„Butzbacher ist, wer Butzbacher sein will“

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„Butzbacher ist, wer Butzbacher sein will“

Berichte Gemeinwesenarbeit und „Soziale Stadt“ / Bilanz und Perspektiven im Sozialausschuss

Butzbach (dt). Der städtische Sozialausschuss hatte in seiner Sitzung am Montagabend im Gruppenraum des Bürgerhauses drei Schwerpunkte aus seinem Arbeitsbereich in den Fokus genommen. Dabei ging es in der „Gemeinwesenarbeit im Degerfeld“, im Projekt „Soziale Stadt“ und dem Ausbau der Kinderbetreuung (siehe gesonderten Bericht) um einen bilanzierenden Sachstand und gleichzeitig um die weiteren Perspektiven. Deutlich wurde, dass weiterer Handlungsbedarf in allen drei Arbeitsbereichen gegeben ist, wie Diplom-Pädagogin Carolin Wirtgen („Gemeinwesenarbeit“), Quartiermanager Aaron Löwenbein und Quartiermanagerin Senel Ayana („Soziale Stadt“) und Fachdienstleiterin Beate Lüders (Ausbau der Kinderbetreuung) nachdrücklich unterstrichen.

Wirtgen bezeichnete sich selbst als „Koordinierungsstelle“ für die Gemeinwesenarbeit im Degerfeld und gab den Ausschussmitgliedern einen Überblick über die bisherigen vielfältigen Initiativen in ihrer Arbeit. Darin enthalten sind Angebote mit Schwerpunkten für Kinder und Jugendliche (insbesondere in den Ferien), für Frauen und regelmäßig zweimal wöchentlich für Eltern. Es gebe wachsende Teilnehmerzahlen in einzelnen Aktionen wie zuletzt bei den Projekten „Internationale Küche“ in Gruppenarbeit, beim „Gesunden Frühstück“, im „Offenen Nähtreff“ am Freitagmorgen, vielfältigen Workshops, der Förderung von Sprachkompetenzen (bei lediglich arabisch sprechenden Bewohnern mit Dolmetscher), Mädchentreffs, Bewegungsangeboten in Parcours, Selbstverteidigungsangeboten für Mädchen, Sprachförderung altersdifferenziert für Kinder (drei bis 13 Jahre) oder kreativen Spieltreffs ab sechs Jahren. Bei einzelnen Projekten arbeite man auch mit einer Honorarkraft.

Auf Nachfrage bestätigte Wirtgen, dass die Angebote grundsätzlich allen Bewohnern des Degerfelds offen ständen. 50 Prozent der Degerfeld-Bewohner hätten einen Migrationshintergrund, wobei die Gruppe der älteren Jugendlichen und osteuropäischen Männer in der Gemeinwesenarbeit nur schwer erreichbar sei. Bürgermeister Merle wies auf die „Vernetzung“ aller Angebote mit Kindergarten und Schule hin, bezog sich in diesem Zusammenhang auf die legendäre Aussage des ehemaligen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn („Hesse ist, wer Hesse sein will“) und ergänzte: „Butzbacher ist, wer Butzbacher sein will.“

Löwenbein und Ayana verwiesen in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zum Projekt „Soziale Stadt“ auf die Zusammenarbeit mit dem – und die Unterstützung durch das – Bundesprogramm „Demokratie leben.“ Für sie als Organisatoren gehe es immer wieder von neuem darum, zu erfahren, wo die unmittelbaren Bedürfnisse der Menschen lägen. Vielfältige Befragungsaktionen und Interviews dienten diesem Zweck.

Löwenbein wies auf das zurückliegende internationale „Suppenfest“ mit 70 Teilnehmern hin (die BZ berichtete) und stellte die Planung eines „Alleenfestes“ im Frühjahr 2018 am Quartierszentrum in Aussicht. Bei vielen Aktionen sei oftmals ein recht hoher Verwaltungsaufwand zu bewältigen. Wichtig sei, betonte Löwenbein, dass die finanzielle Unterstützung aus dem Programm „Demokratie leben“ für weitere fünf Jahre genehmigt worden sei. Projekte seien unter anderem weiterhin die Wegeplanung, die Müllproblematik, die Gestaltung des  Wohnumfeldes allgemein, die Verkehrsplanung, die Umgestaltung der alten Mensa in ein Familienzentrum, der Bolzplatz (fertiggestellt) und das Basketballfeld (fast fertiggestellt).

„Einen bunten Strauß“ von Aktivitäten – so ein Ausschussmitglied – stellte Quartiermanagerin Ayana vor: Demenzcafé, Seniorencafé, Elterncafé, Sprachkurse der VHS, Sprechstunden für Flüchtlinge, türkischer Damentreff, muttersprachlicher Förderunterricht, vielfältige Workshops, Deutschkurse für russische Bürger, einen Schachklub, Vorlesestunden für Kinder, ein Stadtteilkino, ein Theater-Workshop und weitere unterschiedliche Treffs und Feste. Über allen stehe die Devise: „Wir müssen mit den Menschen ins Gespräch kommen.“ Ausschussmitglied und Degerfeld-Stadtteilbeirats-Vorsitzender Michael Schröter ergänzte Ayanas und Löwenbeins Ausführungen mit einer kurzen Darstellung der aktuellen Arbeit in seinem Bereich (die BZ berichtete). Bürgermeister Merle: „Wir müssen die Verkehrsproblematik im Degerfeld und – in Zusammenarbeit mit dem Wetteraukreis als Schulträger – rund um die Degerfeldschule konzentriert angehen.“

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