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Chance vertan

Betr.: „Eine Stunde kostenlos surfen“, BZ vom 10.2.2018

Bravo Stadt Butzbach! Großartig! Eine Stunde kostenlos surfen. Auf dem Marktplatz. Wurde auch Zeit. Freies WLAN an öffentlichen Plätzen ist überfällig. Seit langem. Dass es jetzt auch in Butzbach soweit sein soll, ist begrüßenswert. Dass man sich nun für einen kommerziellen Anbieter entschieden hat, weniger. Es gäbe ja auch Alternativen. Zum Beispiel die nicht-kommerzielle Initiative für freie Funknetzwerke Freifunk. Freifunk funktioniert so: Jeder, der möchte, stellt einen Teil seiner vorhandenen DSL-Bandbreite, die im Regelfall mehr als 20 Stunden am Tag nicht genutzt wird, der Allgemeinheit zur Verfügung. In Zeiten von Flatrates und Geschwindigkeiten oft jenseits der 50 MBit kein Problem. Dafür braucht es nur ein zusätzliches Stück Hardware, das – je nach Leistungsfähigkeit – zwischen 30 und 50 Euro zu Buche schlägt. Dieser zusätzliche Router mit einer speziellen Software sorgt dafür, dass das eigene und das öffentliche Netz strikt voneinander getrennt sind. Das Problem der früher immer wieder zu teuren Abmahnungen führenden Störerhaftung ist übrigens seit Mitte letzten Jahres auch gelöst.

Privatanwender mögen die – wenn auch überschaubare – Investition vielleicht scheuen, für Ladeninhaber, Friseure oder Cafés dürften sich die Anschaffungskosten aber schnell amortisiert haben. Mit ‚Hier freies WLAN‘ lässt sich ja auch ganz gut werben.

Warum die Stadt Butzbach sich jetzt auf einen privaten kommerziellen Anbieter einlässt, kann ich nicht nachvollziehen. Es wäre sicher  interessant, die Hintergründe und Gründe zu erfahren, die letztlich zu dieser Entscheidung geführt haben.

Die handelnden Personen der Stadt Butzbach wissen von der nicht-kommerziellen Initiative Freifunk. Es gab mehrere Gesprächsangebote und Informationen seitens der Butzbacher Freifunker, die allerdings entweder ignoriert oder auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.

Seitens der Politik wird immer von Bürgerbeteiligung gesprochen und wie wichtig diese sei. Hier wurde leider eine Chance vertan, diesen strapazierten Begriff mit Leben zu füllen. Eine Lösung mit den ansässigen Gastronomen, lokalen Geschäften oder auch interessierten Privatpersonen wäre bürgernäher und vermutlich auch kostengünstiger als eine kommerzielle Lösung von der Stange. Und – da sich die Freifunk-Knoten miteinander verbinden – wohl reichweitenstärker als „beispielsweise in die Wetzlarer und die Weiseler Straße hinein“.

Nichtsdestotrotz ist es begrüßenswert, dass es 2018 freies WLAN in der Weidig-Stadt geben soll. Sehr viel früher als beispielsweise bei Herrn Söder in Bayern, der immerhin bis zum Jahr 2050(!) WLAN im öffentlichen Nahverkehr versprochen hatte.

Mehr Infos zu Freifunk gibt‘s übrigens unter www.freifunk-butzbach.de.

Andreas Rensch, Butzbach

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