7 Corona-Neuinfektionen in Butzbach – Inzidenz bei 118,7
17. April 2021
CDU, SPD und FDP kooperieren
17. April 2021

Butzbacher Schreiner

BUTZBACH. Pyramidenklavier aus der Werkstatt von Georg Andreas Marguth, der seine Kenntnisse im Klavierbau während seiner Zeit im Exil in Amerika in der Werkstatt von Steinway vertiefen und erweitern konnte. Kirschbaum, furniert, Balusterbeine, ornamental verblendeter Pedalkasten, Tastatur aus Elfenbein, Mitte des 19. Jahrhundert. Das originale Instrument ist in der Weidig-Ausstellung des Butzbacher Museums zu sehen.

Längste Schreinertradition hat Familie Diehl

BUTZBACH. Als Zulieferer von hochwertigem Tuch und Leder trugen die Butzbacher Tuchmacher und Gerber seit dem späten Mittelalter zur Qualität der Erzeugnisse aus örtlichen Schreinereien bei. Nicht zuletzt erweiterte die Nähe zur Frankfurter Messe den Markt und bot gute Absatzmöglichkeiten für erstklassige Schreinerarbeiten.

Die Familie Diehl steht in Butzbach für die längste Schreinertradition: Vom 14. bis ins 20. Jahrhundert übten 18 Generationen dieses Handwerk hier aus.

Peter Marguth aus Graubünden begründete 1685 die fürstliche Hofschreinerei in Butzbach. Sogenannte Hofschreinereien entstanden – lanciert von Fürsten und Höfen – im 17. und 18. Jahrhundert und entwickelten sich oft zu Zentren außergewöhnlicher Kunstfertigkeit. Auch die Adligen und Hofbeamten der Butzbacher Residenz im 17. und 18. Jahrhundert verlangten – und zahlten für – hochwertige Stücke.

Peter Marguths Nachfahren führten die Werkstatt bis ins 20. Jahrhundert. Seit dem 18. und 19. Jahrhundert wurden hier neben Möbeln auch hochwertige Musikinstrumente hergestellt. Ein von Jakob Marguth um 1810 gebautes Spinett ist im Jerusalemhaus in Wetzlar erhalten. Das Museum Butzbach besitzt außer dem repräsentativen Tafelklavier ein in der Weidig-Ausstellung ausgestelltes Pyramidenklavier aus der Butzbacher Werkstatt. Beleg für die Qualität und weite Verbreitung Marguth’scher Erzeugnisse ist auch ein Strumpfwirkstuhl, ausgestellt im Museum Troyes in Frankreich und angefertigt im 18. Jahrhundert von Georg Andreas Marguth.

Marguth war ein Schüler Weidigs, der 1841 nach Amerika auswanderte. Dort arbeitete er zunächst als Zimmermann, dann mit dem Klavierbauer Heinrich Steinweg, dem späteren Gründer von Steinway & Sons. 

Das im Butzbacher Museum ausgestellte Tafelklavier fertigte Marguth nach 1859 an – nach seiner Rückkehr nach Butzbach.

Dr. Dieter Wolf

Es können keine Kommentare abgegeben werden.