby vom Sprecherrat des Bündnisses eröffnete das rund halbstündige Gedenken am Freitag. 

Mit einer Schweigeminute wurde der Opfer gedacht. Ihre Gesichter wurden auf einem großformatigen Plakat gezeigt und die Namen verlesen und von den rund 150 Teilnehmern der Veranstaltung nachgesprochen: Ferhat Unvar, Said Nesar Hasheim, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saracoglu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin. 

Zuvor hatten Redner in drei Wortbeiträgen an die Tat und die Toten erinnert. Yildirim wies zudem darauf hin, wie sehr die Hinterbliebenen unter den „Folgen der entsetzlichen Tat“ leiden. „Wir müssen Hetze und Gewalt stoppen“, forderte sie die Zuhörer auf. 

Ernesto Klengel, Unterstützer des Bündnisses, führte die Initiative der Hinterbliebenen an, die im Internet in einem Video den Menschen ein Gesicht gäben. Er forderte die Versammelten dazu auf, sich gegen rechten Terror, aber auch gegen Rassismus im Alltag zu wenden. „Gedenken heißt auch: Nie wieder!“, unterstrich er die Bedeutung der Erinnerung an die Taten. 

Die Butzbacher Künstlerin Dina Kunze sprach den Hinterbliebenen ihr tiefstes Beileid aus. Sie stehe auf der Bühne als Friedenskünstlerin. Mit ihren Arbeiten richte sie sich gegen das Vergessen, sie, die Angehörige zweier in einem KZ getöteten Menschen sei. „Worte vergehen, Kunst besteht“, sagte sie. Sie nimmt daher auch an dem Wettbewerb für ein Mahnmal für die Opfer des rassistischen Anschlags teil. Welcher Entwurf im Stadtzentrum von Hanau einmal stehen soll, sei aber noch nicht entschieden. 

Die Teilnehmer der Kundgebung hatten Gelegenheit, Kerzen zu entzünden, die von der Markusgemeinde zur Verfügung gestellt wurden. Am Ende der Veranstaltung stellten sie sie auf der kleinen Bühne am Rathaus an den Schildern mit den Namen der Opfer ab. 

Das Bündnis hatte an die Einhaltung der Abstandsregeln und das Tragen von medizinischen Masken erinnert. Die Polizei war anwesend. Verstöße wurden nicht festgestellt. 

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