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Chanukka ist ein Fest der Freiheit

BUTZBACH. Yachin Nahmani, Kantor und Vorbeter der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim (l.), entzündete im Ratsherrensaal am Montagabend die erste Kerze am achtarmigen Chanukkia-Leuchter im Beisein von Manfred de Vries, dem Vorsitzenden der Bad Nauheimer Gemeinde (M.) und Bürgermeister Michael Merle (r.). Text + Foto: dt

Jüdisches Lichterfest begann mit Anzünden der ersten Kerze im Rathaussaal

BUTZBACH (dt). „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass diese Veranstaltung heute hier im Rathaussaal bei uns stattfindet,“ stellte Butzbachs Bürgermeister Michael Merle in seiner Begrüßung am Montagabend fest. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Manfred de Vries, ergänzte: „Es ist etwas Besonderes, Chanukka heute in Butzbach – öffentlich und in der Mitte der Gesellschaft – zu feiern.“ Die Unterschiede zwischen den christlichen Religionsgemeinschaften und der jüdischen seien nicht wirklich groß. Für Juden in Deutschland gehe es heute darum, einen Platz in der „Normalität“ dieser Gesellschaft zu finden und zu erhalten. 

Manfred de Vries dankte dem Bürgermeister und dem Magistrat der Stadt Butzbach nachdrücklich für ihr Engagement, das Judentum den Menschen – auch im Rahmen der Aktion „Demokratie leben“ – allgemein nahe zu bringen. Dabei müsse man besonders an die jungen Menschen in der Gesellschaft denken. Er lehnte den Begriff eines in Deutschland wieder aufkommenden „Antisemitismus“ ab. Der sei unscharf, es gehe um nichts anderes als „Judenhass“. 

Eine aktuelle und bleibende Aufgabe sei es, das Leben der jüdischen Menschen in Deutschland in die Normalität zu führen. An diesen Auftrag wolle er gerade jetzt – zu Beginn des Chanukka-Festes – erinnern, an dem die kleine jüdische Gemeinde Bad Nauheim im historischen Rathaussaal in Butzbach erstmals Chanukka feiere. Der Saal sei – bis zur Einweihung der ersten Butzbacher Synagoge im Jahre 1928 – der Gebets- und Versammlungsraum der bestehenden jüdischen Gemeinde in Butzbach gewesen.  

Yachin Nahmani, der Kantor und Vorbeter der Bad Nauheimer Gemeinde, entzündete im Anschluss feierlich mit der erhöht stehenden Schamasch-Kerze, der gesonderten neunten Kerze, die lediglich zum Anzünden dient, die erste der Kerzen an dem achtarmigen Chanukka-Leuchter. Dazu sangen die Besucher der Festveranstaltung das „Ma’os zur Jeschuati“ („Zuflucht, Felsen unserer Erlösung, Dir gebührt Lobgesang. Erbaue erneut unser Haus des Gebets und dort werden wir Dir danken“). 

An jedem der acht Festtage – in diesem Jahr vom 23. bis 30. Dezember – wird eine weitere Kerze entzündet. Der Text des genannten Liedes führt zurück zu den historischen Wurzeln des Chanukka-Festes ins jüdische Jahr 3597 (im gregorianischen Kalender 164 v.Chr.), wie Manfred de Vries erläuterte. Geschichtlicher Ursprung ist die Besetzung Jerusalems durch die griechisch-makedonischen Seleukiden nach dem Zerfall des Weltreiches von Alexander dem Großen. Die Besatzer entweihten den heiligen jüdischen Tempel, indem sie – im Rahmen der Einführung des griechischen Kultes in ganz Judäa –dort heidnische Götterstatuen aufstellten.  

Die unterdrückten, gesetzestreuen Juden flüchteten daraufhin in die Berge und gründeten eine Untergrundarmee, die – nach mehrjährigen Kämpfen unter Führung von Judas Makkabäus – die griechischen Besatzer besiegte und vertrieb. Der befreite Tempel wurde wieder in Besitz genommen und gereinigt. „Chanukka“ als hebräisches Wort heißt auf Deutsch „Einweihung“. Im Gegensatz zur traditionellen siebenarmigen Menora hat der „Chanukkia“ genannte Leuchter acht Arme. Der Legende nach fanden die Befreier nach ihrer Rückkehr im Tempel lediglich einen versiegelten Krug mit geweihtem, koscheren Öl vor. Dieser konnte normalerweise nur noch für einen Tag Brenndauer an der Menora ausreichen. Das Lichterfest zur Befreiung des Tempels sollte jedoch acht Tage dauern. Da geschah das Wunder, dass die Lichter über acht Tage hinweg nicht erloschen, bis wieder neu gewonnenes Öl vorhanden war.      

Chanukka war nach der Überlieferung somit „ein Fest gegen die Unterdrückung, ein Fest der Freiheit“ betonte der Organisator der Chanukka-Feier am Montagabend, Aaron Löwenbein, im Butzbacher Rathaussaal in seinem kurzen Rückblick: „Es lohnt sich für die Freiheit zu kämpfen!“ Zu Chanukka sei es üblich, in Öl gebackene oder gebratene Speisen zu reichen. Zum Ausklang der Feier in Butzbach gab es darum für die Besucher frischgebackene Krapfen („Kräppel“).  

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